Der Betreiber der
Astor Film Lounge hat der Darstellung der Jüdischen Gemeinde widersprochen. Sie warf dem Frankfurter Kino vor, mit ihrer Absage für die
Jüdischen Filmtage vor antisemitischem Druck zu kapitulieren.Der Betreiber des Kinos
Astor Film Lounge in
Frankfurt hat auf Vorwürfe der Jüdischen Gemeinde
Frankfurt, sich ohne Haltung aus einer Kooperation für die
Jüdischen Filmtage zurückzuziehen, mit Verwunderung reagiert. „Die
Astor Film Lounge MyZeil wird im Jahr 2026 nicht an den Jüdischen Filmtagen teilnehmen. Dies ist eine grundsätzliche, wirtschaftliche Entscheidung, denn im Jahr 2024 konnten wir gerade 40 bis 50 Gäste bei den in unserem Haus stattfindenden Vorstellungen begrüßen“, teilte Geschäftsführer
Tom Flebbe mit. „Die Veranstaltung hat sich damit wirtschaftlich nicht getragen. Wirtschaftliche Tragfähigkeit ist jedoch eine legitime und notwendige Grundlage für unternehmerische Entscheidungen – unabhängig vom inhaltlichen Kontext einer Veranstaltung.“Die
Frankfurt" class="entity-link entity-organization" data-entity-id="83011" data-entity-type="organization">Jüdische Gemeinde
Frankfurt hatte hingegen am Dienstag mitgeteilt, dass das Filmtheater die bisherige Kooperation aufgrund von Sicherheitsbedenken und mit Verweis auf die „heiße Lage“ nicht fortsetzen wolle. Flebbe betont nun, dass, anders als von der Jüdischen Gemeinde formuliert, keine Kooperation aufgekündigt, sondern lediglich eine Anfrage abgelehnt worden sei. „Unser Theaterleiter hat die Anfrage als einen normalen Geschäftsvorgang bearbeitet und beantwortet, ohne auf die besondere Problematik einzugehen“, schreibt Flebbe. „Wir haben keine Sicherheitsbedenken. Vergangene Veranstaltungen der Jüdischen Gemeinde mussten wir zwar leider unter Polizeischutz stattfinden lassen, was zu einem unsicheren Gefühl bei unseren Mitarbeitenden und unseren Kinogästen geführt hat. Das war aber nicht der primäre Grund, die Veranstaltung in diesem Jahr nicht bei uns stattfinden zu lassen.“Sein Unternehmen habe in der Vergangenheit schon häufig mit der Jüdischen Gemeinde zusammengearbeitet und plane mit Mitgliedern der Gemeinde bereits weitere gemeinsame Veranstaltungen. „Die unterstellte Gleichsetzung einer unternehmerischen Entscheidung mit antisemitischer Haltung ist falsch und eine unzulässige Vereinfachung. Nicht zuletzt belegen die vergangenen gemeinsamen Veranstaltungen mit der Jüdischen Gemeinde unsere langjährige, gelebte Verbundenheit.“ Der Kinobetreiber bedauere, dass die Absage falsch interpretiert worden sei und stehe für ein klärendes Gespräch mit der Jüdischen Gemeinde
Frankfurt jederzeit zur Verfügung.Fordert Haltung: Hessens Antisemitismusbeauftragter Uwe Becker kritisiert die Betreiber der
Astor Film Lounge.dpaUngeachtet der Klarstellung durch den Betreiber warf auch Nargess Eskandari-Grünberg (Die Grünen), Bürgermeisterin der Stadt
Frankfurt, dem Kinobetreiber vor, Auch Uwe Becker (CDU), Antisemitismusbeauftragter des Landes Hessen, hatte die Betreiber vor Bekanntwerden von deren Klarstellung aufgefordert, ihre Entscheidung zu überdenken. „Wer zurückweicht, überlässt die Stadt den Feinden der Demokratie“, sagte Becker. „Die
Jüdischen Filmtage sind wie die Jüdischen Kulturwochen wichtige Instrumente zur Sichtbarmachung jüdischen Lebens in unserer Gesellschaft. Sie gehören so wie jüdisches Leben selbst in die Mitte unserer Gesellschaft, weil jüdische Kultur Teil der Identität unseres Landes ist“, schrieb Becker. Und weiter: „Wenn nun das Kino ,Astor-Lounge‘ die Kooperation mit der Jüdischen Gemeinde
Frankfurt kurzfristig kündigt und Sicherheitsbedenken nennt, dann ist dies ein absolutes Armutszeugnis und Einknicken vor dem Judenhass.“