NEWSAR
Multi-perspective news intelligence
SRCDie Welt
LANGDE
LEANCenter-Right
WORDS920
ENT6
SUN · 2026-04-05 · 12:34 GMTBRIEF NSR-2026-0405-53474
News/Keine Haltung, nirgends Gesinnung, null Bedeutung – nur die …
NSR-2026-0405-53474Analysis·DE·Human Interest

Keine Haltung, nirgends Gesinnung, null Bedeutung – nur die Sensation purer Malerei

Die Ausstellung des fast hundertjährigen Malers Alex Katz in Tübingen zeigt Werke, die sich bewusst von der Erwartungshaltung an zeitgenössische Kunst distanzieren. Katz' Bilder, oft schlicht benannt nach ihren Motiven wie "Gras" oder "Januar Schnee", verzichten auf tiefergehende Bedeutung oder Botschaften und konzentrieren sich stattdessen auf die reine Darstellung des Gesehenen.

Hans-Joachim MüllerDie WeltFiled 2026-04-05 · 12:34 GMTLean · Center-RightRead · 4 min
Keine Haltung, nirgends Gesinnung, null Bedeutung – nur die Sensation purer Malerei
Die WeltFIG 01
Reading time
4min
Word count
920words
Sources cited
1cited
Entities identified
6entities
Quality score
100%
§ 01

Briefing Summary

AI-generated
NEWSAR · AI

Die Ausstellung des fast hundertjährigen Malers Alex Katz in Tübingen zeigt Werke, die sich bewusst von der Erwartungshaltung an zeitgenössische Kunst distanzieren. Katz' Bilder, oft schlicht benannt nach ihren Motiven wie "Gras" oder "Januar Schnee", verzichten auf tiefergehende Bedeutung oder Botschaften und konzentrieren sich stattdessen auf die reine Darstellung des Gesehenen. Die Ausstellung in der Kunsthalle Tübingen unterstreicht Katz' Fähigkeit, durch einfache Landschafts- und Figurenbilder zu fesseln, ohne ein umfassendes Weltbild zu vermitteln. Kuratorin Nicole Fritz zitiert Katz mit der Aussage, dass es nichts Außergewöhnlicheres gebe, als die Dinge wirklich anzusehen, ohne vorgefasste Meinungen. Die Ausstellung präsentiert somit eine Malerei, die sich auf die unmittelbare visuelle Erfahrung konzentriert.

Confidence 0.90Sources 1Claims 5Entities 6
§ 02

Article analysis

Model · rule-based
Framing
Human Interest
Tone
Measured
AI-assessed
CalmNeutralAlarmist
Factuality
0.40 / 1.00
Mixed
LowHigh
Sources cited
1
Limited
FewMany
§ 03

Key claims

5 extracted
01

The curator Nicole Fritz quotes Alex Katz: 'Es gibt nichts Außergewöhnlicheres als wenn man sich die Dinge wirklich ansieht.'

quoteNicole Fritz
Confidence
1.00
02

Alex Katz's paintings often depict simple subjects like 'Gras', 'Herbst', 'Baum', 'Sommer', 'Januar Schnee'.

factualnull
Confidence
1.00
03

Alex Katz's work shares similarities with Colourfield Painting but never fully embraces abstraction.

factualnull
Confidence
0.90
04

Alex Katz's exhibition in Tübingen offers a nearly forgotten experience.

quotenull
Confidence
0.80
05

Alex Katz's work shows a Werk-Nähe to Pop-Art.

factualnull
Confidence
0.70
§ 04

Full report

4 min read · 920 words
PfadnavigationHomeKulturAlex KatzKeine Haltung, nirgends Gesinnung, null Bedeutung – nur die Sensation purer MalereiStand: 14:34 UhrLesedauer: 5 MinutenAlex Katz, „Homage to Monet 1“, 2009Quelle: © Alex Katz/ARS, New York/VG Bild-Kunst, Bonn 2026; Foto: Paul TakeuchiDer fast hundertjährige Maler Alex Katz verweigert all das, was viele heute glauben, von Gegenwartskunst erwarten zu müssen. In seiner Ausstellung in Tübingen eröffnet er damit eine fast vergessene Erfahrung.„Gras“. „Herbst“. „Baum“. „Sommer“. „Januar Schnee“. Beschriftung überflüssig. Die Bilder heißen wie die Gegenstände, die sie zeigen. Und außer ihren Gegenständen ist nichts, was es zu bedenken gäbe. Es liegt Schnee, und die kahlen Bäume verblassen im Winternebel, und mehr ist nicht. Und dass nicht mehr ist, ist wie ein Wunder! Denn immer müssen doch Bilder mehr sein, sollen bedeuten, belehren, befremden, Zeichen sein, Parabel, Predigt, Kommentar, Pamphlet, Einwurf, Störgeräusch, Parole, Demonstration.Dass der gemalte Baum mit seinen krakeligen Ästen sich souverän damit begnügt, Sehgegenstand zu sein, schieres Sehereignis, man will es angesichts der gewohnten Inhaltsansprüche der Bilder fast nicht glauben. Für irgendeine Transzendenz muss er doch Chiffre sein, irgendein Animationsgrund zur verlässlich anspringenden Verstandesarbeit muss in ihm verborgen liegen. Aber Alex Katz liefert ihn nicht. Und es ist sein Geheimnis, wie es dem inzwischen hochbetagten amerikanischen Maler mit seinen gelassenen Landschafts- und Figurenbildern immer noch gelingt, von einem Weltausschnitt zum anderen zu blenden, ohne dass das Panorama zum Weltbild würde.Fast zwingend erinnert die ikonische Bescheidung an den späten Hölderlin im Tübinger Turm, wo die erschöpfte Dichterseele außer kargen Vierzeilern zum Wechsel der Jahreszeiten auch nicht mehr zu sagen brauchte und getrost warten durfte, bis der Schreiner Zimmer die Nudelsuppe brachte. Heitere Ruhe, wie soll man es anders sagen. Heitere Ruhe ist es, was den großen Überblick über Alex Katz’ Malerei in der Tübinger Kunsthalle so faszinierend macht. „Es gibt nichts Außergewöhnlicheres“, zitiert die Kuratorin Nicole Fritz den Künstler, „als wenn man sich die Dinge wirklich ansieht. Wenn man nicht auf das schaut, was man denkt, was sie sind oder was sie bedeuten, sondern nur auf das, was sie zu sein scheinen“.Angesichts der imposanten Bildmaße und der Modellierung der Gegenstände aus flächigen Farbfeldern könnte man an das amerikanische Colourfield Painting denken, wie es Barnett Newman, Al Held oder Frank Stella entwickelt haben. Aber anders als die große New Yorker Schule der Hard-Edge-Malerei hat sich Alex Katz nie auf die Abstraktion eingelassen. Was mitunter wie Abstraktion, also wie Künstlichkeit erscheint, ist bereinigtes Sehen, Reduktion auf den dominanten Seheindruck. Am Baum interessiert jetzt nicht die Rinde und nicht die Blattformen, nur die Geste seiner Verzweigung.Ganz ähnlich erscheint die Werk-Nähe zur Pop-Art. Wie sie ist auch Alex Katz an der Alltagsrealität interessiert, wobei seinen Bildern die zynische Überhöhung der Banalität gänzlich fehlt. Der Maler zoomt sich an seine Sujets heran, und er tut das ganz offensichtlich, um mehr von ihnen zu erfahren. Oder sich näher an sie zu erinnern. Wie bei seiner „Homage to Monet“, die die Seerosen- und Gartenbilder des verehrten Meisters in gebirgsähnliche und kugelige Silhouetten auflöst oder goldgelbe Steine in einem monumentalen schwarzen Bildraum ausstreut, sodass es wie die Entdeckung eines Schatzes aussieht.Lesen Sie auchNicht anders die Neugier, die Katz’ Figurenbilder verraten. Es ist ein Spiel mit den leisen Übergängen zwischen Erkennbarkeit und Verwandlung. Die Art, wie er „Paul Taylor“ in den leeren Rum stellt, wie er seine „Coca-Cola Girls“ als Körperausschnitte paradieren lässt oder sie zu Schaufensterpuppen versteift und sich auf ihre Ober- oder Unterkleidung konzentriert – es ist der Blick des Fotografen, der seine Motive umlauert und immer neue Einstellungen sucht. Lesen Sie auchKeine Linie verläuft parallel, keine Licht- und Schattenpartie kommt zweimal vor. Auch wenn die Mittel aus dem Flächenstil der 1960er-Jahre stammen, nehmen sie nicht wirklich teil an der Feier der Reproduktion, über der die Pop-Art zum Signet eines Lebensgefühls geworden ist.Wobei die konkurrierenden Stimmungen, in die das Werk zu zerfallen scheint, sich unverratener Strategie verdanken. Wunderbar leichthändig und frei von aller versteckten Erkenntnisstiftung schaltet der Maler von der Nacht zum leuchtenden Tag, zitiert die Filmschnitttechnik und wechselt ins Cinemascope-Format, brilliert mal in Porträtgenauigkeit und dann wieder in der Figurenabstraktion, zitiert aus der Kunstgeschichte und huldigt seiner verschwiegenen Phantasie.Auch das Naturstück kennt diesen jähen Wechsel von warm und kalt. Als entstünde das Bild im Entwicklerbad, so lösen sich aus der Dämmerung Äste, Zweige und Blätter, und im matten Glanz der unsichtbaren Lichtquelle graben die Linien feine Spuren in den dunklen Grund. Mag der knapp bemessene Bildausschnitt auch gänzlich unspektakulär sein, frei von aller zeichenhaften Schwere und Metaphernlast, der Eindruck ist doch überwältigend. Diese kolossale Unmittelbarkeit, die zeichenlos sinnliche Gegenwart, die in diesem Werk herrscht und wie absichtslos an den Gegenständen hängen und auf sie konzentriert bleibt, ist in der zeitgenössischen Kunst ein ziemlich einsames Phänomen. Kunst ist ja ohne den Gesinnungsmehrwert, den sie schafft, kaum mehr vorstellbar. Immer muss sie Haltung zeigen, Gesinnung demonstrieren, auf doppeltem Boden spielen. Auch Dürers berühmtes „Wiesenstück“ ist nie anders überliefert worden denn als Beweisstück virtuoser Malkunst oder Huldigung an Gottes unfassliche Natur. Insofern erweist sich der selbstgenügsame Sensualismus eines Alex Katz als kostbare Ausnahme. Dem fröhlichen Bildermacher David Hockney nicht unähnlich, der vom Sprung in den Pool bis zum blühenden Baum in der Normandie kaum einen zufriedenen Diesseitsbericht ausgelassen hat.Spektakulär unspektakulär: Ist es das? Jedenfalls sucht Alex Katz das visuelle Ereignis, wie es so nur im Bild möglich ist. Und verwandelt es in Malerei, die keine Verrätselung kennt. Das einzige Rätsel bleibt der Gegenstand selbst. „Gras“. „Herbst“. „Baum“. „Sommer“. „Januar Schnee“. Tausendmal gesehen. Und dann malt es einer, und es ist, als würden wir es zum ersten Mal sehen.„Alex Katz. Dancing with Reality“, bis 13. September 2026, Kunsthalle Tübingen
§ 05

Entities

6 identified
§ 06

Keywords & salience

9 terms
alex katz
1.00
malerei
0.90
reine malerei
0.80
gegenwartskunst
0.70
figurenbilder
0.60
landschaftsbilder
0.60
sehereignis
0.50
tübingen
0.50
farbfelder
0.40
§ 07

Topic connections

Interactive graph
No topic relationship data available yet. This graph will appear once topic relationships have been computed.