In
Wiesbaden werden zehn Tandems von Künstlern mit und ohne Handicap gemeinsam Kunst schaffen. Das vor zwei Jahren entstandene Projekt „Touched by Art“ hat schnell prominente Förderer gefunden.
Andrea Hausy, kommunale Inklusionsbeauftragte in
Wiesbaden, hatte 2024 die Idee, gehandicapte Menschen mit Künstlern ohne Behinderung zusammenzubringen und ihnen die Arbeit an gemeinsamen Werken zu ermöglichen. In
Torsten Anstädt, Geschäftsführer eines gemeinnützigen Unternehmens der Pflegebranche, fand sie einen ersten Mitstreiter. Er hat inzwischen die Projektleitung übernommen. Für die fachliche Betreuung hat Hausy die langjährige Wiesbadener Galeristin und Kunstvermittlerin
Christine Rother gewinnen können. Sie unterstützt das Projekt nicht nur als Kuratorin, sondern nutzt ihre Bekanntheit auch für die Akquise von Sponsoren.Weil für die intensive Zusammenarbeit an einem gemeinsamen Werk eine gewisse Zugewandtheit Voraussetzung ist, habe das Projektteam in der Vorbereitungsphase die Künstler in Zusammenarbeit mit Behindertenorganisationen und inklusiven Kunstinitiativen ausgewählt, erläutert Rother. Beteiligt waren EVIM, Vitos, Facettenwerk, Werkgemeinschaft und IFB.
Yayoi Kusama,
Gerhard Richter und
Udo Lindenberg PatenBei der Suche nach Unterstützern ist dem Team Außergewöhnliches gelungen: Die zu den bedeutendsten und teuersten zeitgenössischen Künstlern zählenden
Yayoi Kusama aus
Japan und
Gerhard Richter aus Deutschland haben zusammen mit Panik-Rock-Legende und Maler
Udo Lindenberg die Patenschaft für das Projekt übernommen. Kusama will sich sogar aus
Japan per Videoschalte an einem Halbzeittreffen beteiligen.Zu den Unterstützern der ersten Stunde gehört auch Museums-Stifter und Kunstsammler
Reinhard Ernst. Veranstaltungen wie diese trügen dazu bei, mit dem Vorurteil aufzuräumen, dass Menschen mit Beeinträchtigungen nicht einen gleichberechtigten Stellenwert als Künstler haben können, sagt Reinhard.Die in den nächsten zwei Monaten entstehenden Arbeiten aller zehn Tandems werden erstmals am 24. Juni dieses Jahres im
Museum Reinhard Ernst gezeigt. Tags darauf werden sie von Christie’s Deutschland versteigert. Ungeachtet dessen werden die Werke vom 17. Juli bis zum 23. August im Bellevuesaal an der Wilhelmstraße in
Wiesbaden öffentlich ausgestellt.„Inklusion gehört mitten in die Stadt, gehört ins Rathaus“Der Wiesbadener Oberbürgermeister
Gert-Uwe Mende (SPD) hat die Schirmherrschaft nach eigenem Bekunden mit großer Freude übernommen. „Inklusion gehört mitten in die Stadt, gehört in das Rathaus“, sagte Mende in seiner Eröffnungsrede im Festsaal des Rathauses. Das Projekt stehe für eine vorurteilsfreie Begegnung und Wertschätzung.Mende teilt sich die Schirmherrschaft mit der Performance-Künstlerin Cindy Klink, die am Mittwoch nicht anwesend sein konnte. „Kunst war für mich nie nur Ausdruck — sie war immer auch Brücke“, äußert die gehörlos geborene Frau, die heute mit Implantaten hört, im Internetauftritt des Projekts. „Touched by Art“ bedeute genau das: Verbindung schaffen, dort, wo oft Trennung empfunden werde, führt Klink weiter aus.Marius Ohlendorf, selbst gehandicapt und Sprecher des Expertenrats der Landeshauptstadt
Wiesbaden, sagte beim Projektstart, er finde es wichtig, dass Künstler mit und ohne Behinderung zusammen Kunst machten. „Kunst verbindet alle Menschen zusammen. So entsteht eine Gemeinschaft für alle Menschen, etwas Schönes zu machen.“Arbeiten werden die Künstler aus ganz Deutschland mit ihren gehandicapten Partnern aus der Region im Wiesbadener Palast-Hotel. Die GWW Wiesbadener Wohnbaugesellschaft hat Hausy zufolge in dem vor der Sanierung stehenden Bau gegenüber der Hessischen Staatskanzlei Interims-Ateliers eingerichtet und sie dem Projekt zur Verfügung gestellt.Das Projektteam hat zudem den Fotografen und Filmemacher Olli Duerr gewinnen können, der das Projekt die gesamten zwei Monate filmisch begleiten wird. Den Erlös der Versteigerung wollen die Initiatoren dazu nutzen, um aus „Touched by Art“ ein dauerhaftes Projekt von Kunst und Inklusion zu machen.