Skistar Vonn über Klinikaufenthalt nach Olympia-Unfall »Ich schrie aus voller Kehle: Holt mich hier raus!« Skirennfahrerin
Lindsey Vonn beschreibt detailliert die ersten Stunden nach ihrem Sturz bei den Olympischen Winterspielen. Die Zeit auf der Intensivstation habe sie fast den Verstand gekostet.
Lindsey Vonn in ihrem Krankenbett im italienischen
Treviso: »Musste all meine Kraft aufbringen, um nicht den Verstand zu verlieren« Als sie in einem Computertomografen gelegen habe, hätten die Schmerzmittel plötzlich nicht mehr gewirkt. »Ich schrie aus voller Kehle: Holt mich hier raus! Es wollte einfach nicht nachlassen. Es hörte nicht auf. Das hat sich mir tief ins Gehirn eingebrannt.« An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von X.com, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können Ihre Zustimmung jederzeit wieder zurücknehmen. Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Vonn hatte sich bei dem Unfall in der Abfahrt eine schwere Knie- und Unterschenkelverletzung zugezogen. Der US-Teamarzt
Tom Hackett begleitete die Skirennfahrerin in die Klinik. Dort habe sich die Lage wenige Stunden nach der ersten Operation verschlechtert. »Es wird immer schlimmer, und sie spricht nicht auf riesige Mengen an Fentanyl, Morphin, Oxycodon – einfach auf jedes nur erdenkliche Betäubungsmittel – an«, erinnerte sich Hackett. Bei der Sportlerin entwickelte sich demnach ein sogenanntes Kompartmentsyndrom: Der Druck im Gewebe rund um die Verletzung steigt dabei stark an. Das könne man sich vorstellen wie »Hot Dogs oder Bratwürstchen auf dem Grill«, sagte Hackett. »Sie schwellen immer mehr an. Und irgendwann platzen sie.« Neben den kaum auszuhaltenden Schmerzen hätten Vonn auch die Realitäten auf der Intensivstation zugesetzt. Pflegekräfte hätten sie alle drei Stunden geweckt und in einer Sprache gesprochen, die sie nicht verstand. Sie habe sich ein Zimmer mit anderen Patientinnen und Patienten geteilt, nur ein dünner Vorhang habe sie getrennt – während eine Amputation ihres Beins im Raum stand. Das Licht sei bis 23 Uhr angeblieben, das Notausgangsschild habe die ganze Nacht geleuchtet. »Ich musste all meine Kraft aufbringen, um nicht den Verstand zu verlieren«, sagte Vonn.Nachdem ein Rettungsflieger sie in die USA gebracht hatte, wurde der Bruch ein viertes Mal operiert. Erst danach konnte Vonn in ihr Haus in
Park City im Bundesstaat
Utah zurückkehren. Dort begann sie mit der Reha. »Ich will nicht, dass ich deswegen in Erinnerung bleibe«Die einstige »Speed-Queen« – Olympiasiegerin und 84-malige Weltcupsiegerin – ärgert, dass der Unfall alles überstrahle. »Ich will nicht, dass Leute sich auf den Sturz fixieren und ich deswegen in Erinnerung bleibe«, sagte sie. »Was ich vor Olympia getan habe, hat noch nie jemand geschafft. Ich war die Nummer eins im Klassement. Niemand erinnert sich daran, dass ich gewonnen habe.« Auf die Frage von »Vanity Fair«, ob sie noch einmal an eine Rückkehr in den Weltcup denke, antwortete Vonn: »Ich will keine Tür zumachen, weil man nie weiß, was noch passiert. Ich habe keine Ahnung, wie mein Leben in zwei, drei oder vier Jahren aussehen wird. Vielleicht habe ich bis dahin zwei Kinder. Oder ich habe keine Kinder und will wieder Rennen fahren. Vielleicht lebe ich dann in Europa. Ich könnte alles Mögliche machen.«