Die
Semana Santa zieht wieder Tausende in ihren Bann. In Andalusien tragen „Costaleros“ tonnenschwere Heiligenfiguren durch enge Gassen.Auch für die Kleinen ist es ein großer Tag. Seit vielen Wochen haben sich in Spanien viele Tausend „Nazarener“ auf die „
Semana Santa“ vorbereitet. Seit dem Palmwochenende ziehen die Büßer durch unzählige spanische Städte. Die Anziehungskraft der Karwoche ist ungebrochen. Viele Spanier kehren zu den Feiertagen aus den Großstädten in „ihr“ Dorf zurück. Sind sie noch Mitglieder einer „cofradía“, marschieren sie mit ihrer Bruderschaft bei den Prozessionen mit. Hunderttausende strömen in der „Heiligen Woche“, wenn traditionell das ganze Land unterwegs ist, besonders in die Städte Andalusiens. Das Epizentrum ist wieder
Sevilla, wo bis in die frühen Morgenstunden jeden Tag neun Prozessionen unterwegs sind – eine Herausforderung für das Großaufgebot der Ordnungskräfte. Denn die Straßen sind dicht gesäumt von Familienmitgliedern, Besuchern und Touristen. In den Kneipen werden die Prozessionen auf den Fernsehgeräten übertragen, in einigen Bars dampft der Weihrauch über der Theke. Die jahrhundertealten Bruderschaften mobilisieren allein in
Sevilla insgesamt gut 50.000 Menschen in dieser Woche – unter ihnen sind auch viele Kinder, die stolz den traditionellen spitzen Büßerhut tragen. Für die Augen sind nur kleine Schlitze in den Stoff geschnitten.Die Wartelisten sind langDie Vereinigungen können sich oft vor Mitgliedsanträgen kaum retten. Die Wartelisten sind lang. Es kann Jahre dauern, bis man mitlaufen darf. „Costaleros“ müssen dafür richtig trainieren. So heißen die Träger, die die tonnenschweren Heiligenfiguren, Pasos genannt, im Takt der Musik der großen Kapellen auf ihren Schultern durch die engen Gassen tragen. Darunter sind lebensgroße biblische Szenen wie das „Letzte Abendmahl“ nachgebildet, die nachts ein Meer von Kerzen erleuchtet. In den vergangenen Jahren durften die prächtig geschmückten „Pasos“ die Kirchen immer wieder nicht verlassen, weil es heftig regnete. Die
Corona-Pandemie hatte zur Folge, dass zum ersten Mal seit der Zeit des Spanischen Bürgerkriegs die
Semana Santa mehrmals ausfallen musste. In diesem Jahr scheint bis mindestens zum
Karfreitag in Spanien die Sonne. Nur in der Mittelmeerstadt
Sagunt hatte ein Streit einen Schatten auf die Prozession am Palmsonntag geworfen. Dort kämpfen Frauen bisher vergeblich um ein Recht, das in
Sevilla seit vielen Jahren selbstverständlich ist. Sie wollen bei der Bruderschaft „Reinstes Blut unseres Herrn Jesus Christus“ mitmarschieren. Doch der Männerbund lehnte das gerade ein weiteres Mal ab. Auch die spanische Regierung fordert Gleichberechtigung und droht mit Sanktionen. Sie will den Feierlichkeiten in der Stadt die Auszeichnung als „Fest von nationalem touristischen Interesse“ entziehen. Aber nicht einmal die Unterstützung der Regierung in Madrid half den Frauen in diesem Jahr. Bei der Prozession standen sie wieder am Straßenrand. Einige von ihnen trugen als Zeichen des stillen Protests schwarze Schleifen auf Bannern an den Balkonen und an ihrer Kleidung.