29. März 2026Während Bergbauunternehmen den Kupfergürtel in Sambia nach Metallen für die weltweite Transformation durchkämmen, leiden viele Einheimische unter ungebremster Umweltverschmutzung und der Enteignung von Feldern.https://p.dw.com/p/5AY7IDie Kupferraffinerien in Sambia haben alle Hände voll zu tun, da die weltweite Nachfrage nach Kupfer stark ansteigtBild: picture-alliance/Construction Photography/D. GillieKupfer ist begehrt: Es wird in Elektrofahrzeugen und Technologien für erneuerbare Energien verwendet. Die weltweite Nachfrage hat in sambischen Bergbaustädten wie
Kitwe,
Luanshya,
Mufulira und
Chingola zu einem Aufschwung der Wirtschaft geführt. Im sogenannten "Kupfergürtel" des Landes sind die ökologischen und sozialen Folgen spürbar. In der
Luanshya-Mine, etwa 30 Kilometer von
Ndola entfernt, hat der Abbau zugenommen, da die Nachfrage nach Kupfer steigtBild: Kathy Short/DW Die Sorge über Umweltverschmutzung und mangelnde Umweltkontrolle wuchs, nachdem im Februar 2025 bei einem Säureunfall im chinesischen Bergwerk
Zambia" class="entity-link entity-organization" data-entity-id="76158" data-entity-type="organization">Sino-Metals Leach
Zambia ein nahegelegener Fluss verseucht wurde, der zum Einzugsgebiet des Kafue-Flusses gehört. Der Kafue-Fluss ist für die Wasserversorgung der Sambier in vier der zehn Provinzen des Landes von entscheidender Bedeutung. Der Unfall zerstörte Ernten und tötete Fische. Und er schürte langfristige Sorgen vor Wassermangel, Gesundheitsgefahren und weiterer Umweltrisiken, die die Bergbauindustrie in Sambia mit sich bringt. "Nach diesem schweren Säureaustritt gelangten Giftstoffe in den Fluss", berichtet der Anwohner
Lloyd Mwakwa gegenüber der DW. "Das sind starke Giftstoffe, und sie werden uns langfristig beeinträchtigen", fügt er hinzu. Für viele Anwohner verstärkte der Vorfall die seit langem bestehenden Befürchtungen, ob die Ausweitung des Bergbaus mit dem Wohlergehen der Gemeinden vereinbar ist. Sambia sieht Gesundheitsprobleme im Zusammenhang mit Bergbauverschmutzung. Umweltaktivisten sagen, dass Verschmutzung, Schwermetallbelastung und Landvertreibung weiterhin Bergbaugebiete beeinträchtigen, die an Ackerland oder Dörfer angrenzen. "„Zunehmende Gesundheitsprobleme im Zusammenhang mit Verschmutzung bedrohen die öffentliche Gesundheit", sagt
Andrew Chanda Chimfwembe, Projektbeauftragter der katholischen Erzdiözese in
Ndola, die mit lokalen Gemeinden zusammenarbeitet. "Mit der Ausweitung des Bergbaus verlieren die Gemeinden Land und der soziale Zusammenhalt schwächt sich ab. Zusätzlich verschärft sich die Ungleichheit, wenn die lokale Bevölkerung nicht davon profitiert", sagte Chimfwembe der DW. Die Umweltzerstörung, die sich auf die Landwirtschaft auswirkt, beeinträchtigt insbesondere die Lebensgrundlagen von Frauen auf dem Land. Agness Tembo, eine Frauenrechtsaktivistin, erklärt, die Ausbreitung des Bergbaus gehe zulasten der Felder, die für viele Haushalte eine wichtige Quelle für Nahrung und Einkommen darstellt. "Viele Mädchen und Frauen sind für ihren täglichen Lebensunterhalt auf die Landwirtschaft angewiesen", sagt sie gegenüber der DW. "Wenn Land für den Bergbau enteignet wird, schrumpfen ihre Möglichkeiten, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten." Eine Halde der
Luanshya-Mine grenzt an Ackerland; auslaufende Flüssigkeiten stellen eine Gefahr für die umliegenden Gemeinden dar Bild: Kathy Short/DW Für andere hingegen bleibt der Bergbau eine wichtige Quelle für Chancen in einer Region mit begrenzten Beschäftigungsalternativen. "Investitionen in den Bergbau sind wichtig, weil sie Arbeitsplätze und Geschäftsmöglichkeiten schaffen", sagte die Anwohnerin Landa Mulima der DW. "Wenn er gut verwaltet und ordnungsgemäß reguliert wird, können die Gemeinden durch Arbeitsplätze und eine verbesserte Infrastruktur profitieren." Da sich die weltweite Industrie in Richtung sauberer Energie verlagert, ist Sambias traditionsreiche Kupferindustrie zu einer strategischen Ressource in der globalen Energiewende geworden. Das Metall ist unverzichtbar für Batterien, Stromnetze und Systeme für erneuerbare Energien. Das macht das südafrikanische Land angesichts der steigenden Nachfrage zu einem wichtigen Knotenpunkt für natürliche Ressourcen. "Sambia ist Afrikas zweitgrößter Kupferproduzent und wird voraussichtlich im Jahr 2026 eine Million Tonnen Kupfer und bis 2031 drei Millionen Tonnen produzieren", sagte der Minister für Bergbau und Mineralienentwicklung, Paul Kabuswe, kürzlich bei einer Pressekonferenz. Die sambische Regierung erklärt, sie strebe ein Gleichgewicht zwischen Wirtschaftswachstum und Umweltschutz an. Im Januar 2026 betonte Präsident Hakainde Hichilema, dass Investitionen im Bergbau die lokale Entwicklung und einheimische Unternehmen unterstützen müssen. "Wenn wir die Wachstumsagenda vorantreiben, schaffen wir gleichzeitig auch Spielräume für lokale Unternehmen, die im Ökosystem der Bergbauindustrie arbeiten", sagte Hichilema. In dieser sambischen Kohlemine fördert das chinesische Unternehmen Sinasese Kohle, deren Energie zum Einschmelzen des Kupfers und für eine Zementfabrik genutzt wirdBild: Joerg Boethling/imago images Behördenvertreter erklären, es gebe Maßnahmen zum Schutz der Bergbaugemeinden. Dazu zählen strengere Umweltverträglichkeitsprüfungen, eine verstärkte Überwachung durch die sambische Umweltbehörde, Auflagen zur Renaturierung von Flächen sowie Maßnahmen zum Schutz der Wasserressourcen. Die Behörden argumentieren, verantwortungsvoller Bergbau sei unerlässlich, wenn Kupfer eine gerechte Energiewende unterstützen solle. Gewerkschaften warnen jedoch davor, dass die wirtschaftlichen Gewinne nicht gleichmäßig verteilt werden. Bergbauunternehmen greifen zunehmend auf ausgelagerte Arbeitskräfte zurück. Laut Gewerkschaften hat diese Entwicklung die Arbeitsplatzsicherheit und die Löhne geschwächt. "Die Arbeiter werden mit kurzfristigen Verträgen beschäftigt, die manchmal nur sechs Monate umfassen", sagt Joseph Chewe, Vorsitzender der Mine Workers Union mit Sitz in
Kitwe. "Die Bedingungen sind nicht dieselben wie die für festangestellte Mitarbeiter." Abgesehen von Ausnahmefällen erhalten die Bergleute in Sambia keine hohen Löhne, sodass die politischen Entscheidungsträger des Landes zunehmend die relativ kurzfristigen wirtschaftlichen Vorteile gegen die immer bedeutenderen langfristigen Umweltauswirkungen der Kupferindustrie abwägen müssen.Bleiverseuchung in Sambia: Die verlorenen Kinder von KabweTo view this video please enable JavaScript, and consider upgrading to a web browser that supports HTML5 video Dieser Artikel ist ursprünglich auf Englisch erschienen.