Am Abend der Landtagswahl in
Rheinland-Pfalz zeigt sich im
SWR, wie die
FDP verschwindet und die
SPD nicht begreift, warum sie verloren hat. Für die unausweichliche „große“ Koalition in
Mainz wird es knifflig.Dies sei ein „historisches und überraschend klares Ergebnis“, sagte
Beate Höbermann zum Wahlabend in
Rheinland-Pfalz. Und damit lag die Hauptabteilungsleiterin Information des
SWR zweifellos richtig. Über 35 Jahre stellte die
SPD den Ministerpräsidenten. Damit hat es nun ein Ende, an der Regierung wird die Partei bleiben, allerdings in der ungewohnten Rolle des Juniorpartners der
CDU.„Die
SPD hat gegen sich selbst verloren“, sagte Höbermann, ohne das weiter auszuführen. Die
CDU habe mit ihrem Spitzenkandidaten
Gordon Schnieder nichts falsch gemacht, die
AfD werde nun noch lauter auftreten und die Grünen wollten sich in der Opposition als „bissige Widersacher“ zeigen.Damit waren die vier Parteien benannt, die künftig im Landtag vertreten sind. Eine kam nicht mehr vor: die
FDP, das gelbe Lichtlein in der letzten verbliebenen Ampel-Koalition, die nun Geschichte ist. Verbissen hatte die Partei um Sichtbarkeit gekämpft, in Baden-Württemberg hatte sie sich – vergebens – in das vom
SWR-Fernsehen ausgerichtete „Triell“ einzuklagen versucht, damit das Publikum ihren Kandidaten als gleichwertigen Konkurrenten im politischen Wettstreit wahrnähme.Der
FDP-Balken ist winzigNun ist in der Wahlgrafik von der ersten Prognose an sogar der Balken, der das Ergebnis der
FDP anzeigt, ob seiner Winzigkeit kaum zu erkennen: 2,2 Prozent, dagegen wirken die Freien Wähler riesig. Die
AfD hingegen holt mit knapp 20 Prozent ihr bislang bestens Ergebnis in einem westlichen Bundesland und breitet sich im Wahlstudio des ihr verhassten öffentlich-rechtlichen Rundfunks aus, als wäre es ihr Wohnzimmer.
Alice Weidel ist vor allen anderen da und strahlt.
Tino Chrupalla kommt auch noch und sieht wie üblich schlecht aus, wenn ihm kritische Fragen gestellt werden.Es dauert, bis mit der bisherigen Wirtschaftsministerin
Daniela Schmitt überhaupt jemand von der
FDP zu sehen ist. Was gibt ihr Hoffnung, dass es die Freien Demokraten künftig überhaupt noch gibt? Nach Ansicht des heute parteilosen früheren Generalsekretärs, Landesvorsitzenden und Ministers Volker Wissing (den wir persönlich mit seinem Ampel-Geleuchte für den Totengräber der Partei halten) hat die
FDP keine Zukunft, weil sie sich auf einen „libertären“ Kurs eingelassen habe.Für Thomas L. Kemmerich, der sich mit den Stimmen der
AfD im Februar 2020 kurzzeitig zum Ministerpräsidenten von Thüringen wählen ließ und die Liberalen inzwischen auch verlassen hat, ist das Gegenteil richtig. Die
FDP sei ein „Trümmerhaufen“, weil sie ihre wirtschaftsliberalen Prinzipien aufgegeben und sich in „links-grüner Anbiederung“ geübt habe, schreibt er in der „Berliner Zeitung“. Und was sagt
Daniela Schmitt? „Mir macht Hoffnung, dass es den Liberalismus auch in Zukunft geben muss.“ Muss es? Wieso?Das war ein kurzer Schauermoment am Wahlabend im
SWR (dem wir unter der neuen Landesregierung etwas mehr Beinfreiheit als unter der alten wünschen, die den Sender als Außenstelle der Presseabteilung betrachtete).An dessen Ende zeichnete sich ab, was
Beate Höbermann mit der an sich selbst scheiternden
SPD meint – und dass das mit der historischen Reformwende noch knifflig wird. Da meinte der frühere Innenminister und Landesvorsitzende Roger Lewentz doch glatt,
Rheinland-Pfalz stehe gut da. Das sahen und sehen viele Wähler, die 35 Jahre Verkrustung und Filz nicht mehr ertragen haben, anders. Geht das mit Schwarz-Rot in
Mainz in die nächste Runde, hat die
FDP bei der nächsten Wahl vielleicht doch wieder Chancen. Sofern es die Partei dann überhaupt noch gibt.