PfadnavigationHomeKulturAphroditeDie schamhafte GöttinStand: 17:25 UhrLesedauer: 3 MinutenIm Angebot von
Koller in
Zürich: Inbegriff klassischer SchönheitQuelle: KollerDer Typus der „Venus pudica“ prägte das Schönheitsideal der Antike. Nun kommt eine besonders anmutige Skulptur der Göttin auf den Markt. Das römische Fragment hat ein berühmtes Vorbild.Die „Knidische
Aphrodite“ ist eines der bekanntesten Werke des griechisch-antiken Bildhauers
Praxiteles. Dabei kennt man sie heute weniger aus unmittelbarer Anschauung, sondern nur durch ihre Beschreibung (etwa bei
Cicero,
Plinius und
Lukian) und durch Kopien nach dem Original. Die um 350 bis 340 v. Chr. geschaffene Ganzkörperfigur der griechischen Schönheitsgöttin war in einem Tempel in der Hafenstadt
Knidos im südwestlichen Anatolien (heute Türkei) aufgestellt worden, wo sich ihre Spur nach einem großen Brand im Jahr 476 n. Chr. verliert. Doch die Kunstgeschichte kennt rund 50 lebensgroße Kopien, die nach dem Original entstanden sind. Eine davon gelangt nun wieder auf den Kunstmarkt.
Koller in
Zürich versteigert als einen Höhepunkt der Auktionen Ende März 2026 die sogenannte „Bartholoni-Venus“, die auf das 2. Jahrhundert n. Chr. datiert wird. Sie entspricht in vielem den Beschreibungen des praxitelischen Vorbilds: eine nackte Frauenfigur der jetzt römischen Schönheitsgöttin, leicht nach vorn geneigt, im (für die klassische Antike) typischen Kontrapost stehend, mit dem Gewicht auf dem rechten Standbein, während das linke Spielbein vorgestreckt und im Knie gebeugt ist. Leider fehlen die Unterschenkel, die Arme und der Kopf – was dem anmutigen Schwung ihres Körpers jedoch keinen Abbruch tut. An der Außenseite des Oberschenkels finden sich Reste der ursprünglichen Stütze. Der fehlende rechte Arm war wohl ursprünglich so herabgesenkt, dass dessen Hand den Hügel der Venus diskret verdeckte.Das Nachwirken der Antike in der Renaissance und eines „klassischen“ Schönheitsideals hat jener Typus der Venus pudica mitbefeuert. Diese jetzt im Kunsthandel angebotene und aufgrund ihrer Unvollständigkeit nicht mehr ganz so schamhafte Venus kommt mit einer bis weit ins 19. Jahrhundert zurückreichenden Provenienz unter den Hammer. Erste Nachweise führen zu dem Bankier
Jean-François Bartholoni, dessen Vorfahren aus der italienischen
Toskana bereits um 1600 nach
Genf umsiedelten. Nach dessen Tod 1881 blieb die Skulptur im Château Sans-Souci im schweizerischen Versoix, dem Familiensitz der Bartholonis. Lesen Sie auch1926 wurde das Schloss mitsamt Inventar an den Uhrenhändler Jacques-Arnold Amstutz verkauft, der es nach wenigen Monaten an eine Immobiliengesellschaft weiterreichte. Anfang der 1960er-Jahre gelangte die Skulptur nach einer Auktion in die Antikensammlung von Henri Smeets in den Niederlanden, die wiederum 1978 bei Sotheby’s versteigert wurde. Seit fast 50 Jahren in Schweizer Privatbesitz, erhofft sich das Auktionshaus
Koller am 26. März 2026 einen Zuschlag im Bereich von 500.000 bis 800.000 Schweizer Franken.Lesen Sie auchDer hohe Schätzpreis unterstreicht, dass die „Bartholoni-Venus“ ein antikes Stück von musealem Rang ist und zugleich eines jener guten Beispiele, bei denen eine römische Kopie den Ruhm eines verlorenen griechischen Originals bewahrt – wenngleich die wenigsten Museen mit einem Budget ausgestattet sind, das einen Ankauf ohne private Unterstützung möglich machen würde.