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News/Designer Giancarlo Piretti: Er erfand den bekanntesten Klapp…
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Designer Giancarlo Piretti: Er erfand den bekanntesten Klappstuhl der Welt

Giancarlo Piretti, ein italienischer Architekt und Designer, erlangte vor allem durch seinen Klappstuhl "Plia" aus dem Jahr 1967 Bekanntheit. Der Stuhl, hergestellt von Anonima Castelli, zeichnete sich durch sein schlichtes Design, die Verwendung von transparentem Zelluloseacetat und einen innovativen Klappmechanismus aus.

Florian SiebeckFAZFiled 2026-03-27 · 10:00 GMTLean · Center-RightRead · 4 min
Designer Giancarlo Piretti: Er erfand den bekanntesten Klappstuhl der Welt
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Giancarlo Piretti, ein italienischer Architekt und Designer, erlangte vor allem durch seinen Klappstuhl "Plia" aus dem Jahr 1967 Bekanntheit. Der Stuhl, hergestellt von Anonima Castelli, zeichnete sich durch sein schlichtes Design, die Verwendung von transparentem Zelluloseacetat und einen innovativen Klappmechanismus aus. "Plia" wurde auf der Möbelmesse in Mailand vorgestellt und erfreute sich sofort großer Beliebtheit, da er Funktionalität und Ästhetik vereinte. Piretti arbeitete drei Jahre an dem Entwurf, der ihm den Beinamen "Thonet des 20. Jahrhunderts" einbrachte. Trotz des weltweiten Erfolgs seiner Möbelentwürfe blieb Piretti selbst weitgehend unbekannt. Er wurde 1940 in Bologna geboren und absolvierte die Akademie der Schönen Künste.

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The Plia chair could be folded to a thickness of five centimeters.

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The 'Plia' folding chair was introduced in Milan in 1967.

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Edoardo Pavan recalls the Plia chair attracted attention when unfolded and disappeared when not needed.

quoteEdoardo Pavan
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Giancarlo Piretti designed furniture that was simple and widely copied.

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Piretti was called the 'Thonet of the 20th century'.

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Giancarlo Peretti entwarf Möbel, die keine Umstände machen. Vermutlich wurden sie deshalb millionenfach kopiert. Doch während seine Formen um die Welt gingen, blieb der Mann hinter ihnen weitgehend unbekannt.Als der Klappstuhl „Plia“ 1967 auf der Möbelmesse in Mailand vorgestellt wurde, fand er beim Publikum so großen Anklang, dass viele Besucher sich gleich einen unter den Arm klemmen und mitnehmen wollten. Das „Symbol einer neuen Ära“ – so hatte ihn der Hersteller Anonima Castelli beworben – erwies sich als derart begehrt, dass man Mühe hatte, die verbliebenen Exemplare am Stand festzuketten.Dabei sah der Stuhl fast unverschämt einfach aus. Sein Gestell bestand aus verchromtem Stahl, Sitzfläche und Rückenlehne waren transparent. Besonders machte ihn die Tatsache, dass er sich nicht nur stapeln ließ, sondern sich mit einer fast beiläufigen Handbewegung auch zusammenklappen ließ – und zwar auf schmale fünf Zentimeter. „Aufgeklappt zog er alle Blicke auf sich, und wenn man ihn nicht brauchte, verschwand er einfach“, erinnert sich Edoardo Pavan, der heutige Firmenchef von Anonima Castelli.Drei Jahre hatte er an dem Entwurf gearbeitetDer Designer des Stuhls hieß Giancarlo Piretti und war gerade einmal 29 Jahre alt. Drei Jahre hatte er an dem Entwurf gearbeitet. Für das Gestell – drei durchgehende Metallelemente, die er in einem Drehgelenk bündelte – wählte Piretti besonders dünne Rohre, um dem Stuhl eine außergewöhnliche Leichtigkeit zu verleihen. Verstärkt wurde dieser Eindruck durch Sitz und Rückenlehne aus transparentem Zelluloseacetat, einem Material, das Bayer gerade erst für Brillenfassungen entwickelt hatte.Schöne Schale: Der „Plona“, eine Weiterentwicklung des „Plia“ von 1969, zeugt auch von der Experimentierfreude der späten Sechzigerjahre.Anonima CastelliDer Klappmechanismus war so neuartig, dass er Piretti den Beinamen „Thonet des 20. Jahrhunderts“ einbrachte, in Anspielung auf den Tischler Michael Thonet, der im 19. Jahrhundert mit seinen Bugholzstühlen das Möbel vom handwerklichen Einzelstück zum industrielles Serienprodukt gemacht und damit den Grundstein für das moderne Möbel legte. „Plia“ war ebenso revolutionär: Der Stuhl war elegant und zugleich zugänglich. Und er fügte sich mühelos in jede Umgebung ein, ohne sich in den Vordergrund zu drängen.ArchivPiretti, 1940 in Bologna geboren, war Architekt und Absolvent der Akademie der Schönen Künste. Dass er in Bologna lebte, wo eine leistungsfähige Industrie Komponenten für Möbelhersteller in ganz Italien produzierte, erwies sich als glückliche Fügung. Denn hier, fernab der bisweilen selbstverliebten Mailänder Avantgarde, zählte strenge Ingenieursdisziplin mindestens ebenso viel wie gestalterischer Ausdruck.„Man kann nicht entwerfen, was man nicht zu bauen versteht“In diesem Spannungsfeld fand Piretti jenes produktive Gleichgewicht, das seinem Werk später eine Präzision und Leichtigkeit verlieh, die all seine Entwürfe durchzog. „Man kann nicht entwerfen, was man nicht zu bauen versteht“, gab er seinen späteren Studenten mit auf den Weg. Piretti galt als akribischer Arbeiter und versierter Techniker; er hielt zahlreiche Patente.Comeback: Den Polstersessel „Alky“, den der Designer 1970 entwarf, kennen vor allem Designliebhaber. Unter ihnen ist er seit einigen Jahren wieder heiß begehrt.Anonima Castelli„Plia“ war aber auch deshalb so erfolgreich, weil der Hersteller Anonima Castelli bereit war, beträchtliche Mittel in Forschung und Entwicklung zu investieren und Piretti große Freiheiten einzuräumen. Als der Designer nach einer missglückten Dienstreise mit dem Gedanken spielte zu kündigen, stellte ihm der Firmengründer Leonida Castelli ein eigenes Studio zur Verfügung und gewährte dem Designer die Freiheit, an Wettbewerben teilzunehmen sowie am Staatlichen Kunstinstitut in Bologna zu unterrichten.Piretti blieb. Und aus „Plia“ entwickelte sich eine ganze Familie faltbarer Möbel: die Tische „Plano“ und „Platone“, die Garderobe „Planta“, der Schirmständer „Pluvium“, der Sessel „Plona“. Das wiederkehrende „pl“ im Namen war eine Anspielung auf das französische Wort „pliant“ – faltbar. „Seine Stühle und Möbel waren in Wahrheit kleine Maschinen“, erinnert sich der Designforscher Lorenzo Díaz Campos, der Piretti Ende der Achtzigerjahre kennenlernte.Mit dem stapelbaren Stuhl „DSC 106“ eroberte Giancarlo Piretti später Konferenzräume rund um den Globus; das Sitzsystem „Axis 3000“ schmückt bis heute italienische Wartebereiche. Später entwickelte der Designer die „Piretti-Kollektion“: mehr als fünfzig Bürostühle mit einem patentierten Mechanismus, der die Spannung der Rückenlehne dem Gewicht des Sitzenden anpasst. Noch heute folgen Bürostühle dieser Logik.Funktional und stapelbar: Der „DSC 106“ wurde für den Einsatz in öffentlichen Räumen entworfen. Heute steht er in Konferenzsälen rund um den Globus.Anonima CastelliPirettis erfolgreichster Wurf blieb aber „Plia“. Sechs Millionen Mal wurde der Klappstuhl bis heute verkauft und viele weitere Millionen Male kopiert; das MoMA in New York nahm ihn in seine ständige Sammlung auf. Während der Pandemie erlebte der Entwurf ein bemerkenswertes Comeback: Er tauchte in Musikvideos auf, wurde in einer Kampagne von Yves Saint Laurent inszeniert, sogar eine Sonderedition mit der Streetwear-Marke Supreme erschien. Nach Angaben der Möbelplattform 1stDibs hat sich die Nachfrage nach dem Klappstuhl seitdem verdoppelt.Er suchte selbst nie die große BühneGiancarlo Piretti war trotz seines klangvollen Namens ein stiller Zeitgenosse. Obwohl seine Produkte vielfach ausgezeichnet wurden, suchte er selbst nie die große Bühne. Der Designer blieb in Bologna, unterrichtete und entwarf bis ins hohe Alter. Im Januar ist er im Alter von 85 Jahren gestorben.
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