Engpässe bei Erdgas und Helium
Iran-Krieg gefährdet Chip-Produktion Stand: 23.03.2026 • 08:08 Uhr Der
Iran-Krieg gefährdet die weltweite Chip-Versorgung, weil Lieferengpässe bei Erdgas und Helium drohen. Je länger die Straße von Hormus dicht ist, desto kritischer wird die Lage. Der
Iran-Krieg ist zwar auf den Nahen Osten begrenzt, hat aber massive weltwirtschaftliche Folgen. Dass der Konflikt auch Auswirkungen auf die weltweite Versorgung mit Computerchips haben könnte, liegt an der Struktur der Branche: Die Chip-Industrie ist global aufgestellt und stark fragmentiert. Heißt: Um den Globus haben sich Spezialisierungen herausgebildet. Die einen liefern mehr oder weniger exklusiv die Rohstoffe, allen voran die Golfstaaten; andere sind führend beim Design der Chips, das sind die USA; und wieder andere produzieren moderne Chips für die Welt, das sind überwiegend
Taiwan und Südkorea. "Das ist weltweit so verzahnt, dass man nicht auf ein einzelnes Land verzichten kann", sagt
Jochen Stanzl, Chefmarktanalyst bei der
Consorsbank. Vor allem auf die Öl- und Gaslieferungen aus dem Nahen Osten, auf Helium aus Katar könne man nicht verzichten. "Wenn das wegfällt, bricht eben alles auseinander." Das sei noch nicht der Fall, sagt
Tanjeff Schadt vom Beratungsunternehmen PwC Strategy, aber: "Langfristig warnen etwa Halbleiterhersteller aus Südkorea vor möglichen Störungen der Lieferkette von wichtigen Ausgangsmaterialien wie Helium." Helium - ein Nebenprodukt der Erdgasaufbereitung - ist für die Chipproduktion unerlässlich, wird unter anderem zur Kühlung eingesetzt.
Jochen Stanzl sieht kaum Alternativen zu den Lieferungen aus Nahost: "Die Hälfte des Heliums stammt aus den USA, die brauchen es aber selbst." Andere Länder sind auf die rund 40 Prozent der Weltproduktion angewiesen, die Katar aus der Gasaufbereitung zieht. Das Emirat hat die Gasproduktion aufgrund des Konflikts am Golf aber gedrosselt und teils eingestellt. Dazu kommt die Sperrung der Straße von Hormus durch
Iran. Das bedeutet, dass weniger Gas und Öl und weniger Helium an die Welt geliefert werden können. Das trifft vor allem
Taiwan und Südkorea. Hier sitzen mit
TSMC und
Samsung Electronics die weltweit wichtigsten Chipproduzenten. "Rund 90 Prozent der modernen Chips werden in
Taiwan produziert", erklärt
Tanjeff Schadt von PwC. Und weil Gaslieferungen aus Katar ausbleiben, muss
Taiwan möglicherweise bald Energie rationieren. Stefan Kemper, Chef-Investment-Stratege bei der Bank BNP Paribas, ordnet die Größenverhältnisse ein: "
TSMC verbraucht zehn Prozent der Energie in
Taiwan, ist der größte Energienutzer. Wäre also besonders betroffen, falls Energie rationiert werden muss. Als Folge würden der Weltwirtschaft weniger Chips zur Verfügung stehen." Beziehungsweise die Chips wären deutlich teurer. Kritischer sieht es
Jochen Stanzl von der
Consorsbank, wenn Helium ausfallen würde: "
Taiwan und Südkorea haben Helium-Vorräte für rund drei Monate. Danach müssen sie die Produktion einstellen, weil Helium bei der Kühlung der Maschinen nicht ersetzt werden kann." Ein Lieferausfall würde einen Zusammenbruch der weltweiten Lieferkette bei Halbleitern und Computerchips bedeuten. "Ein Worst-Case-Szenario", meint Stanzl. Derzeit gingen Marktbeobachter noch überwiegend davon aus, dass sich die Lage an der Straße von Hormus beziehungsweise in der Golfregion vorher normalisiere.