NEWSAR
Multi-perspective news intelligence
SRCTagesschau (ARD)
LANGDE
LEANCenter
WORDS829
ENT12
WED · 2026-04-01 · 04:00 GMTBRIEF NSR-2026-0401-46320
News/Gefälschte Paket-SMS: Wie ein Betrugs-Netzwerk in China Schu…
NSR-2026-0401-46320News Report·DE·Economic Impact

Gefälschte Paket-SMS: Wie ein Betrugs-Netzwerk in China Schutz findet

Ein globales Betrugsnetzwerk, das gefälschte Paket-SMS versendet, operiert offenbar ungehindert aus China. Recherchen des BR und internationaler Medien zeigen, dass die Betrüger, die mit Software wie "Magic Cat" und Netzwerken wie "Darcula" arbeiten, weltweit Hunderttausende Opfer schädigen.

Arne Meyer-Fünffinger, Sammy Khamis, Alexander Nabert, Lena Walbrunn, Julia Schweinberger, BRTagesschau (ARD)Filed 2026-04-01 · 04:00 GMTLean · CenterRead · 4 min
Gefälschte Paket-SMS: Wie ein Betrugs-Netzwerk in China Schutz findet
Tagesschau (ARD)FIG 01
Reading time
4min
Word count
829words
Sources cited
1cited
Entities identified
12entities
Quality score
100%
§ 01

Briefing Summary

AI-generated
NEWSAR · AI

Ein globales Betrugsnetzwerk, das gefälschte Paket-SMS versendet, operiert offenbar ungehindert aus China. Recherchen des BR und internationaler Medien zeigen, dass die Betrüger, die mit Software wie "Magic Cat" und Netzwerken wie "Darcula" arbeiten, weltweit Hunderttausende Opfer schädigen. Die Analyse einer mit "Magic Cat" verbundenen Datenbank mit Millionen Einträgen von Ende 2023 bis Mitte 2024 zeigt, dass über 300 Betrüger aus China und Hongkong agieren. Die Betrugsmasche beinhaltet gefälschte DHL-Seiten, über die Kreditkartendaten abgegriffen werden. Opfer in China selbst sind in der Datenbank kaum zu finden, was darauf hindeutet, dass die Betrugssoftware gezielt auf ausländische Nutzer abzielt. Experten vermuten, dass es sich um chinesische Staatsbürger handelt.

Confidence 0.90Sources 1Claims 5Entities 12
§ 02

Article analysis

Model · rule-based
Framing
Economic Impact
National Security
Tone
Mixed Tone
AI-assessed
CalmNeutralAlarmist
Factuality
0.70 / 1.00
Factual
LowHigh
Sources cited
1
Limited
FewMany
§ 03

Key claims

5 extracted
01

"As long as you don't touch national interests, the Chinese police aren't interested."

quoteX667788X
Confidence
0.90
02

More than 300 scammers operate from China or its special administrative region of Hong Kong.

factual
Confidence
0.90
03

Hundreds of thousands of people worldwide are victims of fake package SMS scams.

factual
Confidence
0.90
04

The scammers operate from China, and the People's Republic apparently allows them to do so.

factual
Confidence
0.80
05

The damage caused by the scams may amount to billions.

factual
Confidence
0.60
§ 04

Full report

4 min read · 829 words
exklusiv Gefälschte Paket-SMS Wie ein Betrugs-Netzwerk in China Schutz findet Stand: 01.04.2026 • 06:00 Uhr Hunderttausende Opfer gefälschter Paket-SMS gibt es weltweit. Der Schaden geht womöglich in die Milliarden. Recherchen des BR und internationaler Medien belegen: Die Betrüger agieren aus China - und die Volksrepublik lässt sie offenbar gewähren. Von Arne Meyer-Fünffinger, Sammy Khamis, Alexander Nabert, Lena Walbrunn, Julia Schweinberger, BR "Das DHL-Paket kann nicht zugestellt werden". Als Lucy und Fabrice diese Nachricht erhalten, wirkt sie für sie glaubwürdig. Das Berliner Paar, das nur mit Vornamen genannt werden will, erwartet tatsächlich eine Lieferung - Tierfutter. Die Nachricht enthält einen Link zu einer angeblichen DHL-Seite. 27 Cent Servicegebühr seien noch fällig. Sie geben ihre Kreditkartendaten ein. Wenig später buchen Betrüger dem Paar mehr als 1.600 Euro ab. Lucy und Fabrice sind zwei von Hunderttausenden Opfern einer globalen Betrugsmasche. Hinter der gefälschten DHL-Seite steht eine chinesische Software namens "Magic Cat" und ein Netzwerk, das sich "Darcula" nennt. Wie ungehindert es von der Volksrepublik aus agieren kann, zeigen neue Recherchen des BR gemeinsam mit dem norwegischen Rundfunk NRK und Le Monde aus Frankreich. Die drei Medien analysierten eine Datenbank, die mit "Magic Cat" verbunden ist. In dieser Datenbank sind Aufrufe der Betrugsseiten gespeichert sowie persönliche Daten von Betrugsopfern wie Lucy und Fabrice. In Summe sind es mehrere Millionen Einträge aus dem Zeitraum von Ende 2023 bis Mitte 2024. Reporterinnen und Reporter fanden in der Datenbank ein Muster: Bevor die Scammer die Phishing-SMS an Smartphone-Nutzer verschicken, überprüfen sie offenbar die Funktionsfähigkeit ihrer Fake-Webseite - mithilfe von Einträgen wie "Test" oder "123456". Die Software "Magic Cat" speichert bei jedem Seitenzugriff die IP-Adresse. So lässt sich auf den Aufenthaltsort der Betrüger schließen: Demnach agieren mehr als 300 von ihnen von China oder dessen Sonderverwaltungsregion Hongkong aus. Antonia Hmaidi, China-Expertin vom Mercator Institute for China Studies (Merics) in Berlin, sagt im Interview mit dem BR, für sie sei "nicht überraschend, dass die Spur nach China führt". Vieles spreche dafür, "dass das in China beheimatete Menschen sind, die mit ziemlich großer Wahrscheinlichkeit chinesische Staatsbürger sind". Weiter fällt auf, dass sich in der Datenbank kaum Opfer in China finden. Dazu passt, dass die Betrugssoftware Vorlagen für Fake-Webseiten von Unternehmen und Organisationen aus mehr als 130 Ländern anbietet, jedoch nicht für China. Dem Reporterteam gelingt es im Lauf der Recherche, verdeckt mit einem besonders aktiven Scammer aus dem Netzwerk - er nennt sich "X667788X" - in Kontakt zu treten und ihn zum Vorgehen der chinesischen Behörden zu befragen. Er antwortet: "Solange man die nationalen Interessen nicht antastet, interessiert das die chinesische Polizei nicht." Wie ernst diese Aussage zu nehmen ist, lässt sich nicht abschließend klären. Opfer des Betrugs in Deutschland, die BR-Recherche mithilfe der Datenbank ausfindig machen konnte, berichten davon, dass die Polizei die Ermittlungen jeweils eingestellt hat. Die Begründung in der Regel: Täter nicht ermittelbar. Eine Sprecherin des Bundeskriminalamts teilt auf Anfrage mit, die Behörde kenne "Magic Cat" und das "Darcula"-Netzwerk. Die Frage, ob es aktuell Ermittlungen in diesem Zusammenhang führt, lässt das BKA unbeantwortet und verweist auf "kriminaltaktische Gründe". Im Mai 2025 hatten BR, NRK und Le Monde erstmals über die DHL-Masche und die "Magic Cat"-Software berichtet. Daraufhin tauchte der 25-jährige Chinese Yucheng C., mutmaßlich Entwickler der Software, ab. Die Betrugssoftware war danach nicht mehr zu kaufen. Laut dem IT-Sicherheitsberater Ford Merrill (CSIS/SecAlliance) folgten darauf mehrere Programme mit nahezu identischer Funktionalität, darunter das Programm "Magic Mouse". "Es ist wie bei einer vielköpfigen Hydra, schlägt man einen Kopf ab, wachsen zwei neue nach", sagt Merrill. Den globalen Schaden durch diese Art des Betrugs beziffert er auf mehrere Milliarden Dollar. Insgesamt stellt Merrill fest: "Die Aktivitäten im chinesischsprachigen Betrugsökosystem sind vielfältig. Wir gehen davon aus, dass Zehntausende, wenn nicht Hunderttausende Akteure in diesem System aktiv sind - von Käufern und Verkäufern bis hin zu verschiedenen Anbietern unterschiedlichster Technologien." Phishing durch Textnachrichten habe nicht abgenommen, sondern habe sich "seit Anfang 2023 fortgesetzt und möglicherweise sogar noch verstärkt." Laut Antonia Hmaidi hätte das Regime in Peking die technischen Möglichkeiten, entsprechende Scams einzudämmen. "Sie könnten es extrem viel schwieriger machen, zum Beispiel die Software zu verteilen. Es würde wahrscheinlich noch immer kleine Fälle geben, aber nicht mehr in dieser fast industriellen Größe." Der BR konfrontierte die chinesische Botschaft in Berlin mit den Rechercheerkenntnissen und schickte mehrfach eine detaillierte eine detaillierte Anfrage. Eine Antwort gibt es nicht. Auch telefonische Anfragen blieben bislang ohne Ergebnis. Nach Einschätzung des CDU-Außenpolitikers Roderich Kiesewetter toleriert China diese Betrugsmasche und leistet "Beihilfe zum organisierten Verbrechen". Solange das so sei, könne man nicht von einer "Partnerschaft mit China" sprechen. "China ist auch kein Wettbewerber, sondern ein Rivale oder besser gesagt ein Gegner", erklärt der CDU-Politiker. Kiesewetter fordert von der Bundesregierung, das Thema Betrug durch chinesische Cyberkriminelle müsse auf die Tagesordnung der bilateralen Gespräche zwischen der Volksrepublik und Deutschland. Ähnlich äußert sich die Linken-Digitalpolitikerin Donata Vogtschmidt im BR-Interview: "Ich sehe ganz klar die Bundesregierung in der Verantwortung, diplomatische Beziehungen genau zu diesem Thema mit China aufzunehmen." Mehr zum Thema in der ARD Mediathek: Kings of Scam - Wer klickt, verliert
§ 05

Entities

12 identified
§ 06

Keywords & salience

8 terms
paket-sms
1.00
betrug
0.90
china
0.80
phishing
0.70
betrugsmasche
0.60
datenbank
0.50
software
0.50
kreditkartendaten
0.40
§ 07

Topic connections

Interactive graph
Network visualization showing 51 related topics
View Full Graph
Person Organization Location Event|Click node to navigate|Edge numbers = shared articles