In
Hamburg hat ein
Wolf eine Frau gebissen – mitten in der Stadt. Begegnungen mit Wölfen werden laut Jägern häufiger, wenn man diese nicht jagt. Durch ein neues Gesetz wird der Abschuss der Tiere leichter.„Bei der hohen Anzahl von Wölfen in Deutschland müssen wir damit rechnen, dass die Tiere künftig öfters in die Städte kommen“, sagt der Präsident des Deutschen Jagdverbands,
Helmut Dammann-Tamke. 219 Wolfsrudel gibt es laut
Bundesamt für Naturschutz in Deutschland, mindestens 1636 Tiere – rund doppelt so viele wie in Schweden,
Finnland und Norwegen zusammen. Kaum ein Land der Welt ist so dicht besiedelt und hat zugleich eine so hohe Wolfspopulation. Jagt man die Wölfe nicht, wie es in Deutschland bisher der Fall war, werden solche Begegnungen wie in
Hamburg aus Sicht der Jäger häufiger.Am Montagabend hatte ein
Wolf eine Frau in
Hamburg gebissen. Und zwar mitten in der Stadt, etwas östlich des Bahnhofs Altona. Zuvor war der
Wolf über mehrere Tage von Westen kommend in die Stadt gelaufen. Vielfach sahen ihn Anwohner und standen ihm teils wenige Meter entfernt Auge in Auge gegenüber. Nach der Attacke hatte die Polizei den
Wolf aus der Binnenalster gefischt. Mittlerweile ist das Tier in einer Wildtierauffangstation in
Niedersachsen. Die Unterbringung dort ist laut einem Sprecher der Hamburger Umweltbehörde vorläufig. Was mit dem
Wolf danach geschieht, ist noch unklar.Haltung im Gehege laut Expertin nicht möglichDauerhaft in einem Gehege halten wird man ihn kaum können. Das sei für ein Wildtier der pure Dauerstress, sagt
Alica Huckfeldt, die Geschäftsführerin des Landesjagdverbands
Hamburg. Sie plädiert für eine Auswilderung in ein nicht so dicht besiedeltes Gebiet, am besten mit einem Halsband mit Sender, um seine Position nachvollziehen zu können. Wenn der
Wolf wieder auffällig werde, müsse man über eine „Entnahme“ nachdenken, so Huckfeldt. Doch vermutet sie, dass der
Wolf aufgrund seiner Erfahrung mit Menschen diese nun meiden wird. Die Hamburger Umweltbehörde hatte noch am Montagmittag und damit kurz vor der Attacke des Wolfs mitgeteilt, von diesem gehe keine unmittelbare Bedrohung für den Menschen aus. Doch sei ein vorsichtiger Umgang geboten. Umweltsenatorin
Katharina Fegebank (Grüne) versicherte am Dienstag, man habe eine „komplexe Risikoabwägung“ vollzogen. Eine Treibjagd des Tieres im Stadtgebiet sei etwa für Verkehrsteilnehmer zu gefährlich gewesen, ein Abschuss des streng geschützten Tieres verboten.Dem widerspricht Dammann-Tamke. Eine Tötung des Wolfs sei aufgrund der öffentlichen Sicherheit möglich gewesen, auch in dem bisherigen Rechtsrahmen. Von nun an sei eine Tötung noch sehr viel leichter. Denn nun gilt für Wölfe ein neuer Rechtsrahmen, der einen Abschuss sehr viel leichter macht. Fortan wird der
Wolf im Jagdrecht aufgeführt.Wolfsbestand kann künftig leichter reguliert werdenDie Jagd von Wölfen ist in Deutschland ein Politikum. Seit Jahren wird über eine Bejagung diskutiert. Allein im Jahr 2024 wurden nach Angaben des Bundeslandwirtschaftsministeriums rund 4300 Nutztiere – Schafe, Ziegen, Kälber – von Wölfen gerissen. Doch geschossen wurden in Deutschland bisher kaum Wölfe. Durch das Naturschutzgesetz waren sie streng geschützt. Für Abschüsse brauchte es eine Ausnahmegenehmigung. Die aber war langwierig, faktisch gingen Wolfschützer meist erfolgreich juristisch dagegen vor. Das dürfte sich nun ändern. Seit Donnerstag ist ein Wolfsmanagement – und damit eine Bejagung – möglich, weil das novellierte Bundesjagdgesetz in Kraft tritt, dessen Teil der
Wolf nun ist. Wenn die Population erhalten bleibt, kann der Wolfsbestand reguliert werden. Zudem können Wölfe, wenn sie etwa Schafe gerissen haben, leichter getötet werden.Just
Hamburg hatte – neben anderen Stadtstaaten – im Bundesrat der Gesetzesänderung nicht zugestimmt, wohl in der Annahme, das Thema sei in dicht besiedelten Gebieten keines. Angenommen wurde die Gesetzesänderung trotzdem. Allerdings müssen die Länder kein Wolfsmanagement betreiben, sie können es. Die oppositionelle CDU warf der rot-grünen Senatsentscheidung deshalb vor dem Hintergrund des Wolfsangriffs vor, die Gefahr durch Wölfe völlig falsch eingeschätzt zu haben. Ralf Niedmers, jagdpolitischer Sprecher der CDU-Fraktion, sagte, Rot-Grün habe die Zustimmung zur Aufnahme des Wolfs in das Bundesjagdgesetz aus ideologischen Gründen verweigert. Der
Wolf müsse sofort in das Hamburger Jagdrecht aufgenommen werden.
Hamburg brauche dringend ein Wolfsmanagement. Der Hamburger Landesjagdverband fordert das ebenfalls. Die Sichtungen einzelner Tiere nähmen zu, Abschüsse müssten rechtssicher möglich sein, sagt Huckfeldt. Sie weist ebenso wie Dammann-Tamke darauf hin, dass Wölfe, wenn man sie bejagt, Menschen meiden.