Jetzt komme es darauf an, dass der Wal im offenen Wasser bleibe und möglichst in die
Nordsee schwimme, so
Lehmann. Noch sei er nicht in Sicherheit. Seine Befreiung von der Sandbank sei bisher nicht seine Rettung, sondern nur ein kleiner Schritt in die richtige Richtung. Zu Hause sei er erst im
Atlantik.Der Buckelwal war Montagmorgen auf einer Sandbank entdeckt worden. Tagelang liefen Versuche, das Tier zu befreien. So war etwa am Dienstag ein Rettungsversuch mit einem kleinen Saugbagger gescheitert. Am Donnerstag wurde mit einem Schwimmbagger eine Rinne ausgehoben. Meter um Meter hatte sich der Wal am Abend durch diese Rinne gekämpft. Auch ein größerer Bagger konnte schließlich von Land aus eingreifen, nachdem ein Damm aufgeschüttet worden war, um das schwere Gerät in Reichweite zu bringen. Das Tier zeigte sich aktiver als in den Tagen zuvor. Die Helfer versuchten, den Wal am Abend auch mit Lärm zu animieren – durch Hupen, Trommeln oder Rufen. Auch das Tier selbst gab immer wieder ein lautes Brummen von sich. Am Ende hätten am Abend nur noch wenige Meter bis ins tiefere Wasser gefehlt, sagte der Bürgermeister von
Timmendorfer Strand,
Sven Partheil-Böhnke, als die Aktion wegen der Dunkelheit abgebrochen wurde.»Er hat tatsächlich wirklich Bock, und die Motivation ist da«, hatte der Biologe
Lehmann über den Wal gesagt. Im Neoprenanzug war er im flachen Wasser stehend auf Tuchfühlung mit dem Tier gegangen, auch um es zu beruhigen, wie er sagte. Nicht heimisch in der OstseeGroßwale wie Buckelwale sind in der
Ostsee nicht heimisch. Sie könnten demnach auf der Suche nach Nahrung Fischschwärmen folgen und in der
Ostsee landen. Auch Unterwasserlärm könnte laut Experten eine Rolle spielen. Da die
Ostsee nicht sein natürlicher Lebensraum ist, muss der Buckelwal wieder zurück in die
Nordsee und dann weiter in den
Atlantik gelangen.Laut Experten besteht die Gefahr, dass der Wal sich erneut festschwimmt oder aus der
Ostsee nicht wieder herausfindet. Die
Ostsee stelle ein Nadelöhr dar, sagte etwa
Jan Herrmann, Tierarzt und Walexperte aus
Wilhelmshaven. »Den Ausgang muss man wieder finden, und das ist nicht ganz sicher, dass das in der Navigation der Buckelwale so angelegt ist.« Schleswig-Holsteins Ministerpräsident
Daniel Günther kündigte bei einem Ortsbesuch am Donnerstag für den Fall der Fälle schon einmal Geleit durch Boote an. Der
CDU-Politiker sagte die Hilfe des Landes zu.Warum der Wal vor
Niendorf aufgetaucht war, ist bislang unklar. Stephanie Groß vom ITAW sagte, vielleicht sei das Tier krank oder verletzt, vielleicht auch nur erschöpft gewesen. Es könne aber auch sein, dass der Wal einfach durch einen unglücklichen Zufall in diesem Flachwasserbereich gelandet sei.Nach Angaben der Meeresschutzorganisation Sea Shepherd handelt es sich bei dem Tier wahrscheinlich um den Wal, der bereits zuvor wiederholt auch vor der Küste Mecklenburg-Vorpommerns gesichtet worden war. Anfang März hatte das Tier durch sein Auftauchen im Hafen von Wismar Aufsehen erregt. Der Meeresökologe Joseph Schnitzler hatte sich zuletzt zuversichtlich gezeigt, dass die Rettung des Tieres gelingen könnte. »Der Wal ist relativ fit, sein Ernährungszustand gar nicht so schlecht«, sagte er am Mittwoch im Interview mit dem SPIEGEL. Zudem liege der Buckelwal relativ günstig in einer Mulde. »Er könnte dort noch Tage, vielleicht sogar Wochen überleben, wenn er nicht schwer krank ist.«Anmerkung der Redaktion: Kurz nach Veröffentlichung dieser Nachricht bestätigte ein Experte die Befreiung des Wals. Wir haben das nachträglich ergänzt und den Text entsprechend aktualisiert.