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TUE · 2026-03-31 · 10:51 GMTBRIEF NSR-2026-0331-45135
News/Bozen in Südtirol: Eine Friedenspizza, bitte!
NSR-2026-0331-45135News Report·DE·Human Interest

Bozen in Südtirol: Eine Friedenspizza, bitte!

Der Artikel beleuchtet die komplexe Geschichte von Bozen in Südtirol, insbesondere das Zusammenleben verschiedener Sprachgruppen. Er beschreibt, wie der Faschismus unter Mussolini versuchte, Bozen durch Zuwanderung italienischer zu machen, was zur Errichtung des "Dux"-Viertels ("Semirurali") führte.

FAZFiled 2026-03-31 · 10:51 GMTLean · Center-RightRead · 6 min
Bozen in Südtirol: Eine Friedenspizza, bitte!
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Der Artikel beleuchtet die komplexe Geschichte von Bozen in Südtirol, insbesondere das Zusammenleben verschiedener Sprachgruppen. Er beschreibt, wie der Faschismus unter Mussolini versuchte, Bozen durch Zuwanderung italienischer zu machen, was zur Errichtung des "Dux"-Viertels ("Semirurali") führte. Diese Häuser für Zuwanderer sind heute fast verschwunden, eines dient als Museum. Der Artikel zeigt aber auch positive Beispiele des Zusammenlebens, wie die Pizzeria "Il Corso", die von Menschen aller Sprachgruppen besucht wird und kürzlich vom "Gambero Rosso" ausgezeichnet wurde. Abschließend gibt der Artikel Empfehlungen für den Frühling in Bozen, darunter die Gärtnerei Schullian.

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The Siegesdenkmal (Victory Monument) was erected by the Fascists between the World Wars.

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Franz Schullian founded a garden center in 1956.

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327 houses were built in the "Semirurali" district for around 5500 people.

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The pizzeria "Il Corso" was awarded by the gourmet guide "Gambero Rosso" in Naples.

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The pizzeria "Il Corso" is popular with Italians, Germans, locals, and tourists.

quoteGabriele Santo, Inhaber und Pizzaiolo
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In Bozen treten sich zwischen Waltherplatz und Ötzi-Museum die Besucher auf die Füße. Dabei hat Südtirols Landeshauptstadt mehr zu bieten. Acht Anregungen.Die Kraft der MargheritaIn Sichtweite steht das monumentale Siegesdenkmal. Aufgestellt von den Faschisten, zwischen den Weltkriegen. Auf Marmorplaketten steht „Siegesplatz (ehem. Friedensplatz)“, weil der Ort schon einmal umbenannt worden war, dann wieder zurückbenannt, weil nichts mehr als dieser Platz zeigt, wie kompliziert das Zusammenleben der Sprachgruppen in Südtirol, in Bozen, immer noch sein kann. Die Pizzeria „Il Corso“ zeigt, wie einfach es sein kann. Welche himmlische Kraft in einer guten Margherita mit Fior di latte, San-Marzano-Tomaten, Grana Padano und kalt gepresstem Olivenöl steckt. „Zu uns kommen sie alle“, sagt Inhaber und Pizzaiolo Gabriele Santo, „Italiener, Deutsche, Bozner, Bewohner der umliegenden Täler, Touristen.“ Es ist, als hätten sie nur auf so ein Lokal gewartet. Zuletzt wurde es vom renommierten Gourmetführer „Gambero Rosso“ ausgezeichnet. Bei einer Zeremonie in Neapel! Mehr Ritterschlag geht nicht. Menschen, die kamenZwei bis vier Wohnungen auf zwei Etagen. Eine Außentreppe. Ein eigener Garten. Ein kleines Stück Glück. So sollten die Häuser der Zugewanderten aussehen, die hauptsächlich aus den bäuerlichen Gegenden des Veneto angesiedelt wurden. Weil das Haus, in dem Diktator Benito Mussolini aufgewachsen war, genauso ausgesehen hatte. Die Neubozner sollten im eigens für sie errichteten „Dux“-Viertel angesiedelt werden, in den „Semirurali“, den Halbdörfern südwestlich der Stadt. Das Ziel des Duce: Bozen sollte italienischer werden. 327 Häuser, in denen rund 5500 Menschen lebten, wurden gebaut.Als der Spuk des Faschismus vorbei war, blieben die Familien, die Wurzeln geschlagen hatten. In den 1980er-Jahren brauchte Bozen Platz und versuchte sie in Wohntürme umzusiedeln. Erst vergeblich, dann irgendwie doch. Heute sind fast alle Häuser der „Semirurali“ verschwunden. Eines der wenigen noch stehenden wurde in ein kleines Museum umgewandelt. Spartanisches Bad, nicht isolierte Fenster, alte Fotos und Filmaufnahmen. Erinnerungen und Geschichten von einem beinahe vergessenen Stück Bozen. Mit den besten Frühlingsempfehlungen: Gärtnerei SchullianPeter UnterthurnerGeerdeter KriechwacholderEs war 1956, da gründete Franz Schullian eine Gärtnerei am Westende der Stadt. Dort, wo die letzten Häuser an die ersten Apfelwiesen grenzten, wo damals noch keine Wohnblocks standen, kein Einkaufszentrum. Die Bozner schüttelten den Kopf. Die Grundstückpreise mochten da draußen erschwinglich sein. Aber es gab unter den Lauben, am Obstplatz, genug Blumen und Pflanzen zu kaufen. Doch Schullian machte sich schnell einen Namen, durfte alsbald auf den neuen Talferwiesen eine Blumenpromenade anlegen. Selbst aus Ischia und Capri ereilten ihn florale Anfragen. Als Tochter Martina Schullian 1994 die Gärtnerei übernahm, machte sie daraus einen Ort der Gartenkultur. Bonsais, alte Geraniensorten, Schlangenhauskiefern, Kriechwacholder. Dazu Vintage-Art-déco-Lampen, orientalische Wandteppiche mit Rosen und Papageien darauf. Ein graufarbiger Oldtimer von Fiat, Gartenzwerge. Lesungen mit Wolf Haas oder Erika Pluhar. Immer wieder für den guten Zweck. Auch für die Wiedereingliederung von jungen Patienten der Psychiatrie setzt Schullian sich ein und gibt ihnen Arbeit. „Weil Pflanzen Menschen guttun“, ist sie überzeugt, „weil Erde erdet.“ Über den DächernWie schnell das geht. Halb flanierend noch, halb wandernd schon. Ein paar Zickzackkehren noch, Richtung Jenesien hoch, schon reicht der Blick über die Dächer und Häuser. Bozen ist eine Promenadenstadt. Die Talferpromenade, die Oswaldpromenade. Und eben jene Guntschnapromenade, die unbekannteste, hier im Westen, in Gries, das erst 1925 von Bozen eingemeindet war. Früher Kurort mit eigenem Kurhaus, eigenem Kurorchester. Bozen? Die Lauben? Der Bahnhof? Mit einer eigenen Trambahn erreichbar.Noch heute behaupten die Grieser, sie seien keine Bozner. Ihre Sonnenpromenade wurde 1892 als botanischer Garten eröffnet, nach dem in Bozen sesshaften Erzherzog Heinrich von Österreich benannt, Sohn des Vizekönigs von Lombardo-Venetien. Wandeln unter Zypressen, vorbei an Bambusgewirr, an Hanfpalmen, Palmlilien, Magnolien, Korkeichen, Agaven. Kakteen ranken zwischen Felsbrocken, da, eine Chinesische Jujube. Kurze Rast an einem Ölbaum aus Jerusalem. Mediterranes Feeling. Bozen, so fern und so nah.Start an der Wandelhalle und der Tropfsteinhalle, Michael-Pacher-Straße Strand Nummer 9Wirklich hier? Doch, die Adresse stimmt: Hausnummer 9. Ein Lkw braust vorbei. Noch einer. Hinein in diesen Hinterhof hinter dem Bahnhof, hinter den Gleisen, wo sich die Stadt von ihrer so gar nicht touristischen Seite zeigt – und unerwartet tut sich ein kleines Paradies auf. Bunte Lichterketten über Olivenbäumen, Feigenbäumen, Oleander. Ein Gewürzgarten. Melisse, Erdbeerkraut, Salbei, Orangenminze. Offene Küche. Strohblumen vom Rittner Hochplateau an den Wänden.Alma9Vor dreizehn Jahren kam Elad Ovadia aus Tel Aviv nach Bozen, lernte schnell die beiden notwendigen Sprachen: Italienisch und den deutschen Südtiroler Dialekt. Verliebte sich in die Südtiroler Küche – ohne die Gerichte und Geschmäcker Israels zu vergessen. „Alma 9“, so heißt sein Lokal. Alma, wie der Strand in Tel Aviv. Die Neun wie die Hausnummer in Bozens spannender Schmuddelecke. Wo früher ein Fliesenfachgeschäft war, wird nun levantinisch-südtirolerische Fusionsküche geboten. Die Zutaten: aus den umliegenden Bauernhöfen und dem Nahen Osten. An den Tischen: typisch hier heimisches Sprachengewirr. Am Herd: Küchenkräfte aller Religionen.Grazile WuchtLange stand es als Ruine da, hinter hohen Zedern versteckt. Nun ist es aus dem Schlaf erwacht. Die Geschichte des Castel Hörtenberg, nahe den Felsen der Oswaldpromenade, wo das „bolzano bene“, das bessere Bozen wohnt, hat ihren Ursprung im 15. Jahrhundert – als Gutshof. Besitzer Leonhard Hiertmair wurde viermal zum Bürgermeister gewählt und vom Kaiser geadelt. Rund ein Jahrhundert später ließen seine Nachfahren den Ansitz zur Burg umbauen. Wuchtige, mächtige Mauern. Vier Erker. In den Jahren 1808 und 1809 vom Tiroler Freiheitskämpfer Andreas Hofer zum Quartier erkoren. Irgendwann von Wohnhäusern umzingelt.Nun, mit feiner Hand restauriert und modernisiert, wurde die Burg in die feinste Unterkunft der Stadt verwandelt: 24 Zimmer, alte Hölzer, freigelegte Fresken, bunt bemalte Kachelöfen, edle Eisenelemente, grazile Harzböden. Der Pool eingebettet in einen Olivengarten. Der Speisesaal ein tiefer Steinkeller, ehemals der Kerker. Im hoteleigenen Restaurant „Le Segrete“ wird gebratenes Eigelb von Pustertaler Hühnern mit Schnalstaler Pecorino-Creme gereicht. Kalbs-Agnolotti, Ziegenkäse-Mousse und ein Crumble aus violetten Kartoffeln. Sowie Holunderblüten-Eis mit fermentiertem Yuzu-Gel und Honigwaffel. Bolzano molto bene! Winzerfamilie Mayr hat sich den autochthonen Sorten verschrieben.In elfter GenerationGleich nach dem Tunnel geht’s steil hinab. Da steht das mächtige Gemäuer, von Efeu umrankt. Eingebettet in die Rebenlandschaft, vor den östlichen Toren der Stadt, die immer näher heranwächst. „Es war Mitte der Siebziger, da haben sie die Straßen beinahe über uns drübergebaut“, sagt Josephus Mayr, Besitzer des Erbhofs Unterganzner. 1629 erworben, seit elf Generationen in Familienbesitz. Um halb sechs Uhr morgens war der Obstbauer und Winzer zur Apfelernte aufgebrochen, jetzt geht es in den Keller. Er rückt den blauen Schurz zurecht, steigt die steilen, nassen Steinstufen hinab. Große Holzfässer, verwinkelte Wege.Die Mayrs haben sich den autochthonen Sorten verschrieben, jenen, die nur in Südtirol gedeihen: dem süffigen St. Magdalener, dem eleganten Lagrein. In den letzten Kriegstagen zerstörten drei Fliegerbomben das Anwesen. Acht Jahre lang dauerte der Wiederaufbau, so lange wohnte Josephus’ Vater im Stadel. Fand keine Frau. Weil: Welche nimmt schon einen nur mit Stadel – ohne Hof? Heute lässt die Familie die Lagrein-Trauben nach der Weinlese unterm Stadeldach trocknen. Für zwei Monate. Um das Aroma, dunkle Beeren, Kakao, Gewürze, zu intensivieren. Versteckter geht’s nichtAm nördlichen Stadtrand, wo die Seilbahnen nach Jenesien hochziehen, wo sich die Straße durch eine Schlucht ins Sarntal hineinschlängelt, lauert am Ende eines schmalen, steil bergan führenden Weges ein Haus in einer Felsspalte, das auch als Headquarter eines James-Bond-Bösewichts durchgehen würde. Die dunklen, brutalistischen Porphyr-Fassaden scheinen aus dem Gestein geschlagen und sind von steilen Wiesen überwuchert. Das Gebäude der Antonio-Dalle-Nogare-Stiftung wäre an sich schon sehenswert, doch da gibt es noch die Sammlung von Konzeptkunst und Minimal Art in seinem Inneren. „Schon in jungen Jahren habe ich mit dem Sammeln begonnen“, sagt Mäzen und Bauunternehmer Antonio Dalle Nogare. Aber weil es in Bozen das Museum nicht gab, das er sich wünschte, baute er sich sein eigenes. Zu sehen, unter anderem: 68 Miniaturen von Marcel Duchamp in Schachteln, Papier, Holz – ein vom Künstler erdachtes tragbares Minimuseum. Oder: ein Video der Italienerin Marzia Migliora, in dem sie über Glasmurmeln wandelt. Sowie: ein bunter Holzstab von André Cadere. Zu Lebzeiten stellte der Rumäne solche Stäbe in U-Bahnhöfen oder Restaurants aus. Um zu zeigen: Die Kunst und das Leben gehören zusammen. Das glaubt man ihm hier in der Fondazione Antonio Dalle Nogare aufs Wort.
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