Deutsche Chemieindustrie
BASF setzt Milliarden auf den Standort
China Stand: 26.03.2026 • 17:17 Uhr
BASF eröffnet ihr neues Mega-Werk im chinesischen
Zhanjiang. Die Rekord-Investition von fast neun Milliarden Euro ist mit einigen Risiken verbunden. Der Konzernchef zeigt sich unbeirrt. Es ertönen Fanfarenklänge, als die Führungsmannschaft der
BASF und Politkader aus der Region
Guangdong gemeinsam einmarschieren, um die Eröffnung des neuen Mega-Werks in der Küstenstadt
Zhanjiang zu zelebrieren. Auf großen, weißen Funktionärssesseln nehmen sie in der ersten Reihe Platz. Vor dem neuen Werkskomplex der
BASF sind Zuschauertribünen und eine Bühne errichtet, auf der zahlreiche chinesische Regierungsvertreter die Großinvestition aus dem Ausland begrüßen. Auch Bundeswirtschaftsministerin
Katherina Reiche hält ein Grußwort per Video und spricht davon, dass es Deutschland sehr wichtig sei, stabile und berechenbare wirtschaftliche Beziehungen mit
China zu haben: "Besonders in turbulenten und unsicheren Zeiten hat unsere Kooperation eine besondere Bedeutung." Hier ist zu sehen, wie eng deutsche Schlüsselindustrien mit
China verwoben sind - trotz all der Debatten über eine zu große Abhängigkeit vom chinesischen Markt. Fast neun Milliarden Euro hat
BASF in den Standort investiert, damit ist es die größte Einzelinvestition der Unternehmensgeschichte. Der
BASF-Vorstandsvorsitzende
Markus Kamieth spricht in seiner Rede von einem neuen Kapitel in der Geschichte der
BASF: "
China ist zunächst mal der größte Chemiemarkt der Welt und auch der am stärksten wachsende Chemiemarkt der Welt und für uns auch über die letzten Dekaden ein extrem erfolgreicher Markt." Das neue Werk sei ein Standort für Wachstum und Innovation. In
China erwirtschaftet der Konzern bislang rund 14 Prozent seines weltweiten Umsatzes. Das soll in Zukunft mehr werden. Der Markt hier wachse und daran will die
BASF teilhaben. Die Hälfte der weltweiten Chemienachfrage liege in
China, so Kamieth. Die Botschaft: Hier ist die Zukunft.
China ist für
BASF offenbar so wichtig, dass der Konzern sogar vor chinesischen Autoritäten einknickt. So wies ein Firmensprecher Journalisten nach der Eröffnungsfeier daraufhin, Inhalte aus einem Interview mit einem ranghohen chinesischen Politiker dürften nicht verwendet werden. Die chinesische Seite verlange dies. Über ganze vier Quadratkilometer erstreckt sich der nun mehr drittgrößte Verbundstandort von
BASF, nach
Ludwigshafen und Antwerpen. Er verfügt über moderne Anlagen und einen eigenen Tiefseehafen, über den
BASF Rohstoffe vom Weltmarkt für die Produktion an ihrem Verbundstandort beziehen können. Wenn man exportieren wolle, dann nur nach Südostasien. Das Konzept lautet hier ganz offensichtlich: in
China vor allem für
China. Produziert werden zum Beispiel Basis- und Spezialchemikalien für die Automobil- oder Plastikindustrie. Und das "grün": Der neue
BASF-Standort läuft zu 100 Prozent mit erneuerbaren Energien. Während also in
China Produktionskapazitäten aufgebaut werden, wird in Deutschland abgebaut. Im defizitären Stammwerk
Ludwigshafen werden Anlagen stillgelegt und konzernweit sind mehrere Sparprogramme inklusive Stellenabbaus aufgelegt worden. Das Unternehmen leidet unter Nachfrageschwäche und gesunkenen Preisen. Am Hauptsitz in
Ludwigshafen wurden im vergangenen Jahr mehr als 1.000 Stellen abgebaut. Der Vorstandsvorsitzende Kamieth sieht das nicht als Widerspruch: "Ich kann nur sagen, eine
BASF, die nicht in
China investiert ist, ist eine schwächere
BASF und eine schwächere
BASF ist auch für den Standort Deutschland nicht gut." Zudem betont er auch Investitionen in
Ludwigshafen, die darauf abzielten, den Standort zu modernisieren und nachhaltiger zu machen: "Wir haben jetzt ein großes Projekt hier, das stimmt. Aber wenn man sich das über einen größeren Zeitraum anschaut, investieren wir mit Abstand das meiste in Europa und das meiste am Standort
Ludwigshafen. Kritiker aber befürchten,
BASF mache sich nach seinem Rückzug aus Russland in
China erneut abhängig von einem autokratisch geführten Land. Das betrifft auch andere deutsche Unternehmen. Aus einer Geschäftsklimaumfrage der deutschen Auslandshandelskammer im vergangenen Jahr ging hervor: Mehr als die Hälfte der Mitgliedsunternehmen aus der Chemieindustrie wollen in den kommenden zwei Jahren ihre Investitionen in
China erhöhen. "Wir sehen eine sehr ähnliche Entwicklung auch bei den Maschinenbauern, bei den Unternehmen der Automobilindustrie, das ist ja kein Geheimnis", so Oliver Oehms, Geschäftsführer der Außenhandelskammer. "Und auch deren Zulieferer wiederum sehen sich gezwungen - Stichwort Kostendruck -, sich stärker im Markt mit Investitionen zu engagieren." Dabei geht es auch vermehrt um Forschung und Entwicklung, um in
China Innovationen voranzutreiben und mit Blick auf zunehmende Konkurrenz in
China wettbewerbsfähig zu bleiben. Volkswagen zum Beispiel hat in den vergangenen Jahren 3,5 Milliarden Euro in den Standort im ostchinesischen Hefei investiert. Das Ziel ist es, mit dort entwickelten E-Autos wieder stärker zu wachsen und den Geschmack der chinesischen Kunden zu treffen. Dabei sind die Bedingungen auf dem chinesischen Markt schwieriger geworden. Chinas Wirtschaft hat mit einer schwächelnden Binnennachfrage, Überkapazitäten und Preisdruck zu kämpfen. Im Chemie-Sektor sind die Preise in den vergangenen Jahren erheblich gefallen. Deshalb rechnet auch
BASF nun mit weniger Gewinnen als noch 2018 bei der Planung des neuen Standorts in Südchina. Auch geopolitisch gibt es Risiken deutscher Investitionen in
China. Die Pekinger Führung erhebt Machtanspruch auf die demokratisch regierte Insel Taiwan. Ein Konflikt um Taiwan würde eine der global wichtigsten Schifffahrtsrouten unterbrechen und hätte massive Auswirkungen auf die Weltwirtschaft. Jürgen Matthes, Auslandsexperte Institut der deutschen Wirtschaft in Köln, sagt: "Sollte es eine Invasion Taiwans durch
China geben und größere Konflikte, Sanktionsszenarien, dann ist natürlich die Frage, was passiert? Kann das Geschäft so weiterlaufen oder wird im schlimmsten Fall möglicherweise am Ende dann Produktionsvermögen, was jetzt neu aufgebaut wird, verstaatlicht und geht verloren?" Das seien aber Entscheidungen, die am Ende die Anteilseigner, die Aktionäre, die Gläubiger von deutschen Firmen und damit auch von
BASF zu treffen haben, ob sie in solche Risiken reingehen wollen. Für
Markus Kamieth ist die Risikoabwägung klar. "Stellen Sie sich vor, wie eine
BASF ohne die Hälfte des Weltmarkts
China aussehen würde", sagt der
BASF-Chef. "Also das Abkoppeln von
China oder ein Aufgeben des chinesischen Marktes ist aus meiner Sicht das viel größere Risiko."