PfadnavigationHomePanoramaRettungsaktion in der
Ostsee„Es wird ein entscheidender Tag heute“ – Retter wollen „sehr geschwächten“ Wal animierenStand: 13:33 UhrLesedauer: 4 MinutenDem
Buckelwal in der
Ostsee gehen die Kräfte aus. Auf einer Pressekonferenz des Umweltministeriums in
Wismar wurde deutlich, wie schlecht es dem Meeressäuger geht.Mit Paddelklatschen statt Berührung: Experten hoffen, den geschwächten
Buckelwal vor
Wismar zum Wegschwimmen zu bewegen. Auf einer Pressekonferenz zum Zustand des Tiers wird es emotional.Der
Buckelwal, der sich vor
Wismar im flachen Wasser der
Ostsee befindet, soll heute noch einmal zum Wegschwimmen angeregt werden. Der Wasserstand soll im Laufe des Nachmittags wieder um etwa 30 Zentimeter ansteigen. Dann wolle das Expertenteam vor Ort versuchen, den Wal nochmals zu animieren. „Dies erfolgt durch Klatschen mit dem Paddel auf das Wasser, da der Wal keinesfalls berührt werden sollte“, sagte eine Sprecherin des Deutschen Meeresmuseums. „Der Wal ist sehr geschwächt. Die Atemfrequenz hat sich verlangsamt und die Haut weist Sekundärinfektionen auf.“
Burkard Baschek, Direktor des Deutschen Meeresmuseums, betonte bei einer Pressekonferenz am Mittag: „Es wird ein entscheidender Tag heute.“ Er wollte noch nicht von einem „verzweifelten letzten Versuch“ sprechen, machte aber deutlich, dass der
Buckelwal sehr geschwächt sei. Die Hoffnung sei, dass der Wal ausreichend Kraft habe sammeln können, um am Nachmittag von selbst wegzuschwimmen und ins offene Meer zu kommen. Wal liegt vor
Wismar und bewegt sich nichtDer
Buckelwal war in der vergangenen Woche zunächst auf einer Sandbank vor
Timmendorfer Strand gestrandet. Von dort wurde er befreit. Wenig später setzte er vor
Wismar erneut auf, schwamm sich aber zunächst frei. Kurz danach tauchte er in der Nähe wieder auf und liegt seitdem dort in etwa zwei Meter tiefem Wasser. Kurz nach 7 Uhr waren Beamte der Wasserschutzpolizei gemeinsam mit Meeresbiologen von
Greenpeace am Montagmorgen mit einem Schlauchboot zu dem Wal gefahren.
Franziska Saalmann von
Greenpeace sagte, das Tier wirke schwächer, habe keine Laute mehr von sich gegeben.Landwirtschaftsminister
Till Backhaus sagte, Netzreste hätten sich im Maul des Wals verfangen und seien eingewachsen. Er betonte: „Wir unternehmen alles, um dem Wal zu helfen.“ Es sei ein Säugetier, das einem Achtung einhauche. „Für uns ist das hier kein Gegenstand, es ist ein Lebewesen, vor dem wir alle Hochachtung haben.“Die Reise des WalsDas Tier sei in der Nacht durchgängig beobachtet worden und habe auch geatmet, sagte ein Sprecher des Umweltministeriums von Mecklenburg-Vorpommern. In der Nacht war die Polizei für die Bewachung zuständig. „Es wurde ein Schichtsystem eingerichtet, um zu gewährleisten, dass der Wal nicht unbeobachtet ist.“ Am Sonntag hatte das Deutsche Meeresmuseum davon gesprochen, dass der Wal sehr geschwächt und die Atemfrequenz reduziert sei.Lesen Sie auchSeit Anfang März war der Wal den Angaben zufolge immer wieder an der Ostseeküste aufgetaucht, zunächst im Hafen von
Wismar, später in der Lübecker Bucht und an der Küste bei Steinbeck (Kreis Nordwestmecklenburg). Das Tier hatte sich demnach in einem Netz verfangen. Einsatzkräfte und Meeresschützer der Organisation Sea Shepherd hatten es von einem Teil des Materials befreit.Am vergangenen Montagmorgen war der Meeressäuger dann auf einer Sandbank vor dem
Timmendorfer Strand bei Lübeck entdeckt worden. Eine umfangreiche Rettungsaktion startete, in der Nacht zu Freitag befreite sich der
Buckelwal dann selbst mithilfe einer per Bagger ausgegrabenen Rinne. Am Samstag war der Wal dann allerdings wieder gestrandet – und zwar in der Wismarer Bucht.Seitdem hält das Drama um den
Buckelwal an. In der Nacht zu Sonntag konnte sich der Meeressäuger bei steigendem Wasserstand zunächst selbst von einer Sandbank vor der kleinen Insel Walfisch in der Wismarer Bucht freischwimmen. Doch wenig später lag er erneut fest – ganz in der Nähe, an einer etwa zwei Meter tiefen Stelle. Augenscheinlich regungslos lag er am Sonntag dort, nur ab und zu stieß er eine Wasserfontäne in die Luft.Behörden ziehen Sperrgebiet um WalDie Behörden haben nach eigenen Angaben ein Sperrgebiet im Umkreis von 500 Metern rund um den Wal gezogen, in das kein Schiff oder Boot hineinfahren darf. Zahlreiche Schaulustige standen am Wochenende auf der Seebrücke, um einen Blick auf das Tier erhaschen zu können.Der Direktor des Deutschen Meeresmuseums in Stralsund,
Burkard Baschek, sagte, der Wal liege in einer Wassertiefe, die etwa der in der Nacht zu Sonntag entspreche, als sich das Tier selbst befreit habe. Er beschrieb die jüngste Situation deshalb nicht als Strandung, sondern als „Leibaufsetzen“ des Wals.dpa/lay