7. März 2026Die Regierung will in Wohnungen den Einbau von neuen Gasheizungen wieder erlauben. Umweltexperten warnen, Deutschland könne seine Klimaziele verfehlen.https://p.dw.com/p/59m0HEinbau einer Wärmepumpe: Über solche klimafreundlichen Heizungsarten streiten Politiker in Deutschland heftig Bild: Jeroen Jumelet/ANP/picture allianceAuf den ersten Blick mag es ungewöhnlich sein, wenn viele Menschen in Deutschland hitzig über ein neues Gesetz zu Heizungen in Privatwohnungen debattieren. Aber nur auf den ersten Blick: Denn eigentlich geht es um Klimaschutz und welche Bedeutung er noch hat. Und es geht darum, was der Staat Bürgerinnen und Bürgern vorschreiben darf und was nicht. Es geht also um Emotionen und um Lebenseinstellungen - das alles bricht sich Bahn beim Thema Heizungen. Deutschland verstand sich lange - unabhängig davon, wer gerade regierte - als Vorreiter beim Klimaschutz. Die Industrie wurde modernisiert, der Staat förderte den Ausbau von Wind- und Sonnenenergie. Zwei Bereiche blieben klimakritisch und verursachen bis heute viel CO2 und toxische Gase: der Verkehr und die Wohnungen. Frühere Regierung setzte auf Förderung für Wärmepumpen Bei den Wohnungen wollte die alte Regierung aus Sozialdemokraten (SPD), Grünen und Liberalen (FDP) ansetzen und vereinbarte 2021 in ihrem Koalitionsvertrag: Wenn künftig neue Heizungen in Häusern und Wohnungen eingebaut werden, sollten sie zu 65 Prozent mit erneuerbaren Energien betrieben werden - und nicht mehr wie bislang vor allem mit Gas und Öl. Eine Reform, die durch eine Förderung beim Heizungstausch den vielfachen Einbau von Wärmepumpen möglich machen sollte. Denn das ist der Stand: Im Jahr 2024 wurden gut 56 Prozent der Wohnungen mit Gas beheizt und mehr als 17 Prozent mit Öl. Klimafreundliche Wärmepumpen, die mit erneuerbarem Strom betrieben werden, kamen nur auf etwas mehr als vier Prozent. Kaum wurde 2023 durch eine Indiskretion der Entwurf des damaligen Vizekanzlers und Wirtschaftsministers
Robert Habeck von den Grünen publik, hagelte es heftige Kritik. Die Koalitionspartner, die Sozialdemokraten und die FDP, gingen auf Distanz. Die "
Bild-Zeitung", das auflagenstärkste Boulevard-Blatt des Landes, schrieb seitdem immer wieder von "Habecks Heizhammer" und behauptete: "Habeck will Öl-und Gas-Heizungen verbieten!".2024: Am Ende seiner Amtszeit geriet Wirtschafts- und Klimaminister
Robert Habeck mit dem Streit um das Heizungsgesetz unter DruckBild: Sebastian Gollnow/dpa/picture alliance Das stimmte nicht: In den Bestand von Millionen Gas- und Ölheizungen einzugreifen, war nie der Plan. Habeck hatte lediglich ein Gesetz modernisiert und verschärft, dass von Vorgängerregierungen stammte, auch von CDU-geführten, um EU-Recht umzusetzen. Trotzdem wurde Habeck von der damaligen CDU-Opposition eine Verbotspolitik vorgeworfen. "Ich entscheide, wie ich heize", schrieb die heute regierende CDU auf Wahlplakate. Das Gesetz trat mit einigen Nachbesserungen im September 2023 in Kraft. Habeck, so hieß es von Seiten der CDU, wolle den Menschen den teuren Einbau von Wärmepumpen vorschreiben. Deshalb vereinbarte das neue Kabinett von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) in seinem Koalitionsvertrag im Mai 2025, dieses Gesetz wieder abzuschaffen. CDU, CSU und SPD einigten sich nun auf Eckpunkte einer neuen Regelung. Neue Heizungen nur mit Gas sollen wieder erlaubt werden Die 65-Prozent-Regel soll wegfallen. Um einen Klimaeffekt zu erzielen, sollen Gas und Öl klimafreundliche Sorten beigemischt werden, in den nächsten drei Jahren soll dieser Anteil auf zehn Prozent anwachsen. Zwar werden reine Öl- und Gasheizungen nicht mehr gefördert, aber eben auch wieder erlaubt. Die neue Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) nahm in ihrer Begründung für die neue Regelung direkt Bezug auf ihren Vorgänger
Robert Habeck: "Das Heizungsgesetz hat Vertrauen gekostet und die Gesellschaft gespalten. Wir stellen die Weichen neu. Jeder kann jetzt wieder selbst entscheiden, wie er sein Haus oder seine Wohnung heizen möchte - auch im Bestand."Wirtschaftsministerin Katherina Reiche: "Das alte Heizungsgesetz hat Vertrauen gekostet"Bild: dts-Agentur/picture alliance Dass das Heizen durch Gas- und Öl-Heizungen in Zukunft deutlich teurer werden dürfte, ist nach der Einigung dem kleineren Berliner Koalitionspartner, den Sozialdemokraten, aufgefallen. Ende Februar erklärte der Fraktionsvorsitzende der SPD, Matthias Miersch: "Mit mir wird es kein Gesetz geben, das Mieterinnen und Mieter auf den Kosten sitzen lässt. Der Mieterschutz ist für mich zentral." Miersch kündigte an, die Einigung an dieser Stelle noch einmal nachzubessern. Besonders brisant: Zuletzt ist die Zahl von neuen Wärmepumpen in Deutschland gestiegen. Denn Öl und Gas werden immer teurer und knapper - auch durch die geopolitischen Verwerfungen wie dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine oder der jüngsten Eskalation im Nahen Osten. Öl und Gas werden auch in der Industrie gebraucht. Besonders knapp und kostentreibend sind die nachhaltigen Gas- und Öl-Arten, die der Heizungsenergie künftig in kleinen Mengen beigemischt werden sollen. Das ist auch der Grund, warum etwa Enno de Vries, Hauptgeschäftsführer des Fachverbands "Sanitär Heizung Klima" im Bundesland Schleswig-Holstein, dem "Norddeutschen Rundfunk" sagte: "Diejenigen, die sich jetzt schon in der Diskussion mit ihrem Heizungsbauer befinden, sind gut beraten, sich eine Wärmepumpe einzubauen, denn das ist eine moderne Technologie, die auch zukunftsfähig ist."Martin Kaiser ist der Geschäftsführer von Greenpeace DeutschlandBild: Christoph Soeder/dpa/picture alliance Kein gutes Haar an der neuen Regelung finden Umweltgruppen wie Greenpeace. Deren Klimaexperte Martin Kaiser sagte der DW: "Der Krieg unter Wladimir Putin, die Spannungen um Grönland im Umfeld von Donald Trump sowie der Krieg im Nahen Osten legen die Risiken fossiler Abhängigkeit offen. Dass Union und SPD dennoch zögern, Öl und Gas konsequent hinter sich zu lassen und Erneuerbare schneller auszubauen, ist strategisch kurzsichtig." Zwar seien schon viele Bundesregierungen langsam vorgegangen beim Klimaschutz, aber die jetzige Regierung sei diejenige, die bewusst Rückschritte beim Schutz des Klimas organisiere. Trotz solcher Bedenken und neuen Vorschlägen der Sozialdemokraten wollen die Konservativen beim neuen Heizungsgesetz bleiben. Nach der Einigung in der vergangenen Woche sagte der Fraktionschef von CDU und CSU im Bundestag, Jens Spahn: "Der Heizungskeller ist damit wieder Privatsache." Kritisch sieht das der Physiker und Klimaforscher Niklas Höhne. Er sagte dem Deutschlandfunk, derzeit setze die Regierung hauptsächlich Maßnahmen um, die zu mehr Klimagasen führten. Er nannte explizit die neuen Heizungs-Pläne. Der Klimawandel aber bleibe existenzbedrohend: "Das Einzige, was wir da machen können, ist: Raus aus Kohle, Öl und Gas und zwar so schnell wie irgend möglich." Mannheim will weg von Kohle und GasTo view this video please enable JavaScript, and consider upgrading to a web browser that supports HTML5 video