Die
Frankfurter Sparkasse setzt auf die Jugend und soziale Medien. Nicht nur damit ist sie erfolgreich. Es gibt gleich mehrere Rekorde bei der Bilanzvorstellung.Für
Ingo Wiedemeier war es die Abschiedsvorstellung. Der Vorstandsvorsitzende der
Frankfurter Sparkasse 1822, der zum 1. April als neuer Finanzvorstand zur Konzernmutter
Helaba wechselt, hinterlässt seinem Nachfolger
Arne Weick ein gut aufgestelltes und verjüngtes Haus. Denn, so Wiedemeier: „2025 war das wirtschaftlich erfolgreichste in der Geschichte der
Frankfurter Sparkasse.“ So stieg die Bilanzsumme nach seinem Bericht um knapp 711 Millionen Euro oder 3,1 Prozent auf 23,4 Milliarden Euro. Auch das Betriebsergebnis konnte Hessens größte Sparkasse noch einmal verbessern: nach 179 Millionen 2024 auf nun 223 Millionen Euro, eine Steigerung von 24,6 Prozent.Als entscheidende Wachstumstreiber nannte Wiedemeier die Belebung des Kreditgeschäfts und die Gewinnung neuer Kundeneinlagen. „Mit den Ergebnissen sind wir sehr zufrieden“, sagte er bei seinem letzten Auftritt in der Sparkassenzentrale an der Neuen Mainzer Straße. Künftig wird er vom wenige Schritte entfernten
Helaba-Turm auf der anderen Straßenseite auf die Sparkasse blicken – und in etwa zwei Jahren dann auf die Baustelle für den Neubau der Städtischen Bühnen. Denn die Sparkasse zieht, wie es jetzt hieß, Anfang 2028 in den ehemaligen Galeria-Kaufhof-Sport-Standort an der Hauptwache. Der derzeit noch umgebaut wird.„Wir gehen von steigenden Zinsen aus“Jannis SchubertDie Bühne seiner letzten Sparkassen-Bilanzpressekonferenz nutzte Wiedemeier auch, um der Politik ins Gewissen zu reden. Denn das wirtschaftliche Umfeld, das auch die Kreditinstitute treffe, sei nicht so gut wie erwartet. „Wir sehen nicht die Ergebnisse, die wir uns von den Initiativen und Bemühungen der neuen Bundesregierung erhofft hatten“, sagte er. Daran sei allerdings auch die weltweite Krisenlage schuld. Vor allem der für das Kreditgeschäft der Sparkasse so wichtige Bausektor leide unter der Flaute. Im Immobiliengeschäft der Sparkasse gab es aber angesichts „einer leichten, aber spürbaren Belebung des Neugeschäfts“ einen Anstieg bei den Krediten um 5,4 Prozent oder knapp 440 Millionen Euro auf 8,5 Milliarden Euro.Angesichts der jüngsten Eskalationen in den Krisenherden der Welt sei aber zu befürchten, dass die aufkommende Erholung der Wirtschaft nach zwei Rezessionsjahren erstickt werden könnte. „Wir gehen von steigenden Zinsen aus“, sagte er. Die aber würden insbesondere beim Bau die Lage verschärfen.Dass es der Sparkasse trotz des schwierigen Umfelds gelungen sei, so gute Ergebnisse zu erzielen, führte Wiedemeier vor allem darauf zurück, dass sich die Effekte von Zöllen, Lieferkettenproblemen und Energiepreisen in der stark von Dienstleistung geprägten Region weniger heftig auswirkten. Allerdings sehe man auch bei der Sparkasse „eine höhere Inanspruchnahme der Kreditlinien“.Dennoch sieht Wiedemeier die Sparkasse auch für die Zukunft gut aufgestellt. „In allen Altersklassen, aber ganz besonders in der jungen Zielgruppe konnten wir zahlreiche neue Kundinnen und Kunden für die
Frankfurter Sparkasse gewinnen. Das stimmt uns sehr zuversichtlich“, sagte er. Weil die Kunden aller Altersklassen zwar einerseits verstärkt die Onlineangebote der Bank nutzten, gleichzeitig aber auch die persönliche Beratung suchten, sehen sich Wiedemeier und seine Vorstandskollegen in der Strategie bestätigt, auch weiter in den Ausbau und die Modernisierung der Filialen zu investieren.So seien die Filialen Bad Vilbel, Höchst, Dornbusch, Preungesheim, Oberrad, Rödelheim und Sachsenhausen Schweizer Platz inzwischen technisch wie auch energetisch auf den neuesten Stand gebracht worden – auch in Sachen Sicherheit für die Schließfächer. Bis zum Jahr 2029 sollen insgesamt rund 30 Filialen nach dem neuen Konzept umgebaut werden. Die
Frankfurter Sparkasse betreibt nach eigenen Angaben mit 41 Filialen, 31 SB-Stellen und rund 180 Geldautomaten das mit Abstand dichteste Filial- und Automatennetz im Großraum Frankfurt.Attraktiver für junge LeuteDas Konzept scheint gut anzukommen. So berichtete Wiedemeier, dass es der
Frankfurter Sparkasse abermals gelungen sei, die Zahl der Girokonten zu steigern, auf nunmehr 516.000. Das seien 14.500 Konten mehr als im Jahr zuvor. Ein wesentlicher Teil des Wachstums gehe auf die jungen Kunden zurück, die die Sparkasse gezielt über soziale Medien anspricht. So sei der Anteil der eigens für sie konzipierten S-Giro 069NXT-Konten an der Gesamtzahl der Girokonten von zunächst 3,9 auf nun 9,0 Prozent gesteigert worden.Die starke Präsenz mit allein 60.000 Followern auf Tiktok zahlt sich für die Sparkasse aber nicht nur bei der Kundenwerbung aus. Im vergangenen Geschäftsjahr konnte das Geldinstitut 70 Nachwuchskräfte für eine Berufsausbildung, ein duales Studium oder ein Jahrespraktikum gewinnen. Mit aktuell 159 Auszubildenden bei insgesamt 1600 Beschäftigten ist die
Frankfurter Sparkasse die größte Ausbilderin von Bankkaufleuten im IHK-Bezirk. Dahinter steckt auch eine Strategie, um den drohenden Personalmangel durch den Renteneintritt geburtenstarker Jahrgänge auszugleichen. So sank das Durchschnittsalter der Beschäftigten seit 2021 von 46,1 Jahren auf 44,2 Jahre im vergangenen Geschäftsjahr.FraspaIm Vorstand allerdings steigt das Durchschnittsalter mit dem Ausscheiden des 55 Jahre alten Wiedemeier. Sein Nachfolger
Arne Weick ist 60 Jahre alt. Er sieht das Haus, das er übernimmt, sowohl personell als auch geschäftlich gut aufgestellt: „Wir agieren aus einer Position der Stärke heraus“, sagte er, hob aber zugleich hervor: „Wir wollen und müssen weiter wachsen.“ Das soll vor allem durch eine weitere Steigerung der Zahl der Kunden und Konten gelingen. Unterstützt wird Weick dabei von seinen beiden bisherigen Vorstandskollegen. Zum einen Sven Matthiesen, der Weicks bisherigen Aufgabenbereich, den Firmenkundenvertrieb sowie das Treasury, übernehmen wird. Zum anderen Andrea Kilian, die als CRO weiterhin für Kredit, Risikocontrolling und Compliance zuständig ist. Der Vorstand der
Frankfurter Sparkasse wird damit zunächst nur drei Mitglieder haben. Perspektivisch soll das Gremium aber wieder auf vier Mitglieder wachsen. Ob es dann vielleicht deutlich jünger und vielleicht auch weiblicher wird, bleibt abzuwarten.