analyse Stand: 22.03.2026 • 21:24 Uhr Nach der knappen Niederlage vor zwei Wochen in
Baden-Württemberg atmet die
CDU auf. Der Erfolg in
Rheinland-Pfalz gibt der Partei auch im Bund Rückenwind. Doch in der Koalition mit der taumelnden
SPD drohen Konflikte. Erleichterte Gesichter sieht man viele an diesem Wahlabend in der Berliner
CDU-Zentrale. Mehrere Kamerateams haben ihre Mikrofone im Konrad-Adenauer-Haus aufgebaut. Fraktionschef
Jens Spahn, Generalsekretär
Carsten Linnemann und Kanzleramtschef
Torsten Frei wechseln sich ab, gehen von Kamera zu Kamera: "Das ist historisch", "toller Erfolg" und das "im Bundesland von
Helmut Kohl" - das sagen sie mal hier, mal dort in die Mikros. "Das gibt im Bund Rückenwind", fügt Fraktionschef Spahn noch hinzu. Für die eigene Partei dürfte er damit Recht haben. Für die Koalition insgesamt brechen damit aber noch schwierigere Zeiten an - denn der
CDU-Rückenwind ist der Sturm für die
SPD. Zunächst der Blick auf die Union: "Im Frühjahr zehn Ministerpräsidenten stellen", dieses Ziel hatte die
CDU-Spitze ausgegeben - das ist nicht ganz erreicht. Es werden wohl neun sein nach diesen Landtagswahlen. Die alte Marke von zehn Landeschefs, für die sich
Angela Merkel vor knapp 20 Jahren einmal feierte, hat Kanzler und
CDU-Chef
Friedrich Merz also weiterhin nicht erreicht - das wurmt ihn sicher, auch persönlich. Und doch: Merz geht gestärkt aus diesen Frühjahrswahlen hervor. In
Baden-Württemberg war das Ergebnis zwar kein Sieg, aber immerhin ein starker Zuwachs.
Rheinland-Pfalz hat die Partei nach 35 Jahren der
SPD wieder abgejagt. Jetzt will man sich in
Berlin den großen Reformprojekten widmen, so hat es die
CDU mehrfach angekündigt. Darauf warten auch viele in der Partei. Das Problem jetzt: Brechen der
CDU, brechen vor allem Merz die Vertrauten in der
SPD dafür weg? In den Jubel über das Ergebnis muss sich Sorge mischen auch bei der
CDU: Über viele Monate haben insbesondere der Kanzler und sein Vize,
SPD-Chef
Lars Klingbeil, ein Vertrauensverhältnis aufgebaut, das auch nach außen glaubwürdig wirkt. Man kann es sehen bei jeder größeren Bundestagsdebatte: Die beiden sprechen viel miteinander. Vor allem, wenn die AfD den Kanzler angreift, ist Klingbeil da, beugt sich rüber. Beide lachen miteinander - sie wissen, diese Bilder sind wichtig. Nun ist Klingbeil deutlich angeschlagen - und das, kurz nachdem Merz und er Medienberichten zufolge einen Pakt geschlossen haben, der in den kommenden Wochen den Reformturbo anwerfen soll. Die Schwäche der
SPD könnte jetzt der
CDU die Reformprojekte verhageln und über diesen Umweg auch die Laune in den eigenen Reihen senken. Längst gibt es in den Ländern
CDU-Ministerpräsidenten und andere laute Stimmen, die ab nun das "Zeitfenster für Reformen", wie es immer wieder hieß, weit aufreißen wollen. Eine Idee intern: Man könnte auf weniger Urlaubstage für Arbeitnehmer setzen, um die Wirtschaft anzukurbeln. Im Gegenzug können sich manche in der Union vorstellen, die Steuern für sehr Reiche zu erhöhen. Lösungen braucht es auch für steigende Gesundheitskosten und in der Rentenpolitik. Doch für Deals braucht es eine
SPD, die gesprächsbereit ist - die überhaupt weiß, wer sie ist. Noch etwas muss die
CDU, bei aller Feierlaune, aus diesem politischen Frühjahr mitnehmen. Es gibt offene Fragen, die sich aufdrängen: Wie kampagnenfähig ist die Partei überhaupt? Und wer sind neue, starke Köpfe in den eigenen Reihen? In beiden Punkten bleiben auch nach dem Sieg in
Rheinland-Pfalz erhebliche Zweifel. In den Südwest-Bundesländern ist es nicht gelungen, in den vergangenen Monaten die
CDU-Spitzenkandidaten halbwegs bekannt oder beliebt zu machen. Sowohl für Manuel Hagel als auch für Gordon Schnieder fielen die persönlichen Umfragewerte auffallend schwach auf - und das in Zeiten, in denen sich viele Wähler offenbar von Parteibindungen lösen und Personen ihr Vertrauen schenken. Daran muss die
CDU arbeiten, um im September bei den drei anstehenden Wahlen Aussicht auf Erfolg zu haben. Vorsichtig gesagt: Auch dort gibt es Zweifel, ob die anvisierten Kandidaten echte Zugpferde werden können. Durchaus denkbar ist zum Beispiel, dass die
CDU in
Berlin wieder aus dem Roten Rathaus ausziehen muss. Ein Ministerpräsident weniger - dann wäre
CDU-Chef Merz noch ein Stück weiter entfernt von der alten Merkel-Bestmarke.