Nachdem
Stefan Horngacher aufhört, wird
Andreas Mitter der neue Trainer der deutschen Skispringer. Mit seinem Konzept soll er die Krise der Top-Athleten beenden und den Nachwuchs stärken. Die deutschen Skispringer wissen schon seit Samstag, wer ihr neuer Bundestrainer wird, am Mittwoch wurde dessen Name schließlich auch veröffentlicht: Die Nachfolge von
Stefan Horngacher wird der 44 Jahre alte
Andreas Mitter antreten. Er ist wie Horngacher Österreicher und arbeitete zuletzt drei Jahre als Ko-Trainer seines Vorgängers. Mitter kennt die Strukturen innerhalb des Deutschen Ski-Verbandes (DSV), er weiß daher auch um die bescheidene Nachwuchssituation des deutschen Skisprung-Systems.Mitter stammt aus der
Steiermark, das Trainerdiplom erwarb er nach einem Studium an der
Universität von Innsbruck. Seine Laufbahn als Coach begann er beim
SC Partenkirchen in Bayern. Danach war Mitter zwischen 2010 und 2011 für den C-Kader des Österreichischen Skiverbandes (ÖSV) verantwortlich. Anschließend trainierte er vier Jahre das B-Team des ÖSV. Von 2016 bis 2018 war Mitter zudem Nationalcoach der Finnen. Anschließend wechselte er in die Trainerstruktur des DSV, dort stieg er zuletzt zu Horngachers Ko-Trainer auf.„Neue Impulse in der Trainingsarbeit setzen“Zu seiner Beförderung sagte Mitter: „Ich freue mich sehr auf meine neue Aufgabe und möchte mein Kow-how und meine Erfahrung als langjähriger Trainer einbringen.“ Es gehe ihm vor allem darum, „neue Impulse in der Trainingsarbeit zu setzen, um das Potential der Mannschaft bestmöglich zu entwickeln.“ Mitter arbeitet künftig mit
Jens Deimel und
Tino Haase zusammen, die er zu seinen Ko-Trainern ernannte.Horngacher hatte bereits vor Beginn dieser Saison angekündigt, dass er an deren Ende aufhören werde. Dieser Zeitpunkt war am vergangenen Sonntag bei der letzten Weltcup-Station im slowenischen
Planica erreicht. Auffällig war, dass in diesem Winter die einstigen Siegspringer Andreas Wellinger und
Karl Geiger in eine tiefe Krise verfielen. Zeitweise starteten sie gar nicht mehr im Weltcup, um im Training ihre Rückstände aufzuholen. In dieser Phase konnte kein Athlet aus dem B-Kader die Chance nutzen, um auf sich aufmerksam zu machen. Entsprechend ist die Aufgabenstellung klar, die DSV-Sportdirektor Horst Hüttel mit der Beförderung von Mitter, den er als empathisch und kommunikativ beschreibt, verbindet: „Seine wichtigste Aufgabe besteht darin, den Spagat hinzubekommen, die arrivierten Athleten wie
Karl Geiger und Andreas Wellinger wieder an den oberen Rand ihrer Möglichkeiten zu bringen“, sagte Hüttel der F.A.Z.Außerdem müsse Mitter „einen Umbruch einleiten. Der muss forciert werden“. Das Problem der ausbleibenden Talente ist derzeit akut innerhalb des DSV-Bereichs Skispringen. Vor allem die Grundausbildung in den unteren Altersstufen müsse erhöht werden, ist aus dem Innern des DSV zu vernehmen. Das setze den Faktor Geduld voraus.Mitter überzeugte in der Trainer-FindungsphaseDas Nachwuchsthema will Mitter durch eine intensive Zusammenarbeit „mit den Trainern aller Lehrgangsgruppen im DSV“ angehen, wie er sagt, um damit „inhaltliche Schwerpunkte für eine langfristige und positive Entwicklung für den Skisprung in Deutschland setzen“.Der DSV hat schon vor geraumer Zeit auf diese Situation mit der Verpflichtung von erfahrenen Talentausbildern für neuralgische Stellen reagiert: Thomas Thurnbichler, der einst das polnische A-Team trainiert hat, ist für die deutsche B-Mannschaft zuständig. Zudem kehrte Horngachers Vorgänger Werner Schuster als für den Nachwuchs verantwortlicher Coach zurück zum DSV.Mitter überzeugte Hüttel in der Trainer-Findungsphase, die nach den Olympischen Spielen Fahrt aufnahm, „mit seinem beeindruckenden Konzept“. Es beinhaltet „vor allem die Erkenntnis, dass Aerodynamik eine große Rolle im Skispringen spielt“, erzählt Hüttel.Domen und Nika Prevc, die slowenischen Weltcup-Gewinner dieser Saison, hätten viel Zeit im Windkanal verbracht, sagt Hüttel. Daran möchte Mitter offensichtlich anknüpfen. Weitere Inhalte von Mitters Strategie verrät Hüttel noch nicht, weil sie zunächst in der Trainer-Klausurtagung des DSV Mitte April vorgestellt werden sollen.Der neue Skisprung-Bundestrainer hat zwei Brüder, die in der Skiszene sehr bekannt sind. Mark Mitter arbeitete acht Jahre im Trainerteam des alpinen Skistars Marcel Hirscher, bis vor zwei Jahren war er in der selben Funktion für die Weltcup-Gesamtsiegerin Mikaela Shiffrin tätig. Christian Mitter wiederum war bis zur vergangenen Saison Alpin-Chef des norwegischen Skiteams. Aktuell arbeitet er als sportlicher Leiter des ÖSV-Alpin-Teams.