Das ist doch mal eine gute Nachricht: Auch wenn es einem dieser Tage schon mal passieren kann, dass das Eier-Regal im Supermarkt leer ist, kann keine Rede von einer Eier-Krise sein. Und zwar obwohl in diesem Winter die
Geflügelpest und nach langen Jahren auf einmal wieder die Newcastle-Disease (ND) die Hennenhalter in
Deutschland und in
Bayern auf Trab halten und wegen der beiden Viruserkrankungen deutschlandweit, Mastgeflügel eingerechnet, schon mehr als zwei Millionen Tiere getötet wurden. „Aber so ein leeres Eier-Regal ist allenfalls ein kurzfristiger Engpass“, sagt
Bernd Ohlmann. „In aller Regel haben es die Mitarbeiter schnell wieder aufgefüllt.“
Bernd Ohlmann muss es wissen. Der Sprecher des Handelsverbands
Bayern hat es seit 25 Jahren immer wieder mit Krisen im Einzelhandel und den entsprechenden Nachfragen zu tun. Der Klopapier-Engpass in den Anfängen der Corona-Zeit etwa, als alle Welt WC-Papier gehamstert hat, ist ihm sehr lebhaft in Erinnerung. „Damit ist das eine oder andere leere Eier-Regal dieser Tage überhaupt nicht vergleichbar“, sagt Ohlmann. „Für Hamsterkäufe gibt es gar keinen Anlass.“ Unmittelbar vor den Ostertagen sind Eier traditionell besonders begehrt. Nach den Feiertagen flacht die Nachfrage sofort ab, die Regale sind wieder gewohnt voll.SZ
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Aschaffenburg bis
Berchtesgaden: Das
Bayern-Team der SZ ist im gesamten Freistaat für Sie unterwegs. Hier entlang, wenn Sie Geschichten, News und Hintergründe direkt aufs Handy bekommen möchten.Gleichwohl bringen die
Geflügelpest und ND Unruhe in den Eier-Markt. Auch wenn
Bayern bisher davon relativ verschont geblieben ist. Die
Geflügelpest ist in diesem Winter bayernweit achtmal nachgewiesen worden. Siebenmal waren kleinere Haltungen mit weniger als hundert Tieren betroffen. Der achte Fall betraf den
Augsburger Zoo. Und die ND ist – was Legehennen anbelangt – bisher einzig im
Landkreis Erding dokumentiert worden. Nach Angaben des dortigen Landratsamts mussten in der Region einige größere Bestände mit zusammen etwa 130 000 Hennen gekeult werden. So schlimm das für jeden betroffenen Betrieb ist, gemessen an den insgesamt 4,7 Millionen Legehennen in
Bayern hält sich der Schaden in Grenzen.Anderes in Nord- und in Ostdeutschland. „Da waren eine ganze Reihe Betriebe betroffen, die zum Teil deutlich mehr als hunderttausend Hennen halten“, sagt
Michael Häsch, Legehennen-Halter im oberbayerischen Dietramszell und stellvertretender Vorsitzender des Landesverbands der bayerischen Geflügelwirtschaft. Unter den betroffenen Betrieben ist auch Deutschlands größter Legehennenbetrieb mit mindestens 375 000 Tieren. „Das merkt man dann schon auf dem Eier-Markt“, sagt Häsch. Zumal die neuen Junghennen in den Ställen nicht sofort an die Legeleistung ihrer Vorgänger herankämen.Älteste Eierfärberei Deutschlands:Hier gibt es auch an Weihnachten OstereierBei der Familie Rothermel im schwäbischen Ursberg ist das ganze Jahr über Ostern. Auch kurz vor Heiligabend laufen hier bunte Eier vom Band. Zu Besuch in der ältesten Eierfärberei Deutschlands.Hinzu kommt, dass gut ein Viertel der Eier, die in
Deutschland konsumiert werden, aus Nachbarländern importiert werden, allen voran aus den Niederlanden und aus Polen. „Wir hier in
Deutschland haben traditionell einen Selbstversorgungsgrad von nur 72 oder 73 Prozent“, sagt Häsch. In den Niederlanden ist die Legehennen-Branche aber seit einiger Zeit im Umbruch. „Die Halter dort bauen Bestände ab“, sagt Häsch. „Hintergrund sind die immer strengeren Umwelt- und Tierschutzauflagen dort.“ Die Folge: Die Exporte nach
Deutschland sinken. Und die polnischen Halter kämpfen nach Häschs Worten ebenfalls mit der ND.Wohl auch deshalb rät Agrarministerin Michaela Kaniber (CSU) den Verbrauchern zu Eiern aus
Bayern. Wer zu ihnen greife, „entscheidet sich für Frische, Transparenz und klare Herkunft“, lauten ihre Worte. „Unsere Siegel ‚Geprüfte Qualität
Bayern‘ und das ‚Bayerische Biosiegel‘ stehen für kontrollierte Standards, nachvollziehbare Produktion und echtes Vertrauen.“ Gerade zu Ostern lohne sich „ein bewusster Blick“. Denn: „Unsere Landwirte sichern unsere Ernährung und pflegen unsere Kulturlandschaft“, sagt Kaniber. Die beste Unterstützung für sie sei „der Griff zu regionalen Produkten“.