Der Start: Großer Verlierer war Polesitter Antonelli, der
Mercedes-Youngster kam kaum weg und fiel auf Platz sechs hinter
Lewis Hamilton zurück. Auch für Russell ging es zunächst nach hinten, von Position zwei auf vier. Piastri übernahm die Führung, gefolgt von Leclerc. Vorjahresweltmeister
Lando Norris (McLaren) war neuer Dritter.Bearman schlägt ein und humpelt: Nach 22 Runden kam es zu einem schweren Crash, als
Oliver Bearman mit seinem
Haas vor der Spoon-Kurve aufs Gras geriet, die Kontrolle verlor und mit hoher Geschwindigkeit in der Bande landete. Der 20-Jährige konnte aussteigen, musste sich aber hinsetzen, er hatte offenbar Schmerzen. »Ollie hatte einen riesigen Geschwindigkeitsunterschied zum Auto davor. Daher musste er
Franco Colapinto ausweichen und es kam zum Crash«, sagte
Haas-Teamchef
Ayao Komatsu im Anschluss.Tempodifferenz ein Risiko? Man mache Colapinto »keine Vorwürfe«, ergänzte Komatsu. Doch in dem Vorfall dürften sich die Kritiker des neuen Formel-1-Reglements bestätigt sehen, die die durch die Energierückgewinnung hervorgerufenen Geschwindigkeitsunterschiede als Unfallrisiko ausmachten. Später meldete
Haas, dass Bearman mit einer Kraft von 50 g eingeschlagen sei, der junge Brite habe aber lediglich eine Prellung am Knie erlitten, gebrochen sei nichts.Russell flucht, Antonelli fliegt: In Folge kam das Safety-Car auf die Strecke, »unglaublich!«, schimpfte Russell am Funk. Der Grund? Der Brite war kurz zuvor beim Reifenwechsel gewesen – anders als Antonelli, der zu diesem Zeitpunkt das Rennen vor Hamilton anführte. Russell ist der etablierte Fahrer bei
Mercedes und Titelanwärter, doch sein junger Teamkollege setzt ihm zu. Teamchef
Toto Wolff redete dem Briten am Funk zu, genutzt hat es nichts. Antonelli sparte beim Boxenstopp in der Safety-Car-Phase Zeit und flog dann davon. Nach 45 Umläufen hatte er schon über 12 Sekunden Vorsprung auf den Zweiten Piastri. Teamduell bei
Ferrari: Auch bei der Scuderia schenkt man sich intern nichts. Im Kampf ums Podium versuchte Leclerc, an Hamilton vorbeizukommen. Doch der Rekordchampion machte sich breit, musste letztlich aber sowohl seinen Teamkollegen als auch Russell passieren lassen, es war in beiden Fällen eine knappe Angelegenheit. »Hamilton ist ein harter Knochen«, kommentierte Sascha Roos bei Sky.»Oscar, endlich mal ein Rennen zu Ende gefahren!«: Gute Laune gab es bei Piastri. Beim Siegerinterview wurde er mit den Worten begrüßt, dass er nun mal ins Ziel gekommen sei, woraufhin er den Mund zu einem Grinsen verzog. Beim Debüt in seiner Heimat hatte er sein Auto schon in der Einführungsrunde zu Schrott gefahren, in China konnten gleich beide McLaren wegen Batterieproblemen nicht starten – ein herber Rückschlag für den Konstrukteursweltmeister der vergangenen beiden Jahre. »Schade, dass wir nicht sehen konnten, was ohne Safety-Car passiert wäre. Aber über Position zwei jetzt enttäuscht zu sein, wäre doch komisch«, sagte Piastri in Suzuka. Was macht eigentlich Verstappen? Der Vierfachweltmeister war kaum in den TV-Übertragungen zu sehen. Das lag primär daran, dass er über das Mittelfeld nicht hinauskam. Von Position elf gestartet, arbeitete sich Verstappen bis auf Rang acht vor. Ganz am Schluss sah man ihn noch einmal im Bild, wie er vergeblich versuchte, mit seinem Red Bull vor Pierre Gasly im Alpine ins Ziel zu kommen.Der Stimmung dürfte das nicht helfen: Das Ergebnis ist sicher nicht geeignet, um die Laune des ehrgeizigen Niederländers zu verbessern. Verstappen hadert mit seinem Auto, dem neuen Reglement, fährt stattdessen in den Formel-1-Pausen in der Langstreckenserie auf dem Nürburgring. Am Samstag nach dem desaströsen Qualifying hatte sich Vater Jos Verstappen eingeschaltet. »Das Fahren in diesen Autos fordert ihn nicht. Ehrlich gesagt, befürchte ich, dass Max seine Motivation verliert«, sagte er dem niederländischen »Telegraaf«.