Maximilian Bieri hat das Ergebnis der ersten Runde bestätigt: Mit deutlichem Vorsprung setzt sich der Sozialdemokrat in der Stichwahl als künftiger Oberbürgermeister in
Hanau durch.Spannung geht anders: Schon nach den ersten Ergebnissen, die am Sonntagabend einige Minuten nach Schließung der Wahllokale einlaufen, liegt
Maximilian Bieri deutlich vorn. Daran wird sich auch bis zum Ende der Auszählung nichts mehr ändern: Mit 59,4 Prozent der Stimmen wird der 35 Jahre alte Sozialdemokrat zum künftigen Hanauer Oberbürgermeister gewählt. Im Herbst wird er die Amtsgeschäfte übernehmen. Schon in der Abstimmung zwei Wochen zuvor hatte er einen deutlichen Vorsprung vor seiner
CDU-Konkurrentin
Isabelle Hemsley erzielt, den die hauptamtliche Stadträtin in der Stichwahl nicht ausgleichen konnte.Am Engagement Hemsleys und ihrer Partei hat es nicht gelegen: In den vergangenen zwei Wochen hatten sie und die Union mit großem Einsatz von Personal und Material noch versucht, den Trend umzukehren. Aber die Distanz zu Bürgermeister Bieri blieb. Welchen Anteil am Ergebnis die Unterstützung des am Wahlabend sichtlich zufriedenen Amtsinhabers
Claus Kaminsky hatte, wie sich die Wähler der vier Bewerber entschieden, die vor zwei Wochen vergeblich angetreten waren – das alles wird sich schwer bestimmen lassen, aber das Resultat ist eindeutig. Nur im ländlichen
Mittelbuchen überflügelte Hemsley ihren Konkurrenten, in allen anderen Teilen der Stadt ging Bieri als klarer Sieger aus der Abstimmung hervor.Tempoverschärfung ohne WirkungTrotz der Tempoverschärfung in den letzten Tagen des Wahlkampfs liegt hinter der Stadt ein Wettbewerb der Kandidaten, in dem nicht auf „Spaltung und Polarisierung“, so hat es Bieri unmittelbar nach der Auszählung zu Protokoll gegeben, gesetzt wurde. Ein Spiegelbild der politischen Gegebenheiten in
Hanau: In der vergangenen Wahlzeit standen
SPD und
CDU in einer Koalition, Bieri und Hemsley arbeiten seit 2023 gut und eng im hauptamtlichen Magistrat zusammen, beide haben in ihren jeweiligen Dezernaten in den vergangenen Jahren schon Akzente gesetzt.Vor diesem Hintergrund fällt es schwer, große inhaltliche Differenzen bei den von Anfang an favorisierten Kandidaten auszumachen. Im Kern stehen beide für die Schwerpunkte, die sie und ihre Fraktionen in der Stadtverordnetenversammlung in den vergangenen Jahren gesetzt und verfolgt haben. Zusammen mit der Einschätzung in der Stadt, dass zwei gute und qualifizierte Kandidaten für das Amt an der Spitze der Stadtverwaltung ins Rennen gegangen waren, blieb wenig Raum für Zuspitzungen. Bieri hat nach Studium und Promotion als Softwareentwickler gearbeitet, Hemsley beim Automobilzulieferer Continental; beide sammelten vor ihrer Wahl in den hauptamtlichen Magistrat kommunalpolitische Erfahrung als Vorsitzende oder Vorsitzender ihrer Fraktionen.Den weiteren Zeitplan hat der 1959 geborene
Claus Kaminsky vorgegeben: Er tritt zum Oktober in den Ruhestand, etwas mehr als ein Jahr vor dem eigentlichen Ende seiner Wahlzeit. Die Zeit vom Wahltag bis zur Amtsübergabe an Bieri kann genutzt werden, um die Weichen in der Stadtverordnetenversammlung für die nächsten Jahre zu stellen. Rechnerisch können
SPD und
CDU ihre Zusammenarbeit fortsetzen – und nimmt man das gute Abschneiden der beiden Parteien bei der Kommunalwahl als Maßstab, entspräche das auch dem Willen der Bürger.Die ersten Reaktionen nach der Entscheidung waren so wenig überraschend wie das Ergebnis: Freude und Erleichterung im Lager Bieris und der
SPD, Fassung bei Hemsley und der
CDU. Der deutliche Vorsprung des Mathematikers Bieri hatte der Wirtschaftsjuristin Hemsley spürbar mehr zugesetzt als das endgültige Resultat: Das müsse sie nun so hinnehmen, sagte sie. Aber sie gönne es ihrem Kollegen. Bieri, selbst überrascht vom klaren Ausgang der beiden Wahlgänge, machte deutlich, dass er auf eine Fortsetzung des kooperativen Stils in den politischen Gremien der Stadt hofft, auch und gerade mit seiner Mitbewerberin Hemsley.Doch bevor sich die Parteien zu Sondierungen zusammensetzen, werden ihre beiden Spitzenvertreter erst einmal die Stand-by-Taste drücken: Bieri wie Hemsley werden sich während der Osterferien einige Tage frei nehmen und in den Urlaub fahren. Und da Sondierungsgespräche nicht ohne die beiden stattfinden werden, können auch ihre Parteien Pause machen.