Mehr Einfuhren als Exporte Europas Autohandel mit
China kippt Stand: 20.03.2026 • 15:32 Uhr Erstmals hat die EU mehr Autos und Teile aus
China importiert als dorthin exportiert. Experten warnen mit Blick auf die für Deutschland so wichtige Branche vor Werksschließungen und einem "Elektro-Desaster". Im Autohandel mit
China haben sich die Kräfteverhältnisse gedreht: Die Europäische Union hat im vergangenen Jahr erstmals mehr Autos und Autoteile aus
China eingeführt als sie dorthin exportiert hat. Das geht aus einer Analyse der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft
EY hervor. Demnach brachen die EU-Ausfuhren nach
China im vergangenen Jahr um 34 Prozent auf 16 Milliarden Euro ein. Gleichzeitig stiegen die Importe aus
China auf den Rekordwert von 22 Milliarden Euro. Aus einem enormen Exportüberschuss ist damit ein Defizit von sechs Milliarden Euro geworden. Für die deutsche Autoindustrie ist das ein deutliches Warnsignal.
China war im vergangenen Jahr nur noch das sechstwichtigste Exportland für deutsche Hersteller. Im Jahr zuvor hatte die Volksrepublik noch Rang zwei belegt. Seit dem Rekordjahr 2022 haben sich die deutschen Ausfuhren nach
China mehr als halbiert. Zugleich stiegen die Kfz-Einfuhren aus
China im selben Zeitraum um zwei Drittel. Auch insgesamt verschärft sich der Druck auf den Autostandort Deutschland. Die Exporte in die USA sanken im vergangenen Jahr um 18 Prozent, nach
China sogar um 33 Prozent. Nach Einschätzung von
EY sorgt das für massive Überkapazitäten in der deutschen Autoindustrie. Die stark gestiegenen Exporte der Volksrepublik sind allerdings nicht nur ein Zeichen wachsender Stärke chinesischer Marken.
EY verweist darauf, dass auch deutsche Hersteller und Zulieferer in
China produzieren und Fahrzeuge oder Teile von dort nach Europa exportieren. Das gilt etwa für Modelle der
BMW-Tochter
Mini, den
Cupra Tavascan aus dem
Volkswagen-Konzern oder Fahrzeuge der Marke
Smart, die
Mercedes-Benz zusammen mit seinem Großaktionär
Geely vollständig in
China fertigt. Hinzu kommt: Zu den Kfz-Importen zählen auch E-Auto-Batterien. Gerade in diesem Markt dominieren Anbieter aus
China. Besonders angespannt ist die Lage mittlerweile bei den deutschen Zulieferern. Deren Umsatz sank 2025 um vier Prozent, die Beschäftigung sogar um gut zehn Prozent. Seit 2019 ist damit fast jede vierte Stelle in diesem Bereich weggefallen. Insgesamt wurden von Januar bis November 39 Insolvenzverfahren in der deutschen Autoindustrie eröffnet - so viele wie zuletzt 2012.
EY-Experte Constantin Gall warnt zudem vor einem "Elektro-Desaster". Viele Unternehmen hätten im Vertrauen auf rasch steigende Absatzzahlen hohe Investitionen in die E-Mobilität getätigt, ohne dass sich die erhofften Markterfolge eingestellt hätten. "Jetzt sehen wir bei vielen Herstellern einen Strategieschwenk zurück zum Verbrenner - was erneut hohe Investitionen erfordert." Für die Branche folge daraus der Zwang, sich deutlich schlanker aufzustellen, betont
EY-Experte Gall. Bei Zulieferern seien Standortschließungen bereits Alltag. Aber auch bei Herstellern könnten nun drastischere Schritte folgen. "Der Stellenabbau wird weitergehen - bis zu einer echten Gesundung der Branche ist es aber noch ein sehr weiter Weg."