Ist es eine gute Strategie, Kinder so lange Süßigkeiten futtern zu lassen, bis ihnen schlecht wird? Dann lernen sie doch sicher daraus. Oder? Kinderärztin
Susanna Wiegand über einen guten Umgang mit Zucker, auch an Feiertagen. Dieser Artikel gehört zum Angebot von SPIEGEL+. Sie können ihn auch ohne Abonnement lesen, weil er Ihnen geschenkt wurde. Ein Korb voller Schokoeier, dazu der große Goldhase – oje, jetzt haben Oma und Opa auch noch prall gefüllte Ostertüten mitgebracht. An den Feiertagen häuft sich schnell ein Süßigkeitenberg an, und viele Eltern fragen sich: Sollten sie die Kinder schlemmen lassen oder die Zuckerflut begrenzen? Eine Expertin gibt Tipps, wie Familien die Feiertage ohne Schoko-Stress überstehen. Süßes an
Ostern – es gibt doch nichts Schöneres für Kinder, oder?Zu viel Zucker ist schädlich, da sind sich Expertinnen und Experten einig – und das wissen wir alle. Aber dürfen Kinder an Feiertagen nicht auch mal größere Mengen Süßes essen, solange sie sich im Alltag ausgewogen ernähren?»An sich schon«, sagt Kinderärztin
Susanna Wiegand, schiebt aber hinterher: »Ich bezweifle, dass die Süßigkeiten aus dem Supermarkt, die dort schon zwei Monate liegen, das schönste Ostergeschenk sind.« Es gebe bessere Wege, die Ostertage gemeinsam zu genießen. Sei es das Bemalen oder Färben von Eiern, gemeinsame Ausflüge, der Besuch des Osterfeuers oder die Ostereiersuche im Garten oder in der Wohnung. Es ist doch
Ostern. Da ist eine Ausnahme sicher okay, oder?»Was nie funktioniert, sind reine Verbote«, sagt Wiegand. Dies steigere nur die Neugier und führe dazu, dass Kinder sich andere Wege suchen – etwa indem sie Essen in der Schule tauschen. Aber: Nur weil Verbote nicht funktionieren, solle man auch nicht vom Gegenteil ausgehen. Unbegrenzt verfügbare Süßigkeiten führen also eher nicht dazu, dass Kinder das Interesse daran verlieren. »Das mag beim Lebensmittelangebot der Sechzigerjahre so gewesen sein«, sagt Wiegand. »Heute sind Kinder mit ganz anderen Produkten konfrontiert, die aggressiv beworben werden und ein großes Suchtpotenzial haben.« Zudem gibt es ständig einen vermeintlichen Anlass zum grenzenlosen Naschen: »Weihnachtsangebote gehen fast nahtlos in Ostersüßigkeiten über, dazu kommen Feiertage wie
Halloween«, sagt Wiegand. Es gehe also nicht um ein paar Anlässe im Jahr, die Familien geschickt navigieren müssen, sondern um eine konstante Verführung. Daher sei es angebracht, sich auch für Feiertage eine halbwegs gesunde Strategie zu überlegen.Gibt es ein klares »Zuviel« an Osternascherei?»Das hängt sehr vom einzelnen Kind ab«, sagt Wiegand. »Manche Kinder essen nur wenige Snacks und verlieren dann das Interesse, andere futtern, bis ihnen schlecht wird.« Letzteres wird von manchen Eltern als Lerneffekt gelobt. Nur wenn ein Kind auch mal spüre, wie es sich anfühlt, zu viel gegessen zu haben, könne es daraus lernen. »Ob man das tun möchte, ist eine individuelle Entscheidung«, sagt Ärztin Wiegand. »Man kann auch mit dem Kind darüber sprechen, warum Süßigkeiten in Maßen besser sind, und eine Abmachung treffen, wann sie gegessen werden.«Wie sollten Eltern damit umgehen, wenn Großeltern Süßes schenken möchten?»Ich würde versuchen, vorher darüber zu sprechen«, sagt Wiegand. »Gerade bei Großeltern kann man fragen, welche Traditionen sie aus ihrer eigenen Kindheit mit dem Fest verbinden.« Da kämen oft Ideen, die nichts mit den üblichen Konsumgütern zu tun haben. »Etwa eine alte, hasenförmige Backform, in der man mit den Enkeln einen Osterkuchen backen kann. Oder vielleicht ein Kressekopf, dem die Kinder beim Wachsen zusehen können.« Tipps für ganz besondere Ostertage – garantiert zuckerfrei:Gemeinsam Ostergrüße für Freunde oder Familie basteln. »Die Kinder lieben es, wenn sie sich selbstwirksam fühlen und etwas verschenken können«, sagt Wiegand.Blumen pflücken (hier gibt eine Floristin Tipps, welche Wildblumen sich hervorragend für Kränze eignen) oder gemeinsam einen Osterstrauß stecken.Die Familienausflüge machen, für die man sonst nie Zeit hat – ins Schwimmbad, in den Wildpark, zum Markt, auf den Bauernhof oder ins Museum.Spaziergänge machen, Vögel entdecken oder Pflanzen bestimmen. Wer sich auskennt, kann auch gemeinsam Bärlauch oder essbare Wildkräuter sammeln.Gekochte und gefärbte Eier im Garten oder bei einem Spaziergang verstecken und die Kinder suchen lassen. Besondere Experimentierfreude bereitet Kindern das Färben mit Lebensmitteln wie Rotkohl, Zwiebelschalen, Früchtetee oder Kurkuma.Besuch eines Osterfeuers – oder ein eigenes kleines Lagerfeuer im Garten.Hefegebäck oder Osterkuchen backen. Etwa diesen Hefezopf , der immer gelingt.Den Frühling willkommen heißen: Blumen anpflanzen oder Gemüsebeete anlegen. Besonderer Pluspunkt: Diese Beschäftigung trägt über Monate. Funktioniert auch ohne Garten. Etwa auf dem Balkon oder an einer Bauminsel in der Stadt. Jungpflanzen lassen sich – passend zu
Ostern – auch wunderbar in halben Eierschalen ansäen.