NEWSAR
Multi-perspective news intelligence
SRCDeutsche Welle (DE)
LANGDE
LEANCenter
WORDS975
ENT10
MON · 2026-03-23 · 12:00 GMTBRIEF NSR-2026-0323-30557
News/Die ungleichen Warenströme zwischen Afrika und Europa
NSR-2026-0323-30557News Report·DE·Economic Impact

Die ungleichen Warenströme zwischen Afrika und Europa

Ghana profitiert von Exporten wie Gold, Kakao und Öl, gewährt im Gegenzug aber Marktzugänge, die lokale Produzenten benachteiligen. So wird ein Großteil des Hühnerfleischs importiert, da es trotz Zöllen billiger ist als lokale Ware, was die ghanaische Geflügelproduktion und Jobschaffung behindert.

David Ehl | Ana Munoz Padros DW DataDeutsche Welle (DE)Filed 2026-03-23 · 12:00 GMTLean · CenterRead · 4 min
Die ungleichen Warenströme zwischen Afrika und Europa
Deutsche Welle (DE)FIG 01
Reading time
4min
Word count
975words
Sources cited
1cited
Entities identified
10entities
Quality score
100%
§ 01

Briefing Summary

AI-generated
NEWSAR · AI

Ghana profitiert von Exporten wie Gold, Kakao und Öl, gewährt im Gegenzug aber Marktzugänge, die lokale Produzenten benachteiligen. So wird ein Großteil des Hühnerfleischs importiert, da es trotz Zöllen billiger ist als lokale Ware, was die ghanaische Geflügelproduktion und Jobschaffung behindert. Seit 1975 sollen Abkommen wie das Lomé-Abkommen und seine Nachfolger den Handel zwischen Afrika und Europa fördern. Die DW-Analyse der Handelsströme der letzten 25 Jahre zeigt ein wachsendes Handelsvolumen in beide Richtungen, wobei Afrika zuletzt einen Handelsüberschuss gegenüber Europa verzeichnete. Trotzdem gibt es aufgrund ungleicher Wettbewerbsbedingungen auch Verlierer.

Confidence 0.90Sources 1Claims 5Entities 10
§ 02

Article analysis

Model · rule-based
Framing
Economic Impact
Political Strategy
Tone
Measured
AI-assessed
CalmNeutralAlarmist
Factuality
0.70 / 1.00
Factual
LowHigh
Sources cited
1
Limited
FewMany
§ 03

Key claims

5 extracted
01

44 of 54 African countries have duty-free access to the EU internal market.

factualnull
Confidence
1.00
02

We can't sell chicken, so we don't produce it.

quoteCharles K. Donkor, Geflügelzüchtervereinigung
Confidence
1.00
03

80% of chicken in Ghana is imported, mainly from Europe, the USA, and Brazil.

factualnull
Confidence
1.00
04

Imported chicken is up to 35% cheaper than local chicken despite 30% import tariffs.

factualnull
Confidence
0.90
05

Ghana earns more from exports than it pays for imports.

factualnull
Confidence
0.90
§ 04

Full report

4 min read · 975 words
Gold, Kakao und Öl - diese weltweit gefragten Güter tragen maßgeblich dazu bei, dass das westafrikanische Ghana mehr an Exporten verdient, als es für Importe bezahlen muss. Im Gegenzug für vorteilhafte Exportbedingungen hat Ghana Handelspartnern Marktzugänge gewährt, die nicht immer günstig sind. So stammen 80 Prozent des Hühnerfleischs in Ghana nicht von heimischen Produzenten, sondern werden tiefgekühlt aus Europa, den USA oder Brasilien eingeflogen, wo Züchter oft nur das Brustfilet selbst verwerten. Trotz 30-prozentiger Einfuhrzölle sind sie laut einer Studie von 2023 immer noch um bis zu 35 Prozent billiger als die lokalen Erzeugnisse. "Wenn wir Hühnchen produzieren, können wir es nicht verkaufen. Also produzieren wir gar nicht erst", sagt Charles K. Donkor, Vorsitzender der Geflügelzüchtervereinigung in der Region Ashanti. "So können wir keine Jobs für junge Leute schaffen", sagt Donkor zur DW. Er betreibt selbst eine Farm mit 200 Angestellten, auf der hauptsächlich Tausende Legehennen gehalten werden. Ein Beispiel, das zeigt, wie komplex die Auswirkungen von Handelsvereinbarungen sein können - und wieso es trotz Exportüberschüssen auch Verlierer geben kann. Verträge sichern Freihandel für große Teile Afrikas Seit nunmehr einem halben Jahrhundert soll eine wachsende Zahl von Verträgen und Abkommen einen für beide Seiten vorteilhaften Handel zwischen Europa und Afrika sicherstellen. Den Anfang machte 1975 das Lomé-Abkommen zwischen der damaligen Europäischen Gemeinschaft und der damals neu gegründeten Organisation Afrikanischer, Karibischer und Pazifischer Staaten, die mal mit OACPS, mal mit AKP-Gruppe abgekürzt wird. Subsahara-Afrika stellt rund die Hälfte der insgesamt 79 Mitgliedsstaaten. Das Lomé-Abkommen und seine nach den Konferenzorten Cotonou (2000) und Samoa (2023) benannten Nachfolger gelten als Rahmenabkommen, auf denen wiederum regionale und bilaterale Freihandelsverträge aufbauen. Insgesamt 44 der 54 Länder Afrikas erhalten darüber zollfreien Zugang zum EU-Binnenmarkt, bei vielen greifen auch sogenannte "Everything but Arms"-Regeln (Alles außer Waffen) für Entwicklungsländer. Die DW hat die Handelsströme der letzten 25 Jahre analysiert, wobei für 2025 noch keine Daten vorliegen. Seit der Jahrtausendwende lässt sich eine klare Tendenz ablesen: Der Handel zwischen Afrika und Europa wächst, und zwar in beide Richtungen. In jüngerer Vergangenheit hatten die afrikanischen Volkswirtschaften insgesamt einen Handelsüberschuss gegen Europa, haben also mehr Euros beim Export verdient, als sie umgekehrt für europäische Güter ausgegeben haben. Doch gibt es regional große Unterschiede. Die Exportüberschüsse entfallen zu großen Teilen auf Öl und Gas aus Libyen und Algerien; auch in Nigeria und Angola spülen fossile Energieträger europäische Devisen in die Kassen. Die Elfenbeinküste erwirtschaftet ein deutliches Plus mit Kakao und Kautschuk. Mehr als die Hälfte der afrikanischen Länder hat hingegen eine negative Handelsbilanz mit Europa. Und aus der Gesamtbilanz sticht noch eine zweite Information heraus: Die afrikanischen Exporte nach Europa schwanken stärker, während die Handelsströme von Nord nach Süd sich etwas gleichmäßiger entwickeln. Denn Afrika exportiert viele Rohstoffe, deren Preis auf den Weltmärkten gebildet wird. Von 2020 auf 2022 hat sich der Wert der Exporte in die EU mehr als verdoppelt: Zu Beginn der Corona-Pandemie war Benzin zeitweise sehr günstig; mit Beginn der russischen Invasion in der Ukraine zwei Jahre später sortierte sich der Rohstoffmarkt unter teils immensen Preissteigerungen neu. Afrika sei deutlich stärker auf den Käufer Europa angewiesen als andersherum, erläutert Anja Berretta, Leiterin des Regionalprogramms Wirtschaft Afrika der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung. "Die Warenexporte von Afrika nach Europa betragen ungefähr 25-30 Prozent. Aber der afrikanische Markt ist für Europa verschwindend gering", sagt Berretta im DW-Interview. Und man müsse auch betrachten, welche Warengruppen gehandelt werden: "Die Produkte, die aus Afrika kommen, sind weitestgehend unverarbeitete Erzeugnisse, etwa im landwirtschaftlichen Bereich, aber auch andere Rohstoffe. Umgekehrt importiert Afrika aus Europa Industriewaren oder Produkte, die schon einen gewissen Fertigungsgrad haben." Ein Blick in die Daten festigt dieses Bild: Betrachtet man nur die größten Warengruppen in den Bereichen Gemüse und Mineralien sowie verarbeitete Waren, so erkennt man, wie einseitig sie jeweils nach Norden beziehungsweise Süden verschifft werden. "Aktuell gibt es ein Ungleichgewicht zulasten von Afrika", analysiert KAS-Expertin Berretta in Nairobi. "Im Übrigen nicht nur mit Europa, sondern auch mit China, auch mit Amerika, mit anderen Weltregionen. Aber man kann jetzt aus meiner Sicht nicht davon sprechen, dass Afrika strukturell klein gehalten wird." Vielmehr hätten die meisten afrikanische Volkswirtschaften versäumt, die Rohstoff-Gewinne früherer Jahre zu reinvestieren und damit ihre Industrien breiter aufzustellen. Als Positivbeispiele nennt Berretta Ghana und Mauritius, deren Industriepolitik jeweils auf Diversifizierung ausgerichtet ist, sodass einzelne Preisschwankungen weniger ins Gewicht fallen sollen. Welche Potenziale schlummern im Handel zwischen Europa und Afrika? Joseph Matola, Wirtschaftsexperte am Südafrikanischen Institut für Internationale Angelegenheiten (SAIIA) sieht gerade eine günstige Gelegenheit, den Handel zum beiderseitigen Vorteil auszubauen: "Die EU will sich unabhängiger von den Vereinigten Staaten machen, weil sich die politische Landschaft dort verändert hat. Europa sucht deshalb aktiv nach neuen Märkten. Und sie suchen Lieferanten für Kritische Rohstoffe. Afrika hat viele dieser Rohstoffe, die Europa braucht", sagt Matola der DW. Zugleich sollten afrikanische Regierungen jedoch den Export verarbeiteter Produkte priorisieren, damit mehr Wertschöpfung vor Ort geschieht. Auch deshalb investiert die Europäische Union im Rahmen der Global-Gateway-Initiative derzeit 150 Milliarden Euro unter anderem in Infrastruktur und Energieerzeugung in Afrika. Afrika bemüht sich unterdessen, die 2021 ausgerufene Freihandelszone AfCFTA ins Laufen zu bringen. Noch ist sie weit entfernt von der Einlösung des Versprechens, Handelsbarrieren abzubauen.So sieht ein nichttarifäres Handelshemmnis aus: Lkw-Schlange an einem Grenzübergang zwischen Benin und NigerBild: AFP/Getty Images KAS-Expertin Anja Berretta sieht in dem Projekt auch große Potenziale für europäische Exporteure, weil damit Märkte vereinheitlicht und auch sogenannte nichttarifäre Handelshemmnisse abgebaut werden sollen: "Damit meine ich vor allen Dingen also die langen Wartezeiten an den Grenzen, die teilweise absolut unterschiedlichen Zollbedingungen, aber auch die sehr schlechte Infrastruktur. Wenn man zum Beispiel versucht, seine Waren von Namibia nach Kenia zu bringen, dauert das wirklich sehr, sehr lange." Jede Verbesserung würde afrikanische Märkte sehr viel attraktiver machen, meint Berretta. Joseph Matola hofft, dass die Freihandelszone endlich dazu führt, dass afrikanische Regierungen ihr diplomatisches Gewicht in Wirtschaftsvereinbarungen bündeln. "Sie sollten die AfCFTA als Verhandlungsplattform nutzen, anstatt alleine aufzutreten. Es wäre hilfreich, wenn viele afrikanische Länder das tun würden."
§ 05

Entities

10 identified
§ 06

Keywords & salience

9 terms
handelsströme
0.90
freihandel
0.80
exportüberschüsse
0.70
handelsvereinbarungen
0.70
lomé-abkommen
0.60
einfuhrzölle
0.60
handelsüberschuss
0.60
marktzugänge
0.50
geflügelzüchter
0.50
§ 07

Topic connections

Interactive graph
Network visualization showing 51 related topics
View Full Graph
Person Organization Location Event|Click node to navigate|Edge numbers = shared articles