Rückläufiger Gewinn und ein angezählter Konzernchef: Ein Investor macht mächtig Druck auf
Niklas Östberg – und fordert mehr regionalen Fokus.Seit Tagen erhöht ein Großinvestor den Druck auf
Delivery Hero und Konzernchef
Niklas Östberg. Der Hongkonger Vermögensverwalter
Aspex Management droht „auf einen Führungswechsel im Unternehmen“ abzuzielen, wie aus Briefen an den Aufsichtsrat hervorgeht, die der F.A.Z. vorliegen. Dabei geht es auch um eine Absetzung Östbergs. Aspex hält rund neun Prozent an dem Lieferdienst mit Sitz in
Berlin und fordert, den Fokus auf einzelne Regionen zu legen.
Delivery Hero ist nach eigenen Angaben in rund 65 Ländern aktiv – jedoch nicht mehr in Deutschland.Der Schwede Östberg hat in dieser Woche einen zweiten Anlauf genommen, das
Taiwan-Geschäft der Tochtergesellschaft
Taiwan" class="entity-link entity-organization" data-entity-id="59671" data-entity-type="organization">Foodpanda
Taiwan verkaufen. „Die Vereinbarung zum Verkauf unseres
Taiwan-Geschäfts – unsere fünfte Veräußerung von Vermögenswerten bis heute – ist eine von vielen Maßnahmen, die wir ergreifen“, sagt Östberg laut Mitteilung. Foodpanda soll für 600 Millionen Dollar an den Rivalen
Grab gehen. Gewinnrückgang um ein FünftelAspex ist der Verkauf zu wenig und sagt der F.A.Z.: „Der Start einer Veräußerung von Ländergesellschaften ist zwar positiv zu bewerten, doch
Taiwan allein reicht bei weitem nicht aus.“ Vielmehr zeige es den Wertverfall von Foodpanda seit der Beteiligung von
Delivery Hero, heißt es in den Briefen. Vor zwei Jahren sollte
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Taiwan für 950 Millionen Dollar an
Uber Eats gehen, die Kartellbehörden untersagten dies aber. Wenn die Behörden dieses Mal zustimmen, soll der Verkauf in der zweiten Jahreshälfte über die Bühne gehen. Anders als
Uber Eats ist
Grab bisher nicht in
Taiwan aktiv. Die Einnahmen würde
Delivery Hero unter anderem zum Schuldenabbau verwenden.Zwar schreibt das Berliner Unternehmen schwarze Zahlen, doch der Gewinn ist 2025 im Vergleich zum Vorjahr um 21 Prozent zurückgegangen, wie aus der Präsentation der Geschäftszahlen am Donnerstag hervorgeht. Also um 183 Millionen Euro auf knapp 700 Millionen Euro Gewinn. Östberg verweist lieber darauf hin, dass der Lieferdienst seinen bereinigten operativen Gewinn (Adjusted Ebitda) im abgelaufenen Geschäftsjahr zum dritten Mal in Folge steigerte.Aktie notiert knapp über AllzeittiefDer MDax-Konzern will auch im laufenden Jahr wachsen. Das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) soll auf 910 bis 960 Millionen Euro zulegen; und der Gesamtumsatz aller Segmente ohne Währungseffekte um 14 bis 16 Prozent. Anleger reagierten am Donnerstag durchwachsen auf den Jahresabschluss. Das Papier notiert gerade einmal einen Euro oberhalb des Allzeittiefs und ging 0,7 Prozent schwächer bei 15,73 Euro aus dem Handel. Seit Jahresbeginn hat die Aktie rund 30 Prozent an Wert verloren.Der Investor Aspex machte schon in den Briefen auf einen Punkt aufmerksam: „
Delivery Hero liegt in puncto Rentabilität weiterhin hinter wichtigen Wettbewerbern zurück“, heißt es in einem Schreiben an den Aufsichtsrat. Auch daher fordert Aspex einen Fokus von Östberg auf bestimmte Geschäftsbereiche und Regionen. So bereiten
Delivery Hero beispielsweise die spanische Tochter Glovo und deren Italien-Ableger Foodinho Probleme: Beide beiden stehen wegen Missachtung der dortigen Arbeitsmarktbestimmungen unter Druck. Foodinho wurde wegen angeblicher Ausbeutung von Lieferfahrern gar unter gerichtliche Aufsicht gestellt. An Glovo hält
Delivery Hero dennoch fest.Während Aspex mehr Fokus von der Unternehmensführung fordert, freut sich Chef Östberg am Donnerstag, dass der Lieferdienst neben Essensbestellungen in weitere Sektoren wie Gesundheit, Beauty, Tiernahrung und Waren des täglichen Bedarfs vorstoße. Gleichzeitig betont er, dass mit dem angestrebten Verkauf des
Taiwan-Geschäfts die strategische Überprüfung von
Delivery Hero laufe. Er sieht den Konzern gut aufgestellt. Die Ansicht dürfte auch für seinen Posten gelten. Sein Vertrag im eigens mitgegründeten Unternehmen wurde kürzlich erst verlängert und läuft nun bis 2029.Aspex behauptet, dass sich weitere Investoren den Rufen nach Umstrukturierung angeschlossen hätten. Allgemein muss abgewartet werden, wer bald als Investor von
Delivery Hero in Erscheinung tritt. Denn knapp 27 Prozent der Anteile gehören der Internet-Holding Prosus, die nach der Übernahme von Justeat Takeaway – dem Mutterkonzern der Marke Lieferando –, wegen EU-Auflagen die Beteiligung bis Herbst auf weniger als zehn Prozent reduzieren muss. Derzeit liegen die Stimmrechte bereits bei einem Treuhänder. Aspex ist sich sicher: „Es ist noch sehr viel zu tun, bevor das Management das Vertrauen der Kapitalmärkte zurückgewinnen kann.“