26. März 2026Bei dem jüngsten russischen Angriff auf das Zentrum der westukrainischen Stadt
Lwiw wurden
UNESCO-Welterbestätten beschädigt. Welche Objekte wurden getroffen und wie reagiert Kyjiw?https://p.dw.com/p/5BD7SEine russische Drohne hat die Nebenbauten des
Bernhardiner-Klosters in
Lwiw getroffenBild: Mykola Tys/AP Photo/dpa/picture allianceBei dem massiven Angriff auf die
Ukraine am 23. und 24. März setzte Russland fast 1000 Drohnen und 34 Raketen ein. Nach Angaben des US-amerikanischen
Institute for the Study of War handelt es sich um die größte Angriffswelle seit Beginn des russischen Krieges gegen die
Ukraine. Angegriffen wurden mehrere Städte in der Westukraine, darunter auch die Großstadt
Lwiw. Mehrere Menschen wurden getötet, über 40 weitere verletzt. In
Lwiw wurde das historische Zentrum beschädigt, das seit 2023 zu den
UNESCO-Welterbestätten gehört. Der Gouverneur der Region
Lwiw,
Maksym Kosyzkyj, teilte mit, dass eine Drohne das ehemalige Bernhardiner-Kloster aus dem 17. Jahrhundert getroffen und mehrere Nebengebäude zerstört habe - das Kloster ist heute als
St.-Andreas-Kirche bekannt und gehört zur ukrainischen griechisch-katholischen Kirche. Bei dem Angriff gingen auch mehrere Kirchenfenster zu Bruch - das bedeutendste Glasgemälde der Jungfrau Maria mit Kind blieb jedoch verschont.Folgen des russischen Angriffs auf
Lwiw am 24. März 2026Bild: REUTERS In einem weiteren Nachbargebäude der Kirche befindet sich das historische
Ukraine" class="entity-link entity-organization" data-entity-id="77950" data-entity-type="organization">Staatsarchiv der
Ukraine. Das Archiv wurde 1784 gegründet, dort werden die ältesten Dokumente zur ukrainischen Geschichte aufbewahrt, unter anderem drei Birkenrindenschriften aus dem 12. Jahrhundert, die zu den bedeutendsten Zeugnissen altrussischer Schriftkultur zählen, erklärte Archivdienstleiter
Anatolij Сhromow im Gespräch mit der DW. "Das Archivgebäude gilt als baufällig, und jede Explosion, wie die vom 24. März, birgt Risiken für die Bestände. Wir sind gerade noch dabei, das Gebäude zu untersuchen und zu schauen, ob es neue Risse gibt", so Chromow weiter. "Die Vorderseite, Fenster und Gemälde sind beschädigt. Wir treffen gerade die notwendigen Maßnahmen, um die Schäden so schnell wie möglich zu beheben", so Сhromow weiter. Anwohner stehen nach dem russischen Angriff auf Lwiws historisches Stadtzentrum unter SchockBild: Mykola Tys/AP Photo/dpa/picture alliance In russischen Propagandakanälen wurde der Angriff auf das historische Gebäude mit der Begründung gerechtfertigt, im Staatsarchiv hätten sich "ausländische Söldner" befunden, eine Aussage, die Chromow vehement bestreitet. Er fügte hinzu, dass Archivmitarbeiter auf Hochtouren an der Digitalisierung historischer Dokumente arbeiteten, um die ukrainischen Archive möglichst effizient vor solchen russischen Angriffen zu schützen. Durch den russischen Drohnenangriff wurde auch das aus dem 19. Jahrhundert stammende Gebäude des Lonzki-Gefängnisses beschädigt. Heute befindet sich dort das ukrainsiche Nationalmuseum und eine Gedenkstätte für die Opfer der verschiedenen Besatzungsregime. "Hier sind fast alle Fensterscheiben zerschlagen - sie waren noch Zeugen der stalinistischen Verbrechen des vergangenen Jahrhunderts", schrieb der ukrainsiche Historiker und Parlamentsabgeordnete Wolodymyr Wjatrowitsch auf Facebook. "Aber die Erinnerungskultur kann nicht zerschlagen werden. Wir erinnern uns an alle damaligen Verbrechen. Wir werden auch die gegenwärtigen Verbrechen nie vergessen." Das ukrainische Kultusministerium teilte mit, es dokumentiere alle Verbrechen gegen das Kulturerbe des Landes und arbeite mit internationalen Partnern zusammen, um die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. "Das Kulturerbe darf kein Angriffsziel sein. Unser Team ist gerade dabei, einen Antrag an die
UNESCO vorzubereiten, um sie über die Beschädigung eines Weltkulturerbes zu informieren", erklärte Kultusministerin Tetjana Bereschna auf Facebook. Löscharbeiten in Lwiws historischem StadtzentrumBild: Mykola Tys/AP Photo/dpa/picture alliance Nach Angaben des ukrainischen Kultusministeriums hat Russland in der
Ukraine seit Kriegsbeginn im Februar 2022 über 1700 Kulturgegenstände und 2500 "Objekte der kulturellen Infrastruktur" beschädigt. Davon sind 513 komplett zerstört. Auch die Weltkulturorganisation reagierte auf die jüngsten Angriffe mit "tiefster Besorgnis": "Die
UNESCO weist darauf hin, dass Kulturerbe unter dem Schutz der 1954 verabschiedeten Haager Konvention zum Schutz von Kulturgut bei bewaffneten Konflikten sowie der 1972 verabschiedeten Welterbekonvention steht", schrieb die UN-Organisation auf ihrer Facebookseite. "Alle Konfliktparteien werden aufgefordert, sich dafür einzusetzen, das kulturelle Erbe zu bewahren", heißt es im Statement. Zwar wird Russland dabei nicht namentlich erwähnt und die jüngsten Angriffe werden nicht verurteilt. Die
UNESCO zeigte jedoch ihre Bereitschaft, die ukrainische Seite bei allen Schutzmaßnahmen zu unterstützen. Das Außenministerium fordert eine "starke Reaktion" Experten der
UNESCO würden nach
Lwiw reisen, um die Schäden des jüngsten russischen Angriffes zu dokumentieren, teilte das ukrainische Außenministerium mit. Entsprechende Vereinbarungen seien bereits getroffen. Georgij Tikhij, Pressesprecher des ukrainischen Außenministeriums, berichtete, dass internationale Partner der
Ukraine wie Lettland, Litauen, Estland, Portugal oder Rumänien den Angriff bereits verurteilt hätten. "Wir fordern jedoch mehr als nur Verurteilung - wir fordern konkrete Maßnahmen. Zum Beispiel Sanktionen gegen Russland im Kulturbereich. Es geht um eine komplette Isolation Russlands", so Tikhij, der forderte, dass Vertreter der Russischen Föderation von internationalen Kulturveranstaltungen ausgeschlossen werden müssten. Mehrere Gebäude im historischen Stadtzentrum Lwiws wurden stark beschädigt.Bild: Mykola Tys/AP Photo/dpa/picture alliance Das Ukrainische Institut für nationale Erinnerungskultur forderte auf Facebook einen Ausschluss Russlands aus der
UNESCO. Das Institut startete hierzu bereits eine Unterschriftenaktion und appellierte an die internationale Gemeinschaft, seine Forderung zu unterstützen. Der Angriff auf
Lwiw zeige, dass es "für Russland kein Recht auf Teilhabe an internationalen Institutionen oder Organisationen geben könne", so Institutsleiter Oleksandr Alfjorow gegenüber der DW.