Eine Gruppe von drei Männern kommt aus
Nordmazedonien nach
Südhessen, um zu arbeiten. Stattdessen berauben sie ihren Vermieter, der an einem Knebel erstickt. Einer der drei Männer ist nun wegen Mordes angeklagt.Vor dem
Landgericht Darmstadt muss sich seit Mittwoch ein 35 Jahre alter Mann verantworten, der in
Biblis seinen 81 Jahre alten Vermieter getötet haben soll. Der Anklage zufolge beraubte der Nordmazedonier Demirali Z. den alten Herrn im Februar des vergangenen Jahres mit zwei Mittätern. Dabei wurde das Opfer gefesselt und geknebelt, wie Staatsanwältin
Elena Danch vortrug. Die Täter seien mit Bargeld und einer Goldkette geflüchtet.Der alte Herr sei in der folgenden Nacht an dem Knebel erstickt. Ein Schal sei so fest vor den Mund gewickelt worden, dass der Kiefer nach hinten geschoben worden und das Zungenbein gebrochen sei. Der Todeskampf des Opfers habe stundenlang gedauert.In der Anklage wird dem Angeklagten vorgeworfen, die Tat heimtückisch und aus Habgier begangen zu haben. Außerdem habe er damit ein anderes Verbrechen verdecken wollen. Damit sind drei Mordmerkmale genannt, die dieses schwerste Delikt vom milder bestraften Totschlag unterscheiden. Nach den Worten der Staatsanwältin entwendeten die drei Männer 26.000 Euro. Dieser Betrag werde von dem Angeklagten zurückgefordert.Der Angeklagte und die beiden Mittäter seien im Februar 2025 aus
Nordmazedonien nach Deutschland gekommen, um in
Südhessen zu arbeiten, sagte die Staatsanwältin. Sie hätten deshalb ein Zimmer im Dachgeschoss des Hauses des späteren Opfers in
Biblis gemietet. Die erste Monatsmiete sei in bar gezahlt worden. Zur Aufnahme der Arbeit sei es dann aber nicht gekommen, deshalb hätten die drei Männer beschlossen, vom Vermieter Geld und Wertgegenstände mitzunehmen, um damit den entgangenen Lohn zu ersetzen.Anklage: Opfer wurde in seiner eigenen Wohnung überwältigtDie drei Männer hätten sich zur Wohnung des Vermieters begeben, dieser habe ihnen die Tür geöffnet, weil er sie als seine Mieter gekannt habe. In der Wohnung hätten sie ihn „völlig unerwartet überwältigt“, sagte die Staatsanwältin. Der Mann sei an Händen und Füßen mit einem Tuch und mit dem Band eines Kissens gefesselt sowie mit dem Schal geknebelt worden. Dabei hätten der Angeklagte und die Mittäter den Tod des Opfers billigend in Kauf genommen.Der Verteidiger
Christian Kunath gab im Namen seines Mandanten eine Einlassung ab. Darin wird eine Beteiligung an der Tat zwar zugegeben. Der Angeklagte benennt aber die beiden anderen Männer als Haupttäter und beschreibt seine eigene Rolle als untergeordnet. Angereist sei der Angeklagte mit den beiden anderen für drei Monate, weil die beiden ihm Arbeit im Baugewerbe vermittelt hätten. Die beiden hätten auch den Vermieter in
Biblis schon gekannt. Zu dritt hätten sie ein Zimmer im Dachgeschoss gemietet.Als die Arbeitsaufnahme nicht zustande gekommen sei, habe die Gruppe nicht in
Südhessen bleiben wollen. Einer der beiden anderen Männer habe die Miete von dem Hauseigentümer zurückfordern wollen, deshalb seien sie zu seiner Wohnung gegangen. Zunächst seien nur die anderen beiden in die Wohnung gegangen, er habe im Hausflur gewartet, so die Version des Angeklagten. Als er etwas später in die Wohnung gegangen sei, sei der Vermieter schon an den Füßen gefesselt und geknebelt gewesen.Als einer der beiden anderen Männer ihn dazu aufgefordert habe, habe er bei der weiteren Fesselung geholfen, gab Demirali Z. in der Einlassung zu. Als sein Landsmann dann ein Kissen in beide Hände genommen und vor das Gesicht des Vermieters gehalten habe, sei es ihm zu viel geworden, und er habe die Wohnung verlassen.Auf der gemeinsamen Rückfahrt nach
Nordmazedonien sei ihm aufgefallen, dass die beiden anderen Männer über Geld und eine Bankkarte verfügten, gab der Angeklagte an. Der Prozess wird nach den Osterferien fortgesetzt.