Die EU pumpt eine Million Euro in ein Theaterprojekt, das „journalistische Recherchen“ inszenieren soll.
Kay Voges vom
Schauspiel Köln und das Netzwerk
Correctiv kommen hier mit Steuergeld voll auf ihre Kosten.Baut man so wirklich Vertrauen auf? Mit der stattlichen Summe von einer Million Euro fördert die EU ein Projekt, das die Kollaboration europäischer Theater mit investigativen Journalistenplattformen anschiebt. Unter dem suggestiven Titel „Trust“ – eine arg zurechtgebogene Abkürzung für „TRUth on Stage“ – soll Geld gegeben werden für neun Theater, die „journalistische Recherchen“ auf ihre Bühne bringen. Aber nicht irgendwelche Recherchen, sondern nur Recherchen, die „die Demokratie stärken, Desinformation entgegenwirken und Raum für einen kritischen Dialog schaffen“, teilt das
Schauspiel Köln mit, das das Ganze zusammen mit der
European Theatre Convention organisieren wird. Man fragt sich, welche Recherchen diese Bedingungen erfüllen werden – und welche nicht. Was wäre zum Beispiel mit der Recherche zum tennisspielenden Berliner Bürgermeister? War die „demokratiestärkend“ oder „desinformativ“? Könnte man sich vorstellen, dass sie auf der Bühne des Kölner Schauspiels groß inszeniert wird? Immerhin hat diese zuerst vom RBB, aber dann vor allem vom vulgärjournalistischen Netzwerk
Nius betriebene Recherche aufgedeckt, dass der höchste politische Repräsentant einer Stadt, die von einem linksextremen Terroranschlag heimgesucht wurde, in jenen Stunden, in denen Hunderttausende Berliner ohne Strom in ihren Wohnungen saßen, mit seiner Lebensgefährtin Tennis spielte. Und dass dieser Bürgermeister dieses Tennisspiel später leugnete – und dann doch zugeben musste.Blaseninterne Kritik an Rechtsparteien Keine stärkende Geschichte für die Demokratie. Also hätte diese Recherche wohl keine Chance auf eine „Trust“-Förderung? Man stellt sich solche Fragen, wenn man liest, mit welcher Nonchalance staatlich geförderte, das heißt durch die politisch diverse Gesamtgesellschaft finanzierte Theaterhäuser wie das
Schauspiel Köln oder das
Volkstheater Wien behaupten, sie förderten den „kritischen öffentlichen Dialog“, sich in Wahrheit aber damit in erster Linie ihre wohlfeile (weil blaseninterne!) Kritik an Rechtsparteien finanzieren lassen. Denn um nichts anderes geht es
Kay Voges, dem Intendanten des
Schauspiel Köln, wenn er seine Zusammenarbeit mit dem linksgerichteten Netzwerk
Correctiv durch die opulente EU-Förderung nun stolz verstetigt. Unabhängig davon, dass
Correctiv schon sonstige staatliche Förderung für seine „medienbildende“ Arbeit bekommt – unter anderem von der Bundeszentrale für politische Bildung – stellt sich die Frage, ob eine steuerfinanzierte Kollaboration zwischen linksliberalen Theatern und linksgerichtetem Journalismus wirklich gesellschaftliches Vertrauen in beide Institutionen aufbaut. Oder nicht viel eher das Gegenteil bewirkt: nämlich die Vorurteile von rechts- wie linkshetzerischen Anti-Europäern bestätigt. Vorurteile, die davon ausgehen, dass die EU, wenn sie Demokratie fördert, vor allem ihre linksliberale Werteprägung bewahren will. Theaterleute zu Journalisten umschulen?Nun ist es in der Tat so, dass genau diese Prägung gerade in vielen europäischen Ländern heftig und zum Teil auch rechtswidrig angegriffen wird. Manche Theater, die auf der Förderliste stehen, spüren diese Angriffe schon sehr konkret, etwa das Nationaltheater Sofia „Iwan Wasow“ in Bulgarien oder das Örkény Theater in Ungarn. Aber kann die Lösung wirklich sein, dass auf den Bühnen dieser Häuser jetzt Gegenpropaganda gezeigt wird? Dass Theaterleute zu Journalisten umgeschult werden und in Zukunft statt Brecht oder Horvath nur noch Rammstein-Recherchen und Klimasünder-Register inszenieren? Wäre das die Utopie? So jedenfalls klingt es in der Kölner Aussendung, die in Aussicht stellt, dass das „Trust-Projekt“ Theaterleute in journalistischer Zusammenarbeit „schulen“ will, damit ein „skalierbares Modell für journalistisches Theater“ entsteht, das in ganz Europa übernommen werden kann. Die Unabhängigkeit des Theaters als ein robuster Ort poetisch-humanistischer Gegenöffentlichkeit wird damit leichtfertig für überflüssig erklärt. Stattdessen wird das Theater zu einer Vertriebsstelle für journalistische Sendungen degradiert, die auf dem freien Markt immer größere Absatzschwierigkeiten haben. Eine klandestine Querfinanzierung des politischen Links-Journalismus durch europäisches Steuergeld ist das eine. Das andere ist die ungehörige Aura-Ausweitung des freien Kunstbegriffs auf die freie Presse. Am Ende könnte es sein, dass beide durch die EU-Millionen genau das verlieren, was sie schützen wollen: Freiheit und Vertrauen.