Der Betreiber des Kinos
Astor Film Lounge an der Frankfurter Zeil sieht sich an den Pranger gestellt. Deshalb meldet sich nun auch Seniorchef
Hans-Joachim Flebbe zu Wort. Er bekennt sich zu Fehlern im Unternehmen, sieht aber keinen Grund zu Buße.
Hans-Joachim Flebbe ist erfahren im Umgang mit Krisen. Einst gründete er mit Geschäftspartnern die Kinokette
Cinemaxx. Der 74 Jahre alte ehemalige Vorstandschef des Unternehmens gehört zu den Größen der vergangenen Jahrzehnte im deutschen Filmtheatergeschäft. Jetzt aber sieht er, der sich vor anderthalb Jahrzehnten aus der
Cinemaxx-Führung zurückgezogen hat, sein heutiges Unternehmen einem Sturm ausgesetzt.Flebbe Services wird als Betreiber der
Astor Film Lounge in
Frankfurt vorgeworfen, mit der Weigerung, das Kino als Veranstaltungsort für die Jüdischen Filmtage zur Verfügung zu stellen, ein „fatales Signal“ ausgesendet zu haben, wie es die Frankfurter Bürgermeisterin
Nargess Eskandari-Grünberg (
Die Grünen) formulierte. Ähnlich äußerten sich der hessische Antisemitismusbeauftragte
Uwe Becker (
CDU) und die christlichen Kirchen in einer gemeinsamen Erklärung.Öffentlich geworden war die Absage der
Astor Film Lounge My Zeil durch eine Pressemitteilung der Jüdischen Gemeinde
Frankfurt, die darin aus dem Mailverkehr mit dem Frankfurter Theaterleiter zitierte. Darin verweist dieser auf die „heiße Lage“, Sicherheitsbedenken und das Unbehagen seiner Mitarbeiter sowie anderer Kinobesucher bei den vorangegangenen Filmtagen wegen des nötigen Polizeischutzes. Erst später habe das Kino offiziell mit wirtschaftlichen Erwägungen seine Absage begründet, wie
Marc Grünbaum, Vorstandsvorsitzender der Jüdischen Gemeinde
Frankfurt, dem Hessischen Rundfunk am Mittwoch noch vor Beginn der Pessach-Feierlichkeiten sagte.Flebbe, der die Geschäfte als Seniorchef mit Sohn Tom führt, sieht sein Unternehmen dadurch zu Unrecht an den Pranger gestellt. Mittlerweile stürze sich bundesweit die Boulevard-Presse auf sein Unternehmen und unterstelle, dass es eingeknickt sei vor möglichem antisemitischem Protest. In all den Jahrzehnten hätten seine Kinos noch nie Vorwürfe dieser Qualität hinnehmen müssen. Vergleichbare Wellen habe nur einmal ein Protest des Anfang der Neunzigerjahre verstorbenen Neonazis Michael Kühnen vor einem seiner Kinos geschlagen.Flebbe will nun die Wogen glätten. Er betont, dass bis zur ersten Veröffentlichung der Absage durch die Jüdische Gemeinde in der Hamburger Zentrale niemand Kenntnis gehabt habe von der gesamten Entwicklung, da der Theaterleiter in
Frankfurt autonom entscheide. „Unser Theaterleiter hat unglücklich und in keiner Weise der Haltung unseres Unternehmens entsprechend kommuniziert. Das haben wir intern auch angesprochen“, sagt Flebbe. „Aber wir fallen unserem Mitarbeiter jetzt nicht in den Rücken und machen ihn nicht zum Bauernopfer. Er hat die nötige Sensibilität vermissen lassen, und er wird daraus lernen.“Sein Sohn wolle auch mit der Jüdischen Gemeinde Kontakt aufnehmen. Für einen persönlichen Termin in
Frankfurt sieht Flebbe indes keinen Grund. „Wir haben uns nichts zuschulden kommen lassen, sondern einfach eine Veranstaltung nicht angenommen“, sagt er. „Würden wir jetzt Buße tun, würden wir dem Ganzen aus unserer Sicht viel zu viel Bedeutung geben, die der Vorgang niemals haben sollte.“Unterdessen hat sich am Donnerstag auch der Magistrat der Stadt
Frankfurt geäußert, die die Jüdischen Filmtage gemeinsam mit der Jüdischen Gemeinde veranstaltet. „Wir setzen uns aktiv für die Sichtbarkeit jüdischen Lebens und jüdischer Kultur ein“, sagte Oberbürgermeister Mike Josef (SPD) gemäß einer Pressemitteilung. „Gerade jetzt ist es wichtig, dass wir Haltung zeigen und mit dieser wunderbaren Veranstaltungsreihe, die im Übrigen großartige und durchaus auch humoristische und gar nicht nur ernste jüdische Filme zeigt, ein starkes Zeichen setzen; gegen Hass und Antisemitismus, aber auch dafür, dass jüdische Kultur und jüdisches Leben in dieser Stadt selbstverständlicher Teil unserer Kulturlandschaft ist.“ Die Stadt
Frankfurt begrüße es ausdrücklich, dass alle Beteiligten Gesprächsbereitschaft signalisiert hätten, und sei bereit, diesen Dialog zu unterstützen.Das könnte nötig werden, da Gemeinde-Vorstand Grünbaum im Hessischen Rundfunk recht deutlich zum Ausdruck gebracht hat, Grundlage für eine Gesprächsbereitschaft sei, dass die
Astor Film Lounge ihre Fehleinschätzung klarer als bislang eingestehe.