Die erste Halbzeit in Köln: Holla, die Waldfee. Da war was los, drei Treffer nach sieben Minuten, das gab es in der
Bundesliga zuletzt 2013, auch damals mit Gladbacher Beteiligung gegen den
FC Bayern. Hochgerechnet wären das fast 30 Tore in den 90 Minuten. Dem konnten beide Teams dann doch nicht gerecht werden.
Philipp Sander machte nach 21 Minuten noch das 2:2 für die Gäste, danach fiel bis zur Pause tatsächlich kein Tor mehr. Sehr enttäuschend.Die erste Halbzeit in
Wolfsburg: Fand weitgehend außerhalb der Arena statt. Nach Auseinandersetzungen mit der Polizei wurde ein Großteil der Werder-Ultras nicht ins Stadion eingelassen. Ein Vorfall, der sich in dieser Saison in eine Serie von Konfrontationen zwischen Fans und Polizei, die sich hochschaukeln, einreiht. Vor dem Hintergrund der Drohkulisse, die die Innenminister in Richtung
Bundesliga wiederholt aufgebaut haben, zuletzt in der Vorwoche rund um die Sportministerkonferenz auf Norderney, hat das eine besondere Note. Gespielt wurde auch noch, aber so, wie man das von beiden Clubs derzeit erwarten darf: viel Gestocher. Kurz vor der Pause weckte Wolfsburgs
Jesper Lindstrøm die Zuschauer mit einem Lattentreffer auf.Die zweite Halbzeit in Köln: Torärmer. Und dennoch bot sie das Highlight des Spiels.
Jens Castrop nahm in der 60. Minute Maß und traf vom Strafraumeck sehenswert in die lange Kölner Torecke. Also wieder Zeit für den FC, zu kontern:
Eric Martel köpfte einen Eckstoß ins Gladbacher Tor – und kassierte zwei Minuten später die Ampelkarte. Die zweite Halbzeit in
Wolfsburg:
Wolfsburg drängte,
Werder Bremen machte das Tor.
Justin Njinmah vollendete den eigentlich ersten ambitionierten Werder-Angriff der zweiten Hälfte in der 68. Minute zum Führungs- und Siegtor. Der Hecking-Effekt lässt in
Wolfsburg noch auf sich warten. Das Gelb-Rot von
Moritz Jenz in der Schlussphase machte es alles nicht besser.Spieler des Nachmittags:
Jens Castrop ist in Düsseldorf geboren und in Köln ausgebildet worden. Seit dem Vorjahr spielt er bei
Borussia Mönchengladbach, ihm fehlt eigentlich nur noch Bayer Leverkusen in seiner Rheinland-Sammlung. In Gladbach hat der Mann, der seit 2025 für die Nationalelf Südkoreas spielt, noch nicht den Durchbruch geschafft. Aber ein solcher Derby-Auftritt mit zwei Toren reicht, um ihn bei den Borussia-Fans unsterblich zu machen. Die Gladbacher dürften die Kölner Arena ins Stadion an der Castroper Straße umbenennen, obwohl das Original in Bochum steht. Reitzfigur des Nachmittags: Rocco Reitz ist in Mönchengladbach geboren und aufgewachsen und hat sein Leben lang für Borussia gespielt. »Er denkt seit der Geburt Gladbach«, sagt sein Trainer Eugen Polanski. Künftig muss der Borussia-Kapitän umdenken, ab Sommer denkt er Leipzig. Der Wechsel zu RB steht fest. Vom Traditionsverein zum Neureichen – wie gemacht für die handelsübliche Empörung. Auch wenn man bedenkt, welchen Aufruhr die Wechsel von Ex-Manager Max Eberl und Ex-Trainer Marco Rose nach Leipzig einst auslösten. Aber die Aufregung hält sich diesmal in Grenzen. Zu gut kann die Borussia die 20 Millionen Euro Ablöse gebrauchen. Pecunia non olet, Geld stinkt nicht. Auch nicht nach Taurin. Zahl des Nachmittags: Es sind sogar zwei Zahlen. Zum einen: Es war das 100. Rhein-Derby in der
Bundesliga. Ganz so viel hat das grün-weiße Nordduell in
Wolfsburg nicht zu bieten. Zum 56. Mal trafen sich
Wolfsburg und Werder in der Liga. Mit einer bemerkenswerten Bilanz vor dem Anpfiff: 22 Siege für Bremen, elf Unentschieden, 22 Siege für
Wolfsburg.Zitat des Nachmittags: »Das war zu erwarten, dass das kein fußballerischer Leckerbissen hier wird.« Dazn-Livereporter Michael Born sprach ein wahres Wort in
Wolfsburg gelassen aus. Beileibe keine Delikatesse, eher VW-Currywurst. (Obwohl: nichts gegen diese Currywurst!)