PfadnavigationHomeGeschichteSozialistischer JudenhassAntisemitisch ist die deutsche Linke schon seit JahrzehntenStand: 07:21 UhrLesedauer: 5 MinutenIn diesem (angeblichen) „Brief aus Amman“ formulierte der Linksextremist und Antisemit
Dieter Kunzelmann (M.) das linke Bekenntnis zum Judenhass Quelle: Archiv KellerhoffDie niedersächsische Linke hat sich zum „ersten antizionistischen Landesverband“ der
Reichinnek-Partei erklärt. Judenhass hat bei deutschen Linksextremisten eine lange und düstere Tradition.Die Stimmung war erregt. Der
Bundesverband Jüdischer Studenten in Deutschland hatte zur Diskussion eingeladen, und erschienen war Israels Botschafter. Doch die vorderen Reihen des Hörsaals der Frankfurter Goethe-Universität waren komplett von Linksradikalen besetzt. Sie begrüßten
Asher Ben-Natan am 9. Juni 1969, indem sie „Ha, ha, ha –
Al Fatah ist da“ skandierten. Als der Gast trotzdem begann, den Staat
Israel und dessen Politik gegen die nationalistisch-sozialistische palästinensische Terrorbewegung zu verteidigen, schnitt irgendwer das Mikrofonkabel durch. Unter den Rufen „Zionisten raus aus Deutschland“ musste der an sich furchtlose, 1938 vor den
Nazis aus Wien geflüchtete Diplomat seinen Auftritt abbrechen. Ähnliches könnte wohl auch heute an deutschen Universitäten wieder geschehen. Die öffentlichen Räume dort werden, spätestens seit den teilweise gewaltsamen Pro-
Hamas-Aktionen nach dem Terror vom 7. Oktober 2023, von erklärten Antisemiten beherrscht. Das jüngste Abdriften der
Linkspartei, die immer mehr zum Sammelbecken extremistischer Israelfeinde wird, ist eben keine neue Entwicklung.Antisemitisch von Staats wegen war die
SED, mit der die
Linkspartei nach eigenen Angaben „rechtsidentisch“ ist. Da
Israel immer im Bündnis mit westlichen Mächten agierte, lehnte ihn der komplette Ostblock ab. Das schlug sich unter anderem nieder in der Hetze des
SED-Chefpropagandisten
Karl-Eduard von Schnitzler, der in seiner Sendung „Der schwarze Kanal“ gern mal dem jüdischen Staat einen „auf Rassismus aufgebauten Nationalsozialismus“ (14. Mai 1973) oder einen „Holocaust an den Palästinensern“ (20. September 1982) vorwarf. Dagegen war die westdeutsche Linke bis ins Frühjahr 1967 an sich eher proisraelisch gewesen. Die zionistische Bewegung hatte starke Wurzeln in der sozialistischen Utopie. Das änderte sich allerdings schlagartig mit dem erfolgreichen Präventivschlag, mit dem
Israel im
Sechs-Tage-Krieg im Juni 1967 einem Angriff der arabischen Staaten zuvorkam: Urplötzlich galt Linken in Westdeutschland ausgerechnet der Verteidigungsminister Moshe Dayan als wiedererweckter Hitler.Die folgende Selbstradikalisierung verlief rasant, wohl auch angetrieben von immer schon antisemitischen Führungsfiguren wie dem Bamberger Bürgersohn
Dieter Kunzelmann. In seinem Auftrag legte Albert Fichter, Mitglied in Kunzelmanns Untergrundgruppe „Tupamaros West-Berlin“, am 9. November 1969 im Jüdischen Gemeindehaus in der Fasanenstraße in Berlin-Charlottenburg eine Bombe, die nur durch Zufall nicht detonierte.Lesen Sie auchZu diesem Anschlag bekannte sich Kunzelmann nur wenig verklausuliert in einem angeblichen „Brief aus Amman“ im linksextremen Szeneblättchen „Agit 883“, den er tatsächlich in Berlin verfasst hatte: „Palästina ist für die BRD und Europa das, was Vietnam für Amerika ist. Die Linken haben das noch nicht begriffen. Warum? Der Judenknax.“ Das bestätigt die Einschätzungen sowohl des linken Aktivisten (und späteren erfolgreichen Geschäftsführers verschiedener Verlage) Lothar Menne als auch Fichter und des linksextremen Terroristen Michael „Bommi“ Baumann, denen zufolge Kunzelmann stets Israelhasser gewesen sei. Kein Einzelfall. Unbekannte Täter legten am 13. Februar 1970 im Altenheim der Israelitischen Kultusgemeinde in der Münchner Reichenbachstraße Feuer; sieben Menschen starben, darunter zwei Überlebende des Holocaust. Nach bisherigem Forschungsstand waren vermutlich die linksradikalen „Tupamaros München“ verantwortlich – auch wenn linke Medien wie „Spiegel“, die „Süddeutsche Zeitung“ oder die „taz“ erst Ende Januar 2026 meldeten, ein Neonazi sei überführt. Die zuständige Staatsanwaltschaft ermittelt noch. Auch Ulrike Meinhof, die Vordenkerin des westdeutschen Linksextremismus, war erklärte Antisemitin. Im Bekennerschreiben der Terrorgruppe Rote Armee Fraktion (RAF) nach dem Bombenanschlag auf den Axel Springer Verlag in Hamburg am 19. Mai 1972 verlangte sie, die Zeitungen des Unternehmens sollten die „Hetze gegen die Befreiungsbewegungen in der Dritten Welt, besonders gegen die arabischen Völker“ einstellen und zugleich die „propagandistische und materielle Unterstützung für den Zionismus“. Darunter verstand sie die „imperialistische Politik der herrschenden Klasse Israels“. Natürlich fügte sich Axel Springer nicht.Lesen Sie auchZu den radikalsten Unterstützern der RAF gehörte der West-Berliner Rechtsanwalt Hans-Christian Ströbele, der wegen Unterstützung einer kriminellen Vereinigung rechtskräftig verurteilt wurde. Mitte Februar 1991, als Iraks Diktator Saddam Hussein seit Tagen Tel Aviv beschießen ließ, verkündete Ströbele als damaliger Bundessprecher der Grünen: „Die irakischen Raketenangriffe sind die logische, fast zwingende Konsequenz der israelischen Politik den Palästinensern und den arabischen Staaten gegenüber.“ Das war so irre, dass selbst seine eigene Partei rebellierte: Der Kopf des linksextremen Flügels der Grünen musste zurücktreten.Doch zu Einsicht führte das nicht. 2016 bestritten linke deutsche Wissenschaftler, dass der deutsche Linksterrorist Johannes Böse während der Entführung einer Air-France-Maschine ins ugandische Entebbe 1976 die Geiseln selektiert hatte. Dabei trennten Böse und seine Mittäterin Brigitte Kuhlmann zweifellos nichtjüdische von jüdischen Passagieren; erstere wurden freigelassen, letztere mussten von einem israelischen Spezialkommando gewaltsam befreit werden.Noch Ende 2021 führte eine klar antisemitische Äußerung einer Linken-Politikerin zu ihrem Parteiaustritt. 2015 hatte die damalige Bundestagsabgeordnete Annette Groth, eine offene Unterstützerin der antisemitischen Bewegung BDS, behauptet, Israels Regierung zerstöre gezielt die Trinkwasserversorgung im Gazastreifen, leite zudem „Tausende von Tonnen an Chemikalien“ sowie „toxisches Material“ ins Mittelmeer. Das war nichts anderes als das alte antisemitische Vorurteil, Juden würden Brunnen „vergiften“. Eine Dokumentation, in der diese Aussagen zu sehen waren, setzten die ARD und der deutsch-französische Sender Arte zunächst ab; erst auf massiven Druck der Öffentlichkeit wurde der Film ausgestrahlt. Offenbar passte die klare Darstellung des linken Antisemitismus nicht ins Konzept der Sender-Verantwortlichen.Am 1. Dezember 2021 erklärte Groth nach deutlicher Kritik einiger „Genossen“ an ihrem Einsatz für die judenfeindliche BDS-Kampagne ihren Austritt aus der
Linkspartei. Sie begründete das mit „mangelnder Solidarität mit dem palästinensischen Volk“ und der angeblich unsäglichen „Diffamierung der wenigen Genossen, die sich klar und eindeutig gegen Besatzung und Apartheid und für Völkerrecht und Menschenrechtskonventionen positionieren“; gemeint war damit die antisemitische BDS.Inzwischen hat sich allem Anschein nach Groths Haltung in der
Linkspartei weitgehend durchgesetzt. Darauf jedenfalls deuten die aktuellen Entwicklungen hin, etwa der Beschluss der niedersächsischen Parteigliederung, zu der auch Social-Media-Star Heidi Reichinnek zählt, der „erste antizionistische Landesverband“ der Linken zu sein.Sven Felix Kellerhoff ist Leitender Redakteur bei WELTGeschichte. Zu seinen Themenschwerpunkten zählen der Nationalsozialismus, die
SED-Diktatur, Terrorismus sowie Antisemitismus in jeder Form.