Aufregung gab’s vor der Kommunalwahl im Kreis
Rhön-Grabfeld, Anlass war ein provokantes Plakat der Jungen Union. Zu sehen waren darauf fünf Menschen an einem Rollator, zu lesen war der Spruch „Greisräte in Aktion“ und darunter: „Der Kreistag muss jünger werden.“ Mit Widerspruch hatte die JU gerechnet, gleichwohl wollte man eine Debatte anregen. Und – es standen ja Wahlen bevor – auch ein wenig Aufmerksamkeit generieren.Womit die JU nicht gerechnet hatte, war der Furor des Bürgermeisters von
Wülfershausen. Auf Social Media holte der
CSU-Mann keine ganz kleine Keule hervor. Besagte Plakate, postete der Rathauschef, stammten von „einer Generation, die allzu oft Leistung, Verantwortung und Arbeit“ geringschätze. „Schämen“ sollten sich die Verantwortlichen.Und wo der Bürgermeister gerade in Fahrt war, schrieb er den jungen Kollegen noch ganz anderes hin. Politische Verantwortung? Das bedeute, dass „Respekt nicht nur gefordert, sondern auch gelebt“ werde. Über „Anstand und Würde“ räsonierte er und darüber, wie man es schaffe, „das Vertrauen“ in „die Politik insgesamt“ nicht zu beschädigen.SZ
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Kevin Schleicher ein, sei sein Leben „keine Spaßveranstaltung“ mehr gewesen. Klar habe man sich auf Kritik eingestellt. Aber maximal dimensioniertes friendly fire eines etablierten
CSU-Mannes, gespeist aus den Großvokabeln Leistung, Verantwortung, Vertrauen – sowie Anstand und Würde?Im Nachhinein lasse sich natürlich schmunzeln über seine damalige Gemütslage, sagt der JUler. Immerhin habe die
Junge Union in
Rhön-Grabfeld mehr als sieben Prozent abgeräumt, ist mit vier Vertretern in den Kreistag eingezogen, das beste Ergebnis einer neu angetretenen JU bayernweit. Offenbar habe man also einen Punkt getroffen. Aber die Wochen nach der Philippika des Bürgermeisters – die seien schon happig gewesen.Aufgesetzt hatte der
CSU-Rathauschef seinen „Anstand und Würde“-Text im Januar 2026. Die moralische Messlatte lag seither hoch. Keine zwei Monate später hat die Staatsanwaltschaft Schweinfurt ein Schreiben verschickt. Demzufolge habe jener Bürgermeister von
Wülfershausen während einer ausführlichen Vernehmung eingeräumt, „Briefwahlunterlagen geöffnet und jeweils mehrere Stimmzettel zu der Gemeinderatswahl, der Wahl zum Ersten Bürgermeister und der Kreistagswahl verfälscht zu haben“. Verdacht der Wahlfälschung also. Bis zum rechtskräftigen Abschluss des Verfahrens gelte die Unschuldsvermutung. Inzwischen ist der Bürgermeister von seinem Amt zurückgetreten.Josef Demar,
CSU-Bürgermeister aus dem nahen Großbardorf, reagiert auf all das so: Wie es aussehe, habe der Kollege „uns ein Ei ins Nest gelegt – ich könnte explodieren“. Möglicher Wahlbetrug? Das wäre, ergänzt seine Tochter Juliane Demar, der „schärfste denkbare Schlag gegen die Demokratie“. Juliane Demar ist künftige Kreisrätin. Eingezogen über die JU-Liste.