Kumulieren und Panaschieren sind bei der Kommunalwahl 2026 in
Frankfurt wenig genutzt worden. Die Analyse des Ergebnisses zeigt, wie die Stimmen verteilt wurden.Manchmal reicht ein Blick, um die politische Stimmungslage zu erfassen. Schaut man sich an, wer bei den vergangenen drei Kommunalwahlen in
Frankfurt die stärkste Kraft in den Stadtteilen war, wechselt die politische Landkarte in der Mitte die Farbe. 2016 zeigen zwei große rote Flächen zwischen
Niederursel und
Niederrad sowie
Bonames und
Fechenheim, dass die
SPD eine bestimmende Kraft war. 2021 übernahmen
Die Grünen diese Rolle und wurden sogar stärkste Partei. Bei der Wahl 2026 wird die Karte von der Farbe der
CDU bestimmt,
Die Grünen sind auf ein Band in der Mitte reduziert. Die
SPD hat lediglich noch im
Riederwald und in
Griesheim die Nase vorn.Wer einen detaillierten Einblick möchte, für den halten die städtischen Statistiker seit Montag die Wahlanalyse bereit. Sie kann unter der Internetadresse statistikportal.
Frankfurt.de aufgerufen werden. Weil jeder Wähler für die Stadtverordnetenversammlung bis zu 93 Stimmen an Kandidaten verschiedener Listen vergeben kann, lassen sich bei der Kommunalwahl zwar nicht die sonst üblichen Daten wie Wählerwanderung und Parteivorlieben nach Altersgruppen sinnvoll erheben, wie
Michael Wolfsteiner erläuterte, Leiter der Statistikstelle. Doch Kumulieren und Panaschieren, also das Verteilen von Stimmen auf einzelne Kandidaten und verschiedene Listen, ermöglichen ebenfalls interessante Erkenntnisse.Genutzt wurde diese Möglichkeit allerdings von so wenigen Wählern wie noch nie seit der Einführung im Jahr 2001. 71,7 Prozent haben eine Liste angekreuzt und den Stimmzettel ansonsten unverändert abgegeben; 2021 waren es lediglich 62,4 Prozent. Von den anderen haben knapp zehn Prozent Kandidaten innerhalb einer Liste mit einzelnen Stimmen bedacht, aber mit 18,4 Prozent fast doppelt so viele verteilten die Stimmen über mehrere Listen. Der Anteil der Briefwähler ging von 56,6 Prozent im Jahr 2021 auf 42,9 Prozent zurück.Die Wähler der Parteien nutzen Kumulieren und Panaschieren sehr unterschiedlich. Bei der
AfD kamen fast 80 Prozent der Stimmen aus unveränderten Stimmzetteln, bei der
CDU waren es 75,9 Prozent. Unter den größeren Parteien war der Anteil der panaschierten Stimmen, die von den Wählern also auf verschiedene Listen verteilt wurden, bei Volt mit 27,2 Prozent am größten, gefolgt von der Linken mit 23 Prozent. Das jedoch ist kein Vergleich zur Europaliste für
Frankfurt (ELF) und zu der Liste „Ich bin ein Frankfurter“ (IBF). Beide bekamen 80 Prozent der Stimmen von Wählern, die Kandidaten auf mehreren Listen ankreuzten. Zugleich lag bei beiden der Anteil der Briefwähler deutlich über 80 Prozent.Volt bekommt Stimmen von Grünen-WählernDie Wahlstatistik weist auch aus, wohin die Stimmen beim Panaschieren geflossen sind. Betrachtet wurden dazu die Wahlzettel, auf denen die Wähler mit einem Listenkreuz eine parteipolitische Präferenz erkennen ließen, aber außerdem Stimmen an andere Parteien verteilt haben. Die
CDU hat dabei jeweils um die 10.000 Stimmen von Wählern der Grünen, IBF, ELF,
SPD und FDP bekommen, während
CDU-Listenwähler unter anderem 21.000 Stimmen an FDP-Kandidaten verteilt haben.Grünen-Wähler haben mit 42.000 Stimmen Kandidaten von Volt unterstützt, aber auch mit jeweils mehr als 30.000 Stimmen
SPD und Linke. Umgekehrt bekam die Partei je um die 26.000 Stimmen von Linken- und
SPD-Anhängern. Die Sozialdemokraten profitierten ihrerseits von 36.000 Stimmen derjenigen, die eigentlich
Die Grünen-Liste angekreuzt hatten. Die Statistiker schränken die Aussagekraft dieser Zahlenspiele allerdings ein: Nur 2,8 Prozent aller Stimmen seien auf diese Weise durch Panaschieren vergeben worden.Auch die Kumulierkönige unter den Kandidaten lassen sich mit den interaktiven Tabellen zeigen. Bürgermeisterin Nargess Eskandari-Grünberg (
Die Grünen) holte 41 Plätze auf, Mukesh Galati von den Freien Wählern rutschte 35 Plätze nach vorn und Ana Oliveira Gonçalves Dos Santos (BFF) 30 Plätze. Genützt hat es allen dreien nichts: Einen Sitz im Stadtparlament erhalten sie trotzdem nicht. Eskandari-Grünberg könnte als Bürgermeisterin das Mandat ohnehin nicht annehmen.In dieser Form sei die Wahlanalyse in Deutschland einmalig, sagte die für Wahlen zuständige Dezernentin Eileen O'Sullivan (Volt). Nach 77 Ausgaben werde zwar die seit 1993 erschienene Reihe gedruckter Wahlanalysen eingestellt. Die jetzige Onlinevariante biete jedoch mehr Möglichkeiten der Darstellung.