Zum 1. April übernimmt
Michael Nicolai die Geschäfte des Rechenzentrumsbetreibers
Telehouse in
Frankfurt. Der Physiker plant nicht nur mit zwei weiteren Datencentern im Stadtteil
Gallus.Ein Physiker geht, ein Physiker kommt. Zum 1. April übernimmt
Michael Nicolai von
Béla Waldhauser die Geschäftsführung des Rechenzentrumsbetreibers
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Telehouse Deutschland im Frankfurter Gallusviertel. Unter Waldhauser hat das Unternehmen einen langjährigen Herzenswunsch verwirklicht und liefert Nahwärme in die Nachbarschaft. Die Bewohner der Neubausiedlung namens
Franky profitieren von Abwärme aus Hochleistungsrechnern in den Datencentern an der
Kleyerstraße. Nicolai plant nun einen Schritt weiter.Künftig wolle
Telehouse auch Abwärme in das Fernwärmenetz des heimischen Energieversorgers
Mainova einspeisen, sagt Nicolai. Wann das sein könnte, steht nach seinen Worten aber noch dahin. Zudem will er zwei neue Datencenter am Ort errichten.Lange Zeit war die Nutzung von Abwärme kein Thema. Das aber hat sich im Zuge des Anstiegs der Gaspreise und der Energiewende geändert. Das Energieeffizienzgesetz schreibt vor, dass Rechenzentren, die von Juli an ans Netz gehen, mindestens ein Zehntel der Abwärme einer Weiterverwendung zuführen. Zum Juli 2028 sollen es dann 20 Prozent sein.
Telehouse-Chef: Energieeffizienz liegt jedem Physiker am HerzenDie Menge an Abwärme, die bei vielen bestehenden Rechenzentren einfach verpufft, ist erheblich: Auf bis zu 60 Grad heizen übliche Hochleistungsrechner die Luft auf. Moderne, für Künstliche Intelligenz benötigte Chips können sogar Temperaturen um 100 Grad erzeugen. Da reiche Luftkühlung in den Doppelböden unter den Gestellen mit den Rechnern nicht mehr aus, und gewöhnliche Wasserkühlung verbrauche zu viel Wasser, sagt Nicolai.Vor diesem Hintergrund hat sein früherer mittelhessischer Arbeitgeber
Rittal eine Technik namens Direct Liquid Cooling entwickelt. Dabei nimmt ein System die Prozesswärme direkt an den Chips auf. Nicolai will diese Technik auch auf dem
Telehouse-Campus an der
Kleyerstraße einsetzen. Der neue Geschäftsführer nimmt für sich in Anspruch, sich seit geraumer Zeit mit der Energieeffizienz von Rechenzentren zu beschäftigen und „schon lange vor der
Bundesregierung“ damit begonnen zu haben. So entwickelte Nicolai neue Methoden der Wasserkühlung in Datencentern und hält Patente.Wonge BergmannTelehouse verbrauche nicht nur große Mengen Energie, sondern liefere auch welche. Wenn
Telehouse seine Abwärme außer in die
Franky-Häuser eines Tages auch in die nahe Friedrich-Ebert-Siedlung bringe und ins Fernwärmenetz einspeise, werde das Unternehmen die gesetzlichen Vorgaben weit übertreffen, hebt er hervor. Und: „Wir machen das nicht für die Politik.“ Mit Energie möglichst wirtschaftlich umzugehen, liege Physikern schlicht am Herzen. Deshalb habe Waldhauser den Standort auch so aufgebaut. Der bisherige Chef bleibe bis zur Fertigstellung des Neubaus N im Juni noch bei
Telehouse.Künftig soll das in Darmstadt ansässige Start-up Etalytics dem Unternehmen dabei helfen, die Kühlung zu optimieren. Etalytics betreibt eine KI-basierte Plattform, die Unternehmen Potentiale zur Energiekosteneinsparung aufzeigt. Die Darmstädter arbeiten im Rhein-Main-Gebiet auch mit dem Rechenzentrenbetreiber Equinix sowie mit Opel und Merck zusammen.Über Strom verfügt
Telehouse an der
Kleyerstraße aufgrund eines 150-Kilovolt-Zugangs und eines eigenen Transformators einstweilen genug. Nach 2034 könnte das Unternehmen den Zugang nach den Worten von Nicolai noch aufstocken. Dann soll die Starkstromtrasse Rhein-Main-Link in Betrieb sein und Windstrom von der deutschen Küste in den Ballungsraum bringen. Benötigt wird die Energie besonders von Rechenzentren in
Frankfurt und dem Umland.