Wer ergattert den Job als „Brand Ambassador“ für eine Trinkmahlzeiten-Kampagne? In Folge 15 von „Germany’s Next Topmodel“ wetteifern die Kandidatinnen und Kandidaten um die lebensfrohsten Fotos – und messen sich in Logikexkursen.Die Quotendynamik in der Unterhaltungsindustrie hat sich seit Jahrhunderten nicht verändert. Als um das Jahr 79 nach Christus vor den Toren Pompejis der
Vesuv ausbrach, vergrub er die antike Stadt unter seiner Asche und konservierte sie gleichzeitig zur archäologisch am besten erhaltenen Ruinenstadt der Welt. Die vielen Kulturen, die sie seither bewohnten, spiegeln sich in Malereien an den Wänden ihrer Bauwerke. Ein Motiv jedoch zieht sich durch alle Stile: drastische, teilweise explizite erotische Szenen. Auch wenn damals noch niemand Englisch sprach, galt bereits: Sex sells.Dieser Leitsatz hat auch heute nicht an Relevanz verloren. In der ausgeprägten Empörungskultur unserer Kommentarspalten-Gesellschaft hat das zeitgenössische Sex sells inzwischen allerdings eine schmuddelige Note. Sobald eine Frau sich in Kleidung zeigt, die freizügiger als ein Skianzug wirkt, schaltet sie damit umgehend auch das Echauffier-Programm einer Armada von selbsternannten Tugendhütern frei, die nackte Haut und laszives Posieren für den Untergang des Abendlandes halten.Auch „Germany’s Next Topmodel“ setzt von jeher auf „Any News are good News“ und sorgt mit traditionellen Elementen wie dem obligatorischen Nacktshooting regelmäßig für titelseitenrelevante Skandalfolgen. Diese Saison knallen die Nackt-macht-Quote-Champagnerkorken schon vor dem zwangstextilfreien Ablichtungsmarathon im Adamskostüm, als
Marlene das Set betritt. Freiwillig und ohne jegliche künstlerische Notwendigkeit wendet sie sich beim Sedcard-Shooting mit einer unverhofften Nudistenbitte an Model-Dompteurin
Heidi Klum: „Ich würde gerne mein Oberteil ausziehen, wenn das okay ist?“ Sätze aus dem Knigge für Gentlemen-Petting, da hüpft das Quotenherz.Casting für einen Job als „Brand Ambassador“Bis die ersten Hüllen fallen, geht es aber zunächst zum Casting. Dort geht es, das verraten die eigens nach
Los Angeles geeilten Kundenvertreterinnen sogleich, um den Job als „Brand Ambassador“ für „leckere pflanzliche Trinkmahlzeiten“. Und das sind nicht irgendwelche Trinkmahlzeiten, sondern solche, „die ganz einfach alles dabeihaben, was man für einen aktiven Lifestyle braucht!“ Also vermutlich ein Snowboard, ein E-Bike, eine Boulder-Ausrüstung und die Akkreditierung zum Berliner Marathon.Um das perfekte Trinkmahlzeit-Paar zu finden, werden die Kandidaten in gemischten Zweiergruppen auf die Straßen von Downtown L.A. entsendet, um möglichst lebensfrohe Fotos zu schießen. Bei der Aufteilung verpasst Team Trinkmahlzeit leider die grandiose Chance, Merret und Boureima auf eine weitere gemeinsame Pöbelmission zu schicken. Unerwartet philosophisch wird dabei Yanneck: „Ich spüre, dass ich ein Sunnyboy bin, ich liege viel in der Sonne, gerade im Sommer!“ Hoffentlich bleibt der Richard David Precht der Kausalketten noch lange im Wettbewerb. Weitere Spontanlyrik wie „Ich spüre, dass ich ein Bad Boy bin, ich mache viel Böses, vor allem als Junge!“ würde ich ungern verpassen.Nana, Aurélie, Carsten, Julia und Luis in Folge 15Max Montgomery/ProSiebenLuis hingegen hat einen intensiven Riecher für produktkonzeptionell passende Bildmotive. Er lässt sich für sein „Lebensfreude“-Bild vor einem berühmten Burgerladen ablichten. Eine grenzgeniale Sensationsidee für ein rein pflanzliches Produkt. Shooting-Partnerin Antonia ist trotzdem begeistert. Und das, obwohl diesem Luis eigentlich ein „o“ fehlt, um sie wunschlos glücklich zu machen. Vielleicht, weil auch sie sich in ihrem Element wähnt: „Ich hatte mega viel Spaß, da so von der Stange zu hängen!“ Ein Satz, den man normalerweise nur in Poledance-Kursen hört.Die werbetauglichste Symbiose aus Lebensfreude und Trinkmahlzeit kreieren
Marlene und Ibo. Sie sahnen den begehrten Job ab. Ibo kann sein Glück kaum fassen: „Mein Herz war am Rasen!“ Er ist wohl leidenschaftlicher Gärtner. Sein Erfolg bleibt auch
Heidi Klum nicht verborgen: „Ibo hatte sich schon in seiner Bewerbung als Fashion-Dude bezeichnet. Mit mittlerweile zwei Jobs macht er seinem Namen alle Ehre!“ Vor allem natürlich mit dem heutigen, denn was schreit mehr Fashion als pflanzliche Trinkmahlzeiten?„Keine kranken, extravaganten Outfits, jetzt müssen wir abliefern!“Am Folgetag steht dann endlich das Sedcard-Shooting an. Jeans, einfaches weißes Top, kaum Make-Up. Die oft als wichtigstes Shooting der Staffel bezeichnete Modelmappen-Realität bleibt dieses Jahr erfrischend unprätentiös. Oder wie
Marlene sagt: „Keine kranken, extravaganten Outfits, jetzt müssen wir abliefern!“ Gesagt, getan. Oder wie in Marlenes Fall: Gesagt, weggetan. Ihr Oberteil nämlich. Noch bevor das erste Mal der Auslöser gedrückt wird, sprudelt es aus ihr heraus: „Ich würde gerne mein Top ausziehen, wenn das erlaubt ist!“ Erlaubt? Nackte Haut – und das auch noch freiwillig. Dafür sind Privatsender ja einst überhaupt gegründet worden.Godfrey versucht es derweil mit anderen Talenten: dem professionellen Einhandstand – und damit seinen besonderen Fähigkeiten für Akrobatik. Und Logikexkursen: „Damit sieht der Kunde, dass man mehr kann als man sieht!“ Wenn er jetzt noch dafür sorgt, dass Kunden mehr hören als man hört, wäre ihm das „Harper's Bazaar“-Cover nicht mehr zu nehmen.
Heidi Klum ist auch so beeindruckt: „Ist vielleicht gut, das auf der Sedcard zu haben, da zeigt man was, was andere nicht können!“ Das ist korrekt. Vor allem den Kunden, die kein Model, sondern einen Breakdancer suchen.Boureima hadert dagegen mit seinem Ausdrucksportfolio: „Auf Knopfdruck gute Laune, das finde ich schwieriger als andere Emotionen.“ Langeweile und latentes Desinteresse zum Beispiel gelingen ihm beeindruckend instinktiv. Wenigstens ist er hierarchisch optimal konditioniert: „Heidi ist die Chefin. Heidis Meinung ist meine Meinung!“Comeback-Girl Safira, die nach krankheitsbedingtem Abbruch im Vorjahr nun als Quereinsteigerin in den Schoß der GNTM-Familie zurückkehrt, zeigt an ihrem ersten Tag direkt außergewöhnliche Fähigkeiten: „Sie versteht ihre Haare!“ Ein unbezahlbarer Vorteil für ein Model. Wer Untertitel oder einen Simultandolmetscher für seine eigenen Haare benötigt, hat wenig Chancen auf Weltkarriere. Kurz steht das Weiterkommen dennoch auf des sogenannten Messers Schneide, als Klum fordert: „Bitte wechsle mal dein Bein!“ Safira hat kein Ersatzbein zur Hand und auch das offizielle ProSieben Körpermodellierungsteam Dr. Dick und Dr. Nick sind nicht anwesend. Dann aber Entwarnung: Eine kurze Verlagerung des Körperschwerpunkts reicht aus.Am Ende sehen die Ergebnisse der Sedcard-Bilder bei Julia, Nana, Bianca und Yanneck am wenigsten erfolgversprechend aus. Das Quartett wackelt. Klum schickt die schluchzende Julia, den erleichterten Yanneck und die heulende Nana in die nächste Runde – Best Ager Bianca muss den Rückflug antreten. Sie wird diese Woche nicht die letzte Kandidatin sein, deren Traum zerplatzt. Dazu dann aber morgen mehr. Bis dann.