Drei Dortmunder Elfmeter sind für den HSV einer zuviel Erst kontert der
Hamburger SV Borussia Dortmund aus. Nach der Pause schlägt der BVB zurück. Strafstoßschütze
Ramy Bensebaini wird zum Matchwinner.
Maximilian Beier und der BVB drehen das Spiel gegen den HSV Dieser Artikel gehört zum Angebot von SPIEGEL+. Sie können ihn auch ohne Abonnement lesen, weil er Ihnen geschenkt wurde. Szene des Spiels: In der 44. Minute schien es doch noch Anlass zu geben, dass in dieser verkorksten Halbzeit etwas gut werden würde für
Borussia Dortmund.
Maximilian Beier hatte einen leichten Tritt im Hamburger Strafraum billigend zum Anlass genommen, um zu fallen. Also Elfmeter: Da
Serhou Guirassy und
Ramy Bensebaini jedoch noch auf der Bank schmorten, trat
Felix Nmecha an und gab dem Bundestrainer
Julian Nagelsmann anschließend wertvolle Hinweise, welche Spieler er bei der WM in einem potenziellen Elfmeterschießen nicht nominieren sollte: Nmecha zielte neben das Tor, das passiert auf diesem Niveau nicht mehr oft. Aber es sollte nicht der letzte Elfmeter dieser Partie bleiben. Resultat des Spiels:
Borussia Dortmund besiegt den
Hamburger SV nach 0:2-Pausenrückstand noch 3:2 und zementiert seinen zweiten Platz, neun Zähler hinter den
Bayern. Der HSV, bei dem Dortmunds Trainer Niko Kovač mal gespielt hat, verpasst das Aufrücken in die obere Tabellenhälfte und muss sich dann doch noch weiterhin mit dem Thema Kampf um den Klassenerhalt beschäftigen. Die erste Halbzeit: Die vor allem Dortmunds
Felix Nmecha, vom Bundestrainer hochgeschätzt, am liebsten vergessen möchte. Der HSV konterte die Dortmunder immer wieder aufs schon vor dem 1:;0 durch
Philip Otele in der 19. Minute stand die schwarzgelbe Defensive mehrfach blank. Vor dem 0:2 verstolperte Nmecha den Ball, der am Ende erst bei
Albert Sambi Lokonga und dann im Dortmunder Tor landete. Kurz vor der Pause hatte Nmecha dann die große Chance zum Anschlusstreffer. Aber es war ja schon zu lesen, was er daraus gemacht hat. Die zweite Halbzeit: Der BVB erhöhte nun deutlich den Druck, bedingt auch durch mehrere Einwechslungen von Niko Kovač. Der HSV ließ sich weit in die eigene Hälfte zurückdrängen, man könnte ihm zugutehalten, die alte Rope-a-Dope-Technik von Muhammad Ali anzuwenden, Rückzug in die Seile. Zumindest war sie eindeutig weniger erfolgreich – wieder gab es einen Elfmeter für den BVB, und mittlerweile war Bensebaini auf dem Feld: 1:2 nach 73 Minuten. Nur fünf Minuten später schlug es erneut im HSV-Tor ein.
Serhou Guirassy und Fabio Silva vollendeten eine Slapstick-Situation im Fünfmeterraum per Kopf zum 2:2. Und weiter gings: Handspiel, wieder Elfmeter, Nummer drei. Bensebaini erledigte das in der 84. Minute mit all seiner Strafstoß-Souveränität. Spieler des Spiels: In der 7. Minute des Spiels tauchte
Maximilian Beier komplett frei vor dem Hamburger Tor auf und platzierte den Ball so, dass er genau ins HSV-Toreck gepasst hätte. Aber Hamburgs Keeper Daniel Heuer-Fernandes machte einen Spagatschritt und bekam den Fuß noch an den Ball. Eine imposante Parade und durchaus sinnbildlich für die sehr starke Saison des Schlussmanns. Er wurde schon mal als möglicher DFB-Torwart ins Gespräch gebracht, aber er spielt nun mal nicht bei den
Bayern.Der vorne fehlt I: Jean-Luc Dompé saß wieder einmal nur auf der HSV-Bank. Der Mann, der mit einer Alkoholfahrt auffällig geworden war, muss zur Strafe des Clubs 10.000 Warnwesten besorgen und sie an Kitas und Schulen verteilen, hatte der Verein am Freitag bekanntgegeben. Die Dortmunder Abwehr wäre von den HSV-Kontern vielleicht weniger überrascht gewesen, wenn die Hamburger Angreifer mit Warnwesten aufgetreten wären. Der vorne fehlt II: Angreifer Robert Glatzel war vom HSV kurzfristig aus dem Kader gestrichen worden, weil er der »Hamburger Morgenpost« ein vom Verein nicht genehmigtes Interview gegeben hatte. So ist das mittlerweile: Interviews werden glattpoliert, weichgespült, von Medienberatern zu Tode autorisiert. In solchen Zeiten geht es natürlich gar nicht, mit Medien über seine eigene sportliche Unzufriedenheit zu sprechen, ohne vorher Bescheid zu geben. Philipp Lahm weiß, wie das ist.Die Märzgefallenen: Vor zwei Jahren, als
Julian Nagelsmann den ersten Kader des EM-Jahres nominierte, fielen seiner Berufung vor allem Dortmunder zum Opfer: Mats Hummels, Nico Schlotterbeck, Julian Brandt, Emre Can, Niklas Süle. Jetzt ist im März der erste Kader im WM-Jahr fällig, und diesmal fehlen im Aufgebot des Bundestrainers die Dortmunder Karim Adeyemi und
Maximilian Beier. Stoff für Verschwörungstheoretiker. Die Reaktion auf dem Platz: Beier brannte auf dem Platz vor Übereifer. Der ebenso wie Übermut selten gut tut. Die Reaktion von Adeyemi: Acht Ballkontakte in der ersten Hälfte und ein unnötiges Frustfoul. Geburtstagskind des Spiels: Am 21. März 1961 erblickte im fränkischen Erlangen ein Kind das Licht der Welt, das unter dem Namen Lothar Matthäus berühmt wurde. Er selbst würde sagen: Ein Lothar Matthäus arbeitet auch am 65. Geburtstag. Als Experte des Topspiels (»Doppspiels«) hatte sein Sender Sky alles an Gratulanten aufgefahren, was ging: von Michael Ballack über Matthias Sammer bis zu Aki Watzke. Die Trikotsammlung von Matthäus wuchs an diesem Abend deutlich. Und einer durfte nicht fehlen: Markus Söder gratulierte per Einspiel-Video »von Franke zu Franke« und bezeichnete Matthäus als »das Idol meiner Jugend«. Die Mitwelt hat der Ministerpräsident bisher immer wissen lassen, das Idol seiner Jugend sei Franz-Josef Strauß gewesen. Aber das gab es ja noch nie, dass Söder an einem Tag etwas anderes erzählt hätte als an einem anderen Tag.