Reformideen des SPD-Vizekanzlers Zustimmung aus der
CDU, Kritik aus der
CSU Stand: 26.03.2026 • 10:56 Uhr Führende
CDU-Politiker loben die Reformvorschläge von SPD-Vizekanzler Klingbeil. Kanzleramtschef Frei spricht von "vielen positiven Ansätzen",
NRW-Ministerpräsident
Wüst von einer "guten Grundlage". Aus der
CSU kommen andere Töne. Kanzleramtschef
Thorsten Frei hat die Reformvorschläge von Bundesfinanzminister
Lars Klingbeil begrüßt. "Ich finde, da sind ganz viele positive Ansätze drin, auf den man aufbauen kann", sagte der
CDU-Politiker bei einer Veranstaltung des Chemieverbands
VCI. Es sei gut, wenn es jetzt eine gemeinsame Position in der Koalition gebe, das Arbeitsvolumen zu steigern. Außerdem sei Arbeit hierzulande wegen Steuern und Abgaben zu teuer. Hier brauche es Entlastungen, so Frei. Auch Strom und Energie müssten günstiger werden. Ehegattensplitting "aus volkswirtschaftlicher Sicht falsch" Vizekanzler und SPD-Chef Klingbeil hatte seine Partei gestern in einer Grundsatzrede auf "grundlegende Reformen" eingeschworen und zugleich Kompromissbereitschaft signalisiert. Dabei ging es ihm unter anderem um den Abbau von Subventionen oder eine Reform des Rentensystems. Klingbeil will zudem sogenannte Übergewinne von Energiekonzernen abschöpfen. Gezielt abgeschöpfte Gewinne könnten an Bürger zurückgegeben werden - durch Entlastungen bei den Mobilitätskosten oder durch eine befristete Senkung der Energiesteuer. Einen Schwerpunkt von Klingbeils Vorschlägen bildet die Frage, wie den Deutschen Anreize geboten werden können, mehr zu arbeiten. Als eine konkrete Maßnahme nannte Klingbeil die Abschaffung des Ehegattensplittings bei der Steuer. "Wenn wir sehen, dass heute ein großer Teil von Frauen sagt, es lohnt sich für uns gar nicht, zu arbeiten, weil es diese steuerlichen Fehlanreize gibt, dann ist das aus volkswirtschaftlicher Sicht falsch", sagte Klingbeil am Abend in den tagesthemen. Frei ist ein enger Vertrauter von Bundeskanzler
Friedrich Merz. Er sagte, es müsse nun schnell gehen und legte eine Fokus auf die Energiepreise. Die deutsche Wirtschaft stagniere seit Jahren, während andere Länder deutlich zulegten. "Wir wissen, woran es liegt", so Frei. Mit den jetzigen Energie- und Strompreisen sei Wettbewerbsfähigkeit schwer erreichbar. Die schwarz-rote Koalition müsse die Kraft aufbringen, ein spürbares Reformpaket zu schnüren. Dies sei auch nötig, um für Zuversicht in der Bevölkerung zu sorgen. Maßnahmen für mehr Wachstum müssten oberste Priorität in der Regierung haben. Unterstützung erhält Klingbeil auch vom
CDU-Ministerpräsidenten aus Nordrhein-Westfalen. Hendrik
Wüst sagte dem Stern: "Die Vorschläge von SPD-Bundesfinanzminister Klingbeil sind eine gute Grundlage für Gespräche über notwendige grundlegende Veränderungen in Deutschland."
Wüst warnte seine Partei davor, die Ideen des SPD-Vorsitzenden gleich in der Luft zu zerreißen: "Wir sollten nicht einzelne Aspekte gleich wieder zerreden." Erfreut zeigte sich
Wüst über die Aussagen von Klingbeil zum Bürokratieabbau und zur Staatsmodernisierung. All das "lässt aufhorchen", sagte er. "Ich setze nun darauf, dass auch die SPD-geführten Ministerien bei der Staatsmodernisierung in den kommenden Monaten den Worten Klingbeils Taten folgen lassen", so
Wüst. Schwesig befürwortet - fordert aber Sofortmaßnahmen Manuela Schwesig, SPD-Ministerpräsidentin aus Mecklenburg-Vorpommern, befürwortet Klingbeils Vorschlag für eine Senkung der Energiesteuern. "Ich finde das gut. Weil er sieht, dass das mit den Spritpreisen nicht geht." Es sei richtig, dass nicht auf Dauer die absoluten Preissteigerungen dann wieder staatlich subventionieren würden. "Deshalb ist es auch richtig, dass man eigentlich vorne ansetzt und mit einem schärferen Kartellrecht dafür sorgt, dass es nicht sein kann, dass die Konzerne bei uns die Spritpreise massiv erhöhen - und das in anderen Ländern nicht tun." Allerdings brauche es jetzt sofortige Maßnahmen als Unterstützung für die "arbeitende Mitte", so Schwesig. Vom dritten Koalitionspartner, der
CSU, kommt hingegen Kritik. "Klingbeils Vorschläge haben eine Schieflage der Debatte ausgelöst", sagte
CSU-Landesgruppenchef Alexander Hoffmann. "Es reicht nicht, bei Reformen nur über die Einnahmenseite zu sprechen, wir müssen zuallererst die Ausgabenseite in den Blick nehmen." Die Kernfrage müsse zunächst in allen Bereichen sein, wie mit jedem eingesetzten Euro maximale Wirksamkeit erzielt werden könne. Da sei Deutschland aktuell weniger erfolgreich als vergleichbare Länder", sagte der der Vorsitzende der
CSU-Abgeordneten.
VCI-Präsident Markus Steilemann sagte, die Vorschläge von Klingbeil hätte er so klar vor zwei Tagen noch nicht für möglich gehalten. Sie seien aber nötig - denn der Chemiebranche gehe es schlecht.