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FRI · 2026-03-27 · 19:00 GMTBRIEF NSR-2026-0327-39631
News/Keine Meinung zum Sklavenhandel? Berlins UN-Enthaltung
NSR-2026-0327-39631News Report·DE·Diplomatic

Keine Meinung zum Sklavenhandel? Berlins UN-Enthaltung

Im März 2026 enthielt sich Deutschland, wie alle EU-Staaten und Großbritannien, bei einer UN-Resolution, die den transatlantischen Sklavenhandel ab 1500 als "schwerstes Verbrechen gegen die Menschlichkeit" einstufte. Die Resolution, eingebracht von Ghana und mit Mehrheit von der UN-Generalversammlung angenommen, ist nicht rechtlich bindend, aber symbolträchtig.

Jens ThurauDeutsche Welle (DE)Filed 2026-03-27 · 19:00 GMTLean · CenterRead · 3 min
Keine Meinung zum Sklavenhandel? Berlins UN-Enthaltung
Deutsche Welle (DE)FIG 01
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Im März 2026 enthielt sich Deutschland, wie alle EU-Staaten und Großbritannien, bei einer UN-Resolution, die den transatlantischen Sklavenhandel ab 1500 als "schwerstes Verbrechen gegen die Menschlichkeit" einstufte. Die Resolution, eingebracht von Ghana und mit Mehrheit von der UN-Generalversammlung angenommen, ist nicht rechtlich bindend, aber symbolträchtig. Die deutsche Enthaltung begründete das Auswärtige Amt mit Bedenken hinsichtlich einer Hierarchisierung von Verbrechen gegen die Menschlichkeit, da Deutschland den Holocaust als das schwerste Verbrechen ansieht. Die Grünen-Abgeordnete Awet Tesfaiesus kritisierte die Enthaltung als mangelnde Ernsthaftigkeit im Umgang mit dem Kolonialismus und bemängelte das Fehlen eines Konzepts zur Aufarbeitung der deutschen Kolonialgeschichte. Die USA, Israel und Argentinien stimmten gegen die Resolution.

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The resolution passed with a majority of 123 out of 193 member states.

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The UN General Assembly classified the transatlantic slave trade as a 'gravest crime against humanity'.

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Germany abstained from a UN resolution on the transatlantic slave trade, as did all other EU states.

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Awet Tesfaiesus (Grüne) criticized the German abstention, saying the government doesn't take colonialism seriously enough.

quoteAwet Tesfaiesus
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Germany feared the resolution implied a hierarchy of crimes against humanity, impacting Holocaust responsibility.

quoteMartin Giese (Auswärtiges Amt)
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27. März 2026Deutschland enthält sich bei einem UN-Beschluss zum Sklavenhandel. So wie alle EU-Staaten. Die Opposition spricht von einem schwachen Bild.https://p.dw.com/p/5BFyJIn Ketten gelegt, jeder Würde beraubt: Eine Statue zum Gedenken an den Sklavenhandel im SenegalBild: picture alliance / AADer Beschluss ist nicht rechtlich bindend, aber von hoher Symbolkraft: Mit einer Mehrheit von 123 der 193 Mitgliedsstaaten hat die Generalversammlung der Vereinten Nationen den Sklavenhandel von Afrika über den Atlantik ab dem Jahr 1500 als "schwerstes Verbrechen gegen die Menschlichkeit" eingestuft. Auf Antrag Ghanas. Geschlossen für den Antrag stimmten die Länder der Afrikanischen Union und die Karibikstaaten. Die USA, Israel und Argentinien stimmten dagegen. Deutschland enthielt sich der Stimme, so wie alle anderen EU-Staaten auch, ebenso wie Großbritannien. Warum? In der Bundespressekonferenz am Freitag sagte der Sprecher des Auswärtigen Amtes, Martin Giese, dazu: "Hier gab es lange Verhandlungen, und bei der von Ghana eingebrachten Resolution sahen wir im endgültigen Text Problempunkte. Insbesondere, dass die Resolution den transatlantischen Sklavenhandel als schwerstes Verbrechen der Menschheitsgeschichte bezeichnet. Damit wird eine Hierachie zwischen verschiedenen Verbrechen gegen die Menschlichkeit impliziert." Und das könne die Regierung auch mit Blick auf die eigene Geschichte nicht mittragen, so Giese weiter. Deutsche Bedenken wegen der Verantwortung für den Holocaust Das ist kein neues Argument: Denn eigentlich fast immer in der Nachkriegsgeschichte haben deutsche Regierungspolitiker wegen der Verantwortung für den Völkermord an den europäische Juden im Nationalsozialismus diesen Zivilisationsbruch als das schwerste Verbrechen bezeichnet, dass je gegen die Menschlichkeit verübt wurde. "Deutschland hätte sich zumindest erklären können", sagt die Grünen-Abgeordnete Awet TesfaiesusBild: Stefan Kaminski Das versteht auch Awet Tesfaiesus, Bundestagsabgeordnete der Grünen. Dennoch moniert sie die deutsche Enthaltung: Nach ihrer Ansicht hat die Bundesregierung das Thema nicht ernst genug genommen. Der Umgang mit dem Kolonialismus werde von der Regierung von Konservativen und Sozialdemokraten unter Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) eher nachrangig und zweitklassig behandelt, sagt Tesfaiesus der DW. So gebe es nach wie vor kein Konzept für eine Aufarbeitung der deutschen Rolle im Kolonialismus. Aber auch sie fügt hinzu, ihr sei klar, "dass Deutschland verständlicherweise auch zögert bei dem Begriff 'schwerstes Verbrechen': Weil wir natürlich mit unserer eigenen Historie dort Schwierigkeiten haben können. Aber da finde ich, eine Erklärung wäre ein guter Weg gewesen." Ein weiterer Grund: Furcht vor einer möglichen Klagewelle Eine solche Erklärung hatte etwa Großbritannien abgegeben. Die Grünen-Politikerin vermutet auch, dass ein weiterer Grund für die Enthaltung gewesen sei, dass Deutschland sich nie aktiv am Sklavenhandel beteiligt habe. Aber auch dann, so Tesfaiesus, bleibe es Aufgabe einer verantwortlichen Politik anzuerkennen, was genau die deutsche Rolle war: "Das wäre natürlich wichtig, da auch genau hinzuschauen, weil auch wenn wir vielleicht nicht aktiv am Sklavenhandel beteiligt waren, waren wir aktiv daran beteiligt, die Vorteile zu ziehen und zu profitieren." Ghanas Außenminister Samuel Ablakwa bringt die Resolution zum Sklavenhandel vor der UN-Generalversammlung in New York ein, die am Ende eine breite Mehrheit erhieltBild: Bianca Otero/ZUMA/IMAGO Und schließlich zögerten die europäischen Staaten auch aus rechtlichen Gründen mit einer Zustimmung: Im Text der Resolution wird erwähnt, dass Sklaverei, Kolonialismus und Rassismus großes Leid bei Afrikanerinnen und Afrikanern sowie Menschen afrikanischer Herkunft verursacht haben. Und die Resolution fordert zu Entschuldigungen sowie Wiedergutmachungen auf. Also zu finanziellen Entschädigungen, dem Erlass von Schulden oder der Rückgabe geraubter Kulturgüter. Von allen EU-Staaten haben sich auch aus diesem Grund bislang nur die Niederlande offiziell für ihre Rolle in der Sklaverei entschuldigt. In 300 Jahren bis zu 15 Millionen Menschen verschleppt Regierungskreise in Berlin gestehen durchaus zu, dass auch Deutschland eine Welle von Klagen erwarte, wenn der Sklavenhandel als ein solches fundamentales Verbrechen gebranntmarkt werde. Das, so war in Berlin zu hören, habe die deutsche UN-Delegation in New York auch den Vertretern Ghanas hinter verschlossenen Türen noch einmal verdeutlicht. Zwischen 1500 und 1800 waren etwa 12 bis 15 Millionen Menschen in Afrika gefangengenommen und nach Amerika und in die Karibikstaaten verschleppt worden, wo sie gezwungen wurden, als Sklaven zu arbeiten. Schätzungen zufolge starben mehr als zwei Millionen Menschen auf der Reise.
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