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WED · 2026-04-01 · 16:23 GMTBRIEF NSR-2026-0401-47933
News/Oberursel: Bohrlöcher, wo keine sein sollen
NSR-2026-0401-47933News Report·DE·Economic Impact

Oberursel: Bohrlöcher, wo keine sein sollen

Beim Bau von vier baugleichen Sporthallen im Hochtaunuskreis im Jahr 1972 wurde offenbar gepfuscht. Die erste Halle an der Erich-Kästner-Schule in Oberursel wurde nun für zwölf Millionen Euro saniert, nachdem Baumängel wie angebohrte Betonträger und fragwürdige Konstruktionen entdeckt wurden.

Andrea DienerFAZFiled 2026-04-01 · 16:23 GMTLean · Center-RightRead · 4 min
Oberursel: Bohrlöcher, wo keine sein sollen
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Beim Bau von vier baugleichen Sporthallen im Hochtaunuskreis im Jahr 1972 wurde offenbar gepfuscht. Die erste Halle an der Erich-Kästner-Schule in Oberursel wurde nun für zwölf Millionen Euro saniert, nachdem Baumängel wie angebohrte Betonträger und fragwürdige Konstruktionen entdeckt wurden. Ein Statiker attestierte sogar "vorsätzlich falsch ausgeführte" Arbeit. Nachdem im Juni 2021 ein Teil des Daches der Halle in Stierstadt einstürzte, wurden alle Hallen gesperrt. Die Sanierung der Hallen in Stierstadt und Bad Homburg soll auf Basis der Erkenntnisse aus Oberursel erfolgen. Die sanierte Halle in Oberursel wird nach den Osterferien wiedereröffnet.

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Im Juni 2021 ist ein Teil des Daches der Stierstädter Halle eingestürzt.

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Die Sanierung kostet zwölf Millionen Euro pro Gebäude.

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Ein Neubau wäre mit 25 bis 27 Millionen deutlich teurer geworden.

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Sporthallen im Hochtaunuskreis wurden im Jahr 1972 offenbar gepfuscht.

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Bei der Errichtung von mehreren baugleichen Sporthallen im Hochtaunuskreis wurde im Jahr 1972 offenbar gepfuscht. Nun wurde die erste Halle für zwölf Millionen Euro saniert.Angebohrte Betonträger, abenteuerliche Installationen, fragwürdige Konstruktionen: Jens Glatz, stellvertretender Fachbereichsleiter Hochbau beim Hochtaunuskreis, hat nun alles gesehen. „Das war schon spannend, was da in den Siebzigern gebaut wurde“, sagt er. Einer der vier hinzugezogenen Statiker habe sogar attestiert, die Arbeit sei damals „vorsätzlich falsch ausgeführt“ worden. Als Anfang der Siebzigerjahre die Doppelsporthalle an der Erich-Kästner-Schule errichtet wurde, gab es offenbar vorsätzlichen Pfusch am Bau.Gleich vier Turnhallen des gleichen Typs stehen im Kreis, und bei allen bot sich das gleiche Bild. Die Halle am Königsteiner Taunusgymnasium, die schon nach 2010 ertüchtigt worden war, konnte nach einer kurzen Schließung wieder freigegeben werden. Die beiden weiteren stehen an der Integrierten Gesamtschule Stierstadt und der Bad Homburger Gesamtschule am Gluckenstein.Augenfällig wurde der Pfusch, als im Juni 2021 ein Teil des Daches der Stierstädter Halle einstürzte. Der Kreis ließ sofort alle Hallen sperren. Eigentlich habe man schnell mit den Bauarbeiten beginnen wollen, sagt Landrat Ulrich Krebs (CDU), doch aus vergaberechtlichen Gründen musste der Kreis die Aufträge europaweit ausschreiben. Das allein habe ein Dreivierteljahr gekostet.Mit Engelszungen überzeugtDie Sanierung kostet zwölf Millionen Euro pro Gebäude. Ein Neubau, schätzt Landrat Krebs, wäre mit 25 bis 27 Millionen deutlich teurer geworden. Immerhin kann die erste Halle, die an der Erich-Kästner-Schule, nach den Osterferien wieder eröffnet werden. Auch die Schüler der Feldbergschule und des Gymnasiums Oberursel sowie zwei Vereine nutzen die Halle mit. Derzeit laufen noch allerletzte Arbeiten, ein Betrieb muss noch die Prallwand nachliefern, die das Provisorium aus Sperrholz ersetzen wird. Die hätte Anfang März schon eingebaut sein sollen, doch die Fachfirma sagte ab, ein Montageteam sei ausgefallen. „Wir haben mit Engelszungen überzeugt“, sagt Glatz.Zeitweilig „ein Cabrio“: Architekt Lars Waldeck zeigt auf seinem Handy ein Foto der Bauarbeiten.Philipp HannappelWas hier in Oberursel bei der Konstruktion schiefgelaufen ist, findet sich identisch auch in den Hallen in Stierstadt und am Bad Homburger Gluckenstein. Die Erkenntnisse können übertragen werden, böse Überraschungen wird es keine mehr geben. Noch vor dem Winter sollen die Bad Homburger Gesamtschüler wieder eine Sporthalle haben, in Stierstadt wird es in einem Jahr so weit sein.Architekt Lars Waldeck zeigt auf seinem Smartphone Bilder der Bauarbeiten: Das Dach fehlt, nur die Fassade steht noch. „Als die Halle gebaut wurde, hat man mit 30 Meter langen Bauteilen gearbeitet“, sagt er. „Jetzt ist alles so eng bebaut, man käme damit gar nicht mehr durch.“Anfangs ging man davon aus, nur das Dach erneuern zu müssen, doch dann erwies sich die gesamte Konstruktion als mangelhaft. Ein besonderes Problem waren die Auflagepunkte der alten Betonträger – und auch die schlimmste Überraschung, berichtet Jens Glatz. Die tragenden Betonbinder waren zu schmal und zu allem Überfluss auch noch angebohrt. Zudem musste das Fundament ertüchtigt werden, was die Bauarbeiten in die Länge zog. Statt von massiven Betonträgern wird die Decke beider Hallenteile jetzt von luftigeren Stahlteilen gehalten. Stählerne Stützkreuze, wie man sie von Holzregalen kennt, verbessern die Statik der Fassade zusätzlich.Viele Teile der Innenausstattung wurden erhalten. Etwa die Bänke in den Umkleidekabinen, die während der Bauzeit eingelagert waren, ebenso die Sportgeräte, die Matten und die Türen samt Zargen. Die Fenster durften auch bleiben, sie wurden nur neu lackiert. Einiges ist verbessert worden, etwa die technische Ausstattung. Die Handballer der TSG Oberursel, die die Halle zum Training nutzen, spielen Oberliga und brauchen dafür ein funktionierendes WLAN. Die Halle ist außerdem für haftverbesserndes Harz zugelassen, das bei vielen Oberligisten üblich ist.Blick aufs Dach: Bei der Sanierung wurden auch eine moderne Wärmepumpe und ein neues Lüftungssystem installiert.Philipp HannappelDie Duschen sind etwas auseinandergerückt, drei große Wärmepumpen samt Photovoltaik bringen zeitgemäße Wärme. Auch eine neue Lüftung wurde eingebaut. Und, das ist nicht unwichtig, die Ventilatoren in den Hallen kann man abstellen. Auf diese Weise können auch offizielle Badminton-Turniere ausgetragen werden, ohne dass die Federbälle verweht werden. Eine der beiden Hallen verfügt über eine Tribüne, das Foyer ist auch schöner gestaltet worden und kann für kleine Empfänge genutzt werden. Zudem gibt es nun mehr Basketballkörbe als vorher, weil die Sportart inzwischen deutlich beliebter geworden ist. Außerdem sei die Halle, so Landrat Krebs, auch vollständig für den Katastrophenschutz ertüchtigt. „Wir müssen das als Behörde mitdenken.“Für die Schüler und Vereinssportler, die die Halle nutzen, war die Umbauphase keine leichte Zeit. Schulleiter Julian Stey berichtet, dass Ausflüge in umliegende Fitnessstudios anfänglich durchaus als cool empfunden wurden. Dazu gab es viel Schwimmunterricht, eine Traglufthalle vor der Schule und eine amtlich genehmigte Reduzierung der Stundenzahl. „Aber jetzt sind wir alle froh, dass wir wieder unsere Halle haben“, sagt Stey.
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