PfadnavigationHomePolitikDeutschlandBerlin-NeuköllnMädchen berichteten schon im Februar 2025 von Übergriffen, dann kam es zur GruppenvergewaltigungStand: 01.04.2026Lesedauer: 3 MinutenDas
Jugendzentrum Wutzkyallee in NeuköllnQuelle: Jens Kalaene/dpaBereits Monate vor der mutmaßlichen Gruppenvergewaltigung in einem Jugendzentrum in
Berlin-Neukölln sollen Mädchen von sexuellen Übergriffen berichtet haben. Konsequenzen für die Täter blieben aus. Stattdessen sollten Mitarbeiter eine Schulung absolvieren.Nach den Enthüllungen um eine mutmaßliche Gruppenvergewaltigung in einem Jugendzentrum im Berliner Stadtteil Neukölln und Vorwürfen der Vertuschung kommen weitere schockierende Details ans Licht. Wie die „B.Z.“ berichtet, sollen Mädchen schon seit Februar 2025 von sexuellen Übergriffen berichtet haben. Dabei soll es um unerwünschtes Küssen und Berührungen der Brust gegangen sein. Konsequenzen für die mutmaßlichen Täter gab es aber offenbar auch damals nicht. Stattdessen sollten Mitarbeiter des Jugendzentrums eine Fortbildung zum Thema „Sexuelle Gewalt erkennen und handeln“ absolvieren, geleitet von Experten des Trägers „
Hilfe für Jungs“. Der Termin kam jedoch nicht zustande, berichtet die Zeitung. Er sei kurzfristig wegen Krankheit abgesagt worden.Auf eine parlamentarische
AfD-Anfrage heißt es unterdessen, dass die Maßnahmen aus Sicht des Jugendsenats zu „den Vorfällen über einen so langen Zeitraum nicht ausreichend“ waren. Die in der Kritik stehende Jugendstadträtin von
Berlin-Neukölln Sarah Nagel hat inzwischen eine unabhängige Kommission eingesetzt, um die Vorgänge rund um die mutmaßliche Gruppenvergewaltigung aufzuarbeiten. Die Kommission werde sich nach Ostern konstituieren, teilte
Die Linke-Politikerin mit. Zwischenergebnisse sollen bis Ende Mai 2026 vorliegen. Lesen Sie auchDie Kommission besteht den Angaben zufolge aus Fachleuten, die sich mit Kinderschutz und dem Umgang mit sexualisierter Gewalt auskennen. Dazu gehören Vertreter des Kinderschutz-Zentrums Berlin und der
Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie. Der Verein
Yekmal, der Familienberatung anbietet, nimmt beratend an den Sitzungen teil.„Die Aufklärung ist für mich zentral“, erklärte Nagel, die in dem Fall selbst in der Kritik steht und sich mit einem Abwahlantrag der
CDU konfrontiert sieht. Die Aufarbeitung erfolge unabhängig vom
Jugendamt Neukölln. Ziel sei, die Vorfälle zu untersuchen und Konsequenzen zu ziehen, dabei den Opfern gerecht zu werden und den Schutz für alle Kinder und Jugendlichen zu erhöhen. Das betreffe die Abläufe im Jugendzentrum, bei dem freien Träger und auch im Jugendamt selbst.Ermittlungen wegen StrafvereitelungDer Neuköllner Jugendclub ist bis auf Weiteres geschlossen. Eine 16-Jährige soll dort von Jugendlichen Ende 2025 vergewaltigt und später bedrängt worden sein – die Polizei erfuhr davon erst durch die Anzeige des Vaters. Diese erfolgte laut Staatsanwaltschaft am 23. Februar. Weder das Jugendzentrum noch später das zuständige Jugendamt des Bezirks Neukölln haben Anzeige erstattet. Zu den Gründen gibt es unterschiedliche Darstellungen. Es besteht jedoch der Verdacht, dass der Vorfall nicht gemeldet wurde, um die muslimischen Täter nicht zu stigmatisieren.Inzwischen ermitteln Landeskriminalamt und Staatsanwaltschaft Berlin zu dem Vorfall. Nach Angaben der Polizei wurden auch Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Strafvereitelung und der Strafvereitelung im Amt gegen Nagel eingeleitet. Zudem seien – überwiegend online über die Internetwache – mehrere Hinweise auf „fehlerhaftes bzw. gegebenenfalls strafrechtlich relevantes Handeln bzw. Unterlassen eingegangen“, teilte eine Sprecherin am Dienstag auf Anfrage mit. Details nannte sie mit Verweis auf den Persönlichkeitsschutz nicht.Schwester des Opfers muss Schule wechseln„Dass das Jugendamt trotz des ausdrücklichen Wunsches des Opfers bewusst keine Anzeige erstattete, straft nicht nur die bisherigen Ausflüchte der Jugendstadträtin Lügen. Es erweitert den Skandal von Nachlässigkeit zu Vorsatz.
Sarah Nagel ist spätestens jetzt nicht mehr zu halten“, kritisierte der
AfD-Abgeordneten Tommy Tabor (
AfD). Bürgermeister Martin Hikel (SPD) müsse sie umgehend suspendieren.Inzwischen musste die 14-jährige Schwester des Opfers auf Wunsch der Eltern die Schule wechseln, berichtet die „B.Z.“ weiter. Die Tätergruppe hat versucht, sie zu Treffen zu bewegen, heißt es in einem Protokoll.dpa/saha