PfadnavigationHomeRegionalesHamburgHafenwirtschaft„Wir brauchen Menge und Produktivität für unsere Anlagen“Stand: 13:10 UhrLesedauer: 4 MinutenEin Containerschiff liegt am
Terminal Burchardkai der
HHLA Quelle: Markus Scholz/dpaIn einem Umfeld von Kriegen und Krisen steigert Hamburgs Hafenkonzern
HHLA seinen Gewinn – maroder Infrastruktur in
Hamburg und
Deutschland zum Trotz. Am 11. Juni wird die Hauptversammlung des Unternehmens über eine Abfindung für die Kleinaktionäre und ein Ende der Börsennotierung entscheiden.Gemessen am allgemeinen Chaos in der Welt, hat sich Deutschlands führender Hafenlogistikkonzern
HHLA in
Hamburg im vergangenen Jahr gut behauptet. Der Umsatz stieg um fast zehn Prozent auf 1,76 Milliarden Euro, der operative Gewinn (Ebit) legte um 19,5 Prozent auf rund 161 Millionen Euro zu. „Steuerliche Einmaleffekt“ drückten den Nettogewinn auf 9,8 Millionen Euro, von 32,5 Millionen Euro im Jahr 2024. Die
HHLA betreibt Hafenterminals in
Hamburg, in
Tallinn,
Triest und
Odessa. Zum Konzern zählt zudem vor allem auch das europäische Güterbahnunternehmen
Metrans. Der seit Oktober amtierende neue Konzernchef
Jeroen Eijsink machte deutlich, wohin die Reise für die
HHLA gehen wird: „Effizienz, Zuverlässigkeit und Nachhaltigkeit“ seien die Leitplanken für den Kurs des Unternehmens: „Wir brauchen Menge und Produktivität für unsere Anlagen. Die Automatisierung ist dabei ein entscheidender Faktor.“ Stellen will die
HHLA im Zuge dessen nicht abbauen. Rund 3500 der insgesamt etwa 7000 Beschäftigten der
HHLA arbeiten in
Hamburg.Die fortschreitende Elektrifizierung und Automatisierung speziell auf den Containerterminals Altenwerder und Burchardkai in
Hamburg soll laut Eijsink erheblich dazu beitragen, die Geschwindigkeit des Containerumschlags zu erhöhen, das Ausscheiden der geburtenstarken Jahrgänge aus dem Arbeitsprozess auszugleichen und den „ökologischen Fußabdruck“ der Terminals zu verkleinern: „Unsere Kunden achten immer stärker auf CO2-neutrale Lieferketten, und wir wollen und müssen sie dabei unterstützen.“Lesen Sie auchAls besonders gewinnträchtig erwies sich einmal mehr die sogenannte Intermodalsparte der
HHLA, der Containertransport an Land, vor allem beim europäischen Güterbahnunternehmen
Metrans. Der Containerumschlag der
HHLA-Intermodalsparte stieg 2025 um rund elf Prozent auf etwa zwei Millionen Containereinheiten (TEU), davon entfielen etwa 1,7 Millionen TEU auf Bahntransporte. Während die Containersparte für den Hafenumschlag einen operativen Gewinn (Ebit) von 74 Millionen Euro erwirtschaftete, verzeichnete das Intermodalgeschäft 104 Millionen Euro Gewinn, der weit überwiegend von
Metrans erwirtschaftet wurde.
Metrans mit Hauptsitz in Prag ist das wichtigste Tochterunternehmen der
HHLA, es expandiert vor allem in Südosteuropa, mit dem Bau neuer Terminals und der Übernahme anderer Unternehmen. Vor wenigen Tagen erwarb
Metrans einen Anteil von 50 Prozent am rumänischen Containerbahnterminal Arad. Herausfordernd für die
HHLA ist nicht nur die Unsicherheit über die Mengenentwicklung der internationalen Warenströme – etwa mit Blick auf den Krieg der USA und Israels gegen den Iran oder Russlands Krieg gegen die Ukraine. Auch logistische Faktoren spielen eine wesentliche Rolle. „Wir haben es verstärkt mit Spitzenlasten durch die zunehmende Zahl von Großcontainerschiffen zu tun, die unsere Terminals in
Hamburg anlaufen und die Infrastruktur belasten“, sagte Eijsink. An solchen Schiffe werden innerhalb von 72 Stunden mehr als 10.000 Container bewegt, das setzt das Verkehrssystem erheblich unter Stress. Ein System, das ohnehin am Limit arbeitet, etwa Hamburgs marode Köhlbrandbrücke, die nun wegen Materialermüdung für Schwertransporte mit 44 Tonnen und mehr Gewicht gesperrt werden muss. Aber auch die Sanierung und der Ausbau des deutschen Bahnnetzes kommen nur schleppend voran. Das behindert eine stärkere Verlagerung von Gütertransporten von der Straße auf die Schiene.Lesen Sie auchDer konzernweite Containerumschlag der
HHLA stieg im vergangene Jahr um 5,6 Prozent auf rund 6,3 Millionen Einheiten (TEU). An den Hamburger Terminals Burchardkai, Altenwerder und Tollerort legte der Containerumschlag um 4,8 Prozent auf rund sechs Millionen TEU zu. Hauptgrund dafür ist die Mengenverlagerung der weltgrößten Linienreederei MSC von Eurogate zum Burchardkai. MSC beteiligt sich mit bis 49,9 Prozent der Anteile an der Hafenlogistik-Sparte der
HHLA, die Stadt
Hamburg hält 50,1 Prozent. MSC habe seine Mengenzusagen an die
HHLA für 2025 „mehr als erfüllt“, sagte Eijsink. Die letzten verbliebenen Kleinaktionäre sollen Mitte des Jahres abgefunden, die
HHLA dann von der Börse genommen werden. Die Höhe der Barabfindung werde derzeit von einem unabhängigen Gutachter im Rahmen des aktienrechtlich geregelten Vorgehens geprüft, sagte Finanzvorständin Annette Geiß. Die Hauptversammlung der
HHLA soll am 11. Juni über den sogenannten Squeeze Out, das Herauskaufen der Kleinaktionäre, entscheiden. Angesichts der Mehrheit der Stadt
Hamburg und von MSC von mehr als 95 Prozent der Anteile an der Hafenlogistik-Sparte der
HHLA gilt das als Formsache. Am Immobilienportfolio der
HHLA etwa in der Speicherstadt ist MSC nicht beteiligt, die Stadt bleibt Alleineigner.Olaf Preuß ist Wirtschaftsreporter von WELT und WELT AM SONNTAG für
Hamburg und Norddeutschland. Er berichtet seit mehr als 30 Jahren über die maritime Wirtschaft, über Häfen, Werften und Schifffahrt.