Ellbogenchecks, Stock- und Faustschläge: Im Eishockey nichts Besonderes. Jetzt überschattet ein brutaler Angriff die Play-offs in der DEL. Ist das noch „Teil des Spiels“?Die gute Nachricht zuerst:
Edwin Tropmann geht es besser. Noch in der Nacht auf Mittwoch meldete sich der 20 Jahre alte Eishockeyprofi vom
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Ingolstadt via Instagram: „Danke an alle für die vielen lieben Genesungswünsche.“ Er gebe sein Bestes, „schnell wieder fit zu werden“. Davon war einige Stunden zuvor nicht auszugehen.Da lag Tropmann nach einem brutalen Ellbogencheck von
Fabio Wagner vom
EHC Red Bull München bewusstlos auf dem Eis, krampfte, seine Beine zitterten. „Ärzte aufs Eis“, rief der Hallensprecher. Sofort eilten Sanitäter herbei, transportierten Tropmann mit einer Trage ab und brachten ihn ins Krankenhaus. Erst auf dem Weg dahin sei der junge Verteidiger zu sich gekommen, teilte ERC-Sportchef
Tim Regan später sichtlich mitgenommen mit.Tropmann mit „Kopf- und Nackenverletzung“Die Schiedsrichter hatten sich unmittelbar nach dem Foul dazu entschieden, die Spieler für die letzte Minute wegzuschicken. Sie legten den Puck aufs Eis, die Uhr lief herunter, sonst wäre es wohl noch weiter eskaliert. Schon so gab es 155 Strafminuten, allein 125 für die Münchener. Hinterher versuchten ERC-Fans, den Mannschaftsbus der Münchner zu bedrängen, die Polizei musste den Weg freimachen.Am Mittwochmittag veröffentlichte der ERC ein Update: Tropmann habe eine „Kopf- und Nackenverletzung erlitten“, müsse für weitere Untersuchungen in der Klinik bleiben. Auch Wagner, bis zum Sommer selbst zehn Jahre in
Ingolstadt aktiv, äußerte sich: „Was gestern auf dem Eis passiert ist, tut mir aufrichtig leid. Es war ein Fehler von mir, und ich trage die volle Verantwortung für mein Handeln.“Wagners Aktion hatte nichts mit dem Spiel zu tun. Es lief bereits die vorletzte Minute,
Ingolstadt führte 7:2, Tropmann hatte den Puck gar nicht mehr. Wagner wollte also „ein Zeichen setzen“, wie es im Eishockey heißt. Denn bereits diesen Donnerstag sehen sich die Teams wieder, dann steht Spiel fünf im Play-off-Viertelfinale an.Ziemlich sicher ohne Wagner, der eine längere Sperre zu erwarten hat. Die Bestürzung ist nun groß in der Deutschen Eishockey Liga (DEL). Einerseits verständlich, weil niemand einen 20-Jährigen bewusstlos auf dem Eis liegen sehen will. Aber andererseits auch wohlfeil. Wagners Check ist kein Einzelfall, keine außergewöhnlich dreckige Aktion.Vier Spielausschlüsse in 21 Spielen der Play-offsAllein im Spiel am Dienstag gab es diverse: Ellbogen gegen Köpfe, Stock- und Faustschläge. Auch der Münchener Ryan Murphy fällt mit einer Gehirnerschütterung aus, nachdem Ingolstadts Morgan Ellis dessen Kopf gegen die Bande knallte. Da hat sich etwas hochgeschaukelt. Und auch in den anderen Serien geht es zur Sache.Die Play-offs sind gerade mal 21 Spiele alt, aber es gab bereits vier Spielausschlüsse, 18 Zehn-Minuten-Strafen, 23 Mal musste jemand für fünf Minuten auf die Strafbank. Alles Teil der toxischen Kultur einer Sportart, die stets von sich behauptet, dass sie zwar hart sei, aber niemand jemanden absichtlich verletzten wolle.Dass das nicht so ist, zeigt sich allein daran, dass die Teams Verletzungen nicht konkret kommunizieren. In der Regel heißt es nur Ober- oder Unterkörperverletzung, damit der Gegner nicht weiß, wohin er seinen nächsten Angriff starten soll. Nicht zu vergessen, dass Schlägereien geduldet sind.Man wandert dafür zwar auf die Strafbank, aber danach darf man weiterspielen. Trotz der Schicksale von Spielern, die nach zu vielen Faustschlägen oder Checks dauerhafte Gehirnschäden davontrugen, die Persönlichkeitsveränderungen erlebten, depressiv wurden, sich in Drogensucht flüchteten, auf der Straße landeten oder Suizid begingen.„Es ist Teil des Spiels, einen Weg zurück ins Spiel zu finden“Das wissen die Beteiligten natürlich. Und trotzdem setzen sie gern „Statements“, wie Münchens Trainer Oliver David bei „Magentasport“ sagte. Der Check sei ein „unglücklicher Vorfall“, die Verletzung „keine Absicht“ gewesen. Eine fast unverschämte Untertreibung dieses gezielten Angriffs auf die Gesundheit eines Gegenspielers.Zumindest war David dann doch noch ehrlich: „Es ist Teil des Spiels, einen Weg zurück ins Spiel zu finden“ – oder zurück in die Serie. Im Zweifel durch ein Zeichen, das manchmal eben ein brutaler Check sein kann. So läuft das im Eishockey.