Für den Einstieg in die
NBA Europe will Basketballklub
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Berlin eine Mega-Arena samt Campus bauen lassen. Für die Pläne gibt es politischen Zuspruch, die Kosten könnten im Milliardenbereich liegen.Vor sieben Jahren schaffte der Basketballklub
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Berlin die Cheerleaders ab. Mädchen sollten nicht als Pausenunterhaltung betrachtet werden, hieß es, sondern Basketball spielen. Drei Jahre später stiegen die Alba-Frauen in die erste Liga auf und gewannen die Meisterschaft. Die neueste Entwicklung: Jubel und Anfeuerung für Alba kommt statt von leicht bekleideten Tänzerinnen von der Berliner Landespolitik.Als Geschäftsführer
Marco Baldi und sein Finanzdirektor
Daniel Endres am Freitag dem Sportausschuss des Abgeordnetenhauses Pläne vorstellten, wie ihr Profi-Team der Männer von Oktober 2027 an in der neu zu gründenden
NBA Europe mitspielen soll und wie sie dafür bis 2030 eine riesige Alba-Halle auf einem ebenfalls noch zu planenden 60.000 Quadratmeter großen Alba-Campus in
Adlershof bauen wollen, trauten sie und die Besucher der Sitzung kaum ihren Ohren, welcher Zuspruch ihnen zuteil wurde.„Aushängeschild der Stadt“ und „absolut Gold wert“ nannten Abgeordnete den Klub, „längst überfällig“ und „absolut unterstützenswert“ dessen Pläne – und niemand widersprach.Kosten von bis zu 700 Millionen Euro für Halle und Campus„Diese Dynamik ist irre“, sagte Baldi nach der Sitzung über die Entwicklung der vergangenen Monate und Wochen: „Ich lerne gerade fast jeden Tag so viel wie in den letzten dreißig Jahren nicht.“ Dazu gehört das Rechnen im Zahlenraum von Hunderten Millionen. Ihre Veranstaltungshalle, ausgelegt auf 16.000 Besucher bei Basketballspielen und bis zu 20.000 bei Konzerten, dürften die Berliner kaum preiswerter bauen können, als es
Red Bull in
München mit dem SAP-Garden für seine Eishockeyspieler und die Basketballspieler von
Bayern München tat. Da waren 320 Millionen Euro fällig.Zudem soll ein Campus entstehen mit einem auf zwei Hallen verteilten Leistungszentrum für die männlichen und weiblichen Profis des Klubs sowie die besten Nachwuchsmannschaften; eine zweizügige Oberschule mit Sportschwerpunkt und Internat sowie, selbstverständlich, einer Schulsporthalle; eine bewegungsbetonte Kita; Verwaltungsgebäude der Profisport-Gesellschaft, des Vereins und der gGmbH Albatros, die Träger mehrerer Kitas und einer Ganztagsschule ist sowie das deutschlandweite Schulsport-Engagement „Sport vernetzt“ organisiert.Der Campus soll eine Heimstatt für den Verein werden, dessen 120 Trainerinnen und Trainer mehr als 15.000 Jungen und Mädchen an Schulen betreuen und der seiner Nachbarschaft am neuen Standort Sportangebote machen will. Die Anlage dürfte mindestens so teuer werden wie die Veranstaltungshalle.Alba vermeidet es, Zahlen zu nennen. Doch mit diesen hochfliegenden Plänen dürfte die Kalkulation gegen 650 bis 700 Millionen Euro gehen. Damit nicht genug. NBA und FIBA, die expansionsfreudige Basketball-Liga Nordamerikas und der Basketball-Weltverband, verlangen einen Eintrittspreis für ihre Europa-Liga, die vom Start weg die derzeitige Nummer eins, die Euroleague, überflügeln und ersetzen soll. Zwölf Klubs sollen gesetzt sein, vier weitere sich über die Champions League oder nationale Meisterschaften qualifizieren.„Dann wird das nicht stattfinden, nicht mit uns“In den Vereinigten Staaten wird die Erweiterung der NBA von derzeit dreißig Klubs um Las Vegas und Seattle erwartet. Das Recht, eine dieser beiden Franchises zu gründen, soll, so wird spekuliert, für um sieben Milliarden Dollar (6,08 Milliarden Euro) zugeschlagen werden. Für die
NBA Europe wird in Fachportalen über vergleichsweise Peanuts als Lizenzgebühr spekuliert, 500 Millionen Dollar (434,3 Millionen Euro). Unterm Strich dürfte im Businessplan, den NBA und FIBA Ende des Monats von Baldi erwarten, also eine Milliardensumme stehen. Nichts, was den einstigen Aufbauspieler und in Jahrzehnten des Basketballgeschäfts gestählten Manager erschrecken würde. Im Gegenteil. Seine Verhandlungen mit potenziellen Investoren geht der Berliner selbstbewusst an.Er und der Klub-Eigentümer Alba-Group, vertreten durch deren Verwaltungsratsvorsitzenden Axel Schweitzer, wollen Herr auch im neuen Haus bleiben. „Wenn wir unseren Führungsanspruch nicht durchsetzen können, weil jemand zahlt und bestimmen will und sagt, das mit den Kindergärten und eurem ganzen gesellschaftlichen Engagement machen wir nicht weiter“, sagt Baldi, „dann wird das nicht stattfinden, nicht mit uns.“Mit dem Aufstieg in die
NBA Europe und dem Bau von Halle und Campus löst Alba zwei Probleme. Das eine ist der Zwist mit der Anschutz Group, Eigentümer der Arena am Ostbahnhof mit gut 14.000 Plätzen, in die Alba 2008 mit einem 25-Jahres-Vertrag zog. Diesen Vertrag hat Anschutz vor sechs Jahren aufgekündigt. Schweitzer sagt, dass es seitdem eine Kostenexplosion gegeben habe. Baldi spricht von existenziellen Problemen für den Klub. Vor zwei Jahren hätte Alba für weitere Play-off-Spiele um die Meisterschaft nach Weißenfels oder Rostock ausweichen müssen, da in der Halle entweder Spiele der Eisbären oder Konzerte stattfanden. Auch den Umbruch der europäischen Basketball-Landschaft hat Baldi schon oft beschworen. Die Euroleague gehört zwei Handvoll großer Klubs. Nicht nur, dass sie sich mit der FIBA überworfen haben, sie haben sich auch weitgehend von Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit verabschiedet.Als Beispiel für das von Mäzenen und Glücksrittern geprägte Geschäftsgebaren der Liga beschrieb Baldi im Ausschuss, dass Real Madrid allein in der ersten Hälfte dieser Saison 17,5 Millionen Euro Schulden gemacht habe; am Ende der Spielzeit stünden 35 zu erwarten. Als diese Liga von Alba fünf Millionen Euro dafür verlangte, sie weitere drei Jahre lang mitspielen zu lassen, stieg Baldi aus. „Wir haben gelernt, mit unseren Mitteln zu wirtschaften“, versprach Baldi: „Genau so werden wir weitermachen.“