Trainer
Albert Riera hat bei
Eintracht Frankfurt viel Arbeit und einen schweren Stand. Obwohl der Spanier oft in Wort und Tat irritiert, stärkt ihm
Markus Krösche den Rücken.Ganze acht Tage wird der Ball bei
Eintracht Frankfurt geruht haben. Den Spielern, die nicht jeweils bei ihren Nationalmannschaften im Einsatz und die keine Rekonvaleszenten nach Verletzungen sind, gewährte
Albert Riera großzügig Sonderurlaub. Im Vergleich zu seinem Vorgänger
Dino Toppmöller und anderen Bundesligaklubs ist das in diesem Ausmaß die große Ausnahme.Erst an diesem Dienstag, sechs Tage vor dem Heimspiel am Ostersonntag (15.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Bundesliga und bei DAZN) gegen
Köln, nehmen Trainer und Mannschaft auf dem Platz wieder die Vereinsarbeit und Spielvorbereitung auf.Untätig blieb Riera in der Nationalmannschaftspause aber nicht, am Samstag war er sogar selbst aktiv am Ball. Der 43 Jahre alte Spanier gehörte in der zweiten Halbzeit zur Legenden-Elf des
FC Liverpool, die sich unter Anleitung von
Jürgen Klopp vor 60.500 Zuschauern an der Anfield Road 2:2 von den Dortmunder Altstars trennte. Der ehemalige Nationalspieler Riera stand zwischen 2008 und 2010 bei den Reds unter Vertrag. Die Rückkehr an seine alte Wirkungsstätte ergriff ihn emotional; das teilte er in den sozialen Medien mit.In Frankfurt hat
Albert Riera momentan viel Arbeit und einen schweren Stand. Die Unruhe ist nach dem 1:2 der Eintracht bei
Mainz 05 gewachsen. Und daran besitzt der mitteilsame Spanier mit dem ausgeprägten Selbstbewusstsein wesentlichen Anteil. Seine teilweise unbedachten Äußerungen vor und nach der Begegnung riefen Kritik und Unverständnis im Umfeld hervor.So erwies es sich im Nachhinein nicht als besonders klug, es als „großen Vorteil“ zu bezeichnen, dass die Mainzer kurz vor dem Rhein-Main-Derby international im Einsatz gewesen seien. An der nötigen Energie mangelte es den hoch motivierten Mainzern dann jedoch nicht; die vermeintlich ausgeruhten, aber unter dem Strich zu schwachen Frankfurter hingegen mussten sich fragen, ob sie wirklich alles für den Erfolg gegeben haben.Hinterher überraschte Riera zudem mit der Aussage, dass es im Hinblick auf die schlechte Eintracht-Bilanz in Mainz einem „Wunder“ gleichgekommen wäre, wenn Frankfurt das Duell für sich entschieden hätte. Die Verwunderung bei seinen Zuhörern war groß, denn das kann nicht der Anspruch der Eintracht sein.Außerdem kam es nicht gut an, dass der Fußballlehrer an diesem Tag teilweise die Qualität seiner Spieler in wichtigen Spielsituationen infrage und Kaderveränderungen im Sommer in Aussicht gestellt hatte. Das hörte sich so an, als würde er sich schon jetzt von Teilen des Aufgebots distanzieren und die Schuld lieber bei anderen suchen.Mit seinem Verhalten, das in dieser Form in Trainerkreisen ungewöhnlich ist, macht sich der angriffslustige und stark polarisierende Riera angreifbar. Im ohnehin mühsamen Kampf um einen internationalen Startplatz bereitet seine Außendarstellung der Eintracht zusätzliche Schwierigkeiten. Auf Nachfrage muss sie dessen Verlautbarungen einordnen und gegebenenfalls entschärfen. Es wäre kein Wunder, wenn die Klubführung deshalb schon das Gespräch mit Riera gesucht hätte.Man darf nun gespannt sein, wie der stolze Spanier, der auch mit mancher Personalentscheidung und Aufstellung irritierte, in der neuen Arbeitswoche mit dem Tadel an seiner Person umgeht. Wer ihn kennt, weiß, dass er sich verbal zu verteidigen weiß. Von sich und seinen Fähigkeiten ist
Albert Riera überzeugt. Vor dem Spiel in Mainz hatte er auf eigenes Zutun zunächst zu einem mehrminütigen Monolog in eigener Sache angesetzt. „Gott hat mir eine große Nase gegeben. Ästhetisch vielleicht nicht die schönste, aber ich kann vieles riechen. Ich möchte eine Reflexion teilen.“In einer Art Zwischenbilanz mahnte er anschließend zu einer realistischen Bewertung seiner bisherigen Arbeit – das war der Tenor seines Vortrags. Seine Ziele seien hoch, die Aufgabe stelle eine Herausforderung dar. „Wir müssen ehrlich und realistisch sein“, hob Riera hervor und forderte: „Wir müssen mit den Füßen auf dem Boden bleiben, wir können nicht fliegen. Die Spieler sind genau die gleichen wie vor sechs Wochen. Wir sind nicht perfekt. Vorher war es kein Desaster. Jetzt sind wir aber auch keine Mannschaft voller Maradonas.“Der Trainer sprach davon, dass die Frankfurter „eine Balance“ bräuchten. Ihre Defensivprobleme bekam die Eintracht mit seinem Zutun in den Griff. Dafür lässt aktuell das Angriffsspiel in Ausführung und Ertrag zu wünschen übrig. „Natürlich arbeiten wir daran, die Offensive zu verbessern“, sagte Riera denn auch. „Aber wir wissen, wer wir sind. Wir haben ein Defizit von sieben Monaten in unserem Rücken. Wenn du unrealistische Erwartungen hast, wirst du unglücklich sein.“Der Trainer wehrte sich wortreich gegen die aufgekommene Kritik. Doch gleichzeitig stellt sich die Frage, ob er mit seinen zahlreichen Ankündigungen nicht ganz unbeteiligt daran war, dass einige damit rechneten, dass sich vieles schnell zum Besseren bei der Eintracht verändern würde.
Markus Krösche stärkt
Albert Riera„Ich bin seit sechs Wochen hier und habe an Tag eins versprochen, dass ich Positivität in diesen Verein bringen möchte. Wir haben keine Probleme, wir haben Dinge, die wir lösen müssen“, betonte Riera. „Bevor man also diese Blase kreiert, dass wir nicht mehr so viele Tore schießen, möchte ich sagen: Man kann nicht alles auf einmal lösen.“ Das hat wohl kaum einer in Frankfurt von ihm verlangt. Gleichwohl muss sich
Albert Riera an dem messen lassen, was er selbst vorgegeben hat.
Markus Krösche stärkte seinem Trainer auf dem F.A.Z.-Kongress den Rücken. Der Sportvorstand muss auf eine lange und erfolgreiche Zusammenarbeit mit
Albert Riera hoffen. Würde sich der Spanier nämlich schon nach kurzer Zeit als Fehlbesetzung herausstellen, würde das die Position von Krösche erheblich schwächen. Er müsste sich eingestehen, auf zentraler Position die falsche Entscheidung getroffen zu haben. Noch aber bleibt
Albert Riera Zeit, mit seinem Können zu überzeugen. Erste Zweifel durch sein Auftreten sind jedoch da.