Fans von K-Pop-Bands stehen auch in
Frankfurt stundenlang Schlange für ein Fankärtchen, gebastelt von anderen Fans: große Gefühle vor einem schlichten Laden für Bubble Tea.„Ich verliere safe den Atem, wenn ich nicht mein Bias Pack kriege! Oh mein Gott, ich sterbe!“ Das Mädchen, vielleicht zwölf Jahre alt, von Kopf bis Fuß im pastellfarbenen Asia-Romantiklook, steigert sich von Minute zu Minute weiter in die Erwartung. Die Emotionen sind extrem. Dabei steht weder ein Konzert der K-Pop-Band
Stray Kids in der Stadt an noch eine Autogrammstunde mit einem oder gar allen acht der Bandmitglieder. Es geht an diesem regnerischen Nachmittag nur darum, in einer Bubble-Tea-Bar in
Sachsenhausen einen Tee zu kaufen. Einen besonderen. Denn die Pappmanschette des Bechers ziert für gebuchte Gäste ein Fanfoto der Band. Wer ihn hat und damit Zugang, darf an einer Tombola teilnehmen und kleine „Goodie Bags“ oder „Bias Packs“ mit Fan-Zubehör kaufen.Der Anlass: Das achtjährige Bestehen der Band
Stray Kids, die am 25. März 2018 erstmals in Erscheinung getreten war. Dafür stehen die Fans lange an, manche eine Dreiviertelstunde im Regen, nachdem sie eine Stunde Anfahrt hinter sich haben. Ein Mädchen versucht vergeblich, ihr „Picket“, einen selbst gebastelten Fächer aus Papier mit Fotos ihres Bandlieblings, verziert mit Schleifen und Strasssteinen, vor den Tropfen zu retten.K-Pop-Events wie dieses gibt es mittlerweile in der Stadt mehrmals im Monat, viele davon sind von Fans mit lokalen Unternehmen organisiert. Fotokarten-Tausch, „Freebies“, die verteilt werden, von Fans für Fans organisierte und oft selbst gebastelte Devotionalien haben mittlerweile eine ganze Infrastruktur geschaffen. Sie braucht nichts von den Stars selbst, es reicht, dass die Fans vermittelt ihre Leidenschaft teilen. Das läuft zu großen Teilen über
Instagram – jenseits aller Debatten über Verbote oder Einschränkungen für Minderjährige.Für „Goodie Bags“ muss man reservierenVor der Tür des Bubble-Tea-Ladens, im dichten Regen, fiebern Mädchen zwischen elf und 16 Jahren, aber auch viele Frauen im fortgeschrittenen Erwachsenenalter, alle über und über mit Fanabzeichen dekoriert. Sie fachsimpeln, einige schwören, tagelang geweint zu haben, als am 10. März
Heeseung die Formation
Enhypen verlassen musste. Und zeigen so auch, dass sie im Fan-Universum nicht nur zu den „Stay“, den Fans von
Stray Kids, zählen. Sondern vieles gut finden, „Multistans“ sind. Gerade an die richten sich die Angebote in der Stadt, die jungen Frauen, die an diesem Nachmittag „Goodie Bags“ für wenige Glückliche, die reservieren konnten, und selbst gebastelte Lose, drei für fünf Euro, verkaufen, beteuern, dass alles privat und ehrenamtlich organisiert werde. Sie lotsen Hunderte am Tisch der Fotos, Tütchen, Poster vorbei, freundlich, zugewandt, souverän.Laminierte Fotokarten, üppig dekoriert mit Glitzer und Satinbändern, Fanfotos in Plüschrahmen, kleine Plüschtiere und selbst dekorierte Lightsticks haben die Fans schon selbst dabei. Sie kommen rasch ins Gespräch, der Code ist bekannt. Wer nicht weiß, was „Bias“ bedeutet – der persönliche Liebling einer Formation –, oder die koreanischen Namen der Bandmitglieder nicht kennt, gehört zu den wenigen Vätern und Müttern, die nur dabei sind, damit ihre Kinder „safe“ hin- und zurückkommen.Sie machen gute Miene und bestellen selbst auch einen der Tees mit Boba-Kügelchen. Die süßen Kugeln, die nach Erdbeer oder Pfirsich schmecken, sind aus Natriumalginat, wie früher die so teuren essbaren Kunstwerke aus der Molekularküche Ferran Adriàs.