2. April 2026US-Präsident
Donald Trump versucht,
Südafrika diplomatisch auszubooten und will weiße Südafrikaner vor einem vermeintlichen Genozid retten. Auch neue Entwicklungen vertiefen den Graben zwischen beiden Ländern.https://p.dw.com/p/5BVBUKnapp drei Monate nach Wolodymyr Selenskyj erlebte
Cyril Ramaphosa bei seinem Besuch im Weißen Haus im Mai 2025 eine ähnlich angespannte AtmosphäreBild: Jim Watson/AFPAls Südafrikas Präsident
Cyril Ramaphosa kürzlich auf einer Parteikonferenz von "aggressiven globalen rechten Kräften" sprach, wusste wohl jeder gemeint war: Seitdem
Donald Trump Anfang 2025 ins Weiße Haus zurückgekehrt ist, sind die Beziehungen zwischen den USA und
Südafrika immer tiefer in die Krise gerutscht. Trump warf Südafrikas schwarzer Bevölkerungsmehrheit einen "Genozid" an der weißen Minderheit vor, ohne echte Beweise vorzulegen - ein Vorwurf, den Ramaphosas Regierung vehement zurückwies. Trump boykottierte auch die im vergangenen Jahr von
Südafrika ausgerichteten
G20-Treffen inklusive des Gipfels in
Johannesburg. Und nun berichten verschiedene Medien, die USA hätten Druck auf
Frankreich ausgeübt, das daraufhin
Südafrika wieder vom für Juni geplanten
G7-Gipfel in
Evian auslud. Der Startpunkt für die diplomatische Eiszeit liegt jedoch schon deutlich vor dem Beginn von Trumps zweiter Amtszeit, glaubt Daniel Silke, Leiter der Beratungsfirma Political Futures Consultancy in Kapstadt: "Diese Entwicklung zwischen
Südafrika und den USA hat sich schon lange abgezeichnet. Denn
Südafrika hat im Laufe der letzten zehn Jahre seine außenpolitische Ausrichtung weg von den USA und dem Westen verlagert", sagt Silke zur DW. Das Land habe sich stärker den
BRICS-Staaten zugewandt, ein Zusammenschluss aufstrebender Volkswirtschaften, die ein Gegengewicht zum westlich geprägten
G7-Bündnis bilden.Im August 2023 schrieb der
BRICS-Gipfel in
Johannesburg Geschichte: Dort wurde die Aufnahme weiterer Staaten in das Bündnis beschlossen. Russlands Staatschef Wladimir Putin schickte nur Außenminister Sergei Lawrow, da
Südafrika als Mitglied des Internationalen Strafgerichtshofes Putin hätte verhaften müssen.Bild: Li Xueren/Xinhua/picture alliance Selbst nachdem
Russland seinen Angriffskrieg in der Ukraine begann, bemühte sich Ramaphosa weiter um gute Beziehungen mit dem
BRICS-Mitglied; die Nähe seiner Partei ANC zu Moskau stammt noch aus den 70er- und 80er-Jahren, als die Sowjetunion den Kampf gegen das Apartheids-Regime unterstützte. In jüngerer Vergangenheit band sich
Südafrika zudem enger an China, ein weiteres
BRICS-Land. Washington habe diese Verschiebung verfolgt und die Botschaften der
BRICS-Gruppe zur Kenntnis genommen, sagt Silke. Das Bündnis verfolge ein gemeinsames Ziel: Die Rolle des US-Dollars als Leitwährung im Welthandel zu reduzieren. "Der ANC hegte historisch gesehen schon immer Misstrauen gegen die USA", sagt Silke gegenüber DW. Auch hier reicht die Begründung zurück in die 1980er-Jahre, als der internationale Druck auf das Apartheids-Regime zunahm. Der damalige US-Präsident Ronald Reagan habe jedoch kein Interesse gehabt, umfassende Wirtschaftssanktionen gegen
Südafrika zu verhängen, sagt Silke. Nach dem Ende der Apartheid 1994 hatten sich auch die diplomatischen Beziehungen der USA mit dem Amtsantritt des Demokraten Bill Clinton zu dem Land am Kap gewandelt. Für
Südafrika sind laut Statistiken der staatlichen deutschen Wirtschaftsförderungsagentur GTAI die Vereinigten Staaten heute - hinter China - der zweitwichtigste Handelspartner. Ronald Reagan (hinten) bleibt vielen Südafrikanern wegen seines "konstruktiven Engagements" und dem Veto von Sanktionen gegen das rassistische Apartheid-Regime in Erinnerung;
Donald Trump leistet sich nun Streit mit der ANC-RegierungBild: Brian Snyder/REUTERS "Der ideologische Rechtsruck in Washington brachte die Regierung auf Kollisionskurs mit dem ANC", sagt Silke. "Mit einem Trump, der keine Angst vor einem solchen Kurs hat, verschlimmert sich die Lage noch." Der Wissenschaftler Noor Nieftagodien, Leiter des History Workshops an der Witwatersrand Universität von
Johannesburg, betont ebenfalls die zentrale Bedeutung der Tech-Investoren aus dem Umfeld von Trumps MAGA-Bewegung, unter deren Einfluss die Republikanische Partei rassistischer agiere als je zuvor. "In seinem inneren Zirkel sind Menschen wie Elon Musk und Peter Thiel", sagt Nieftagodien der DW. Der Tesla-Chef und frühere Leiter von Trumps Deregulierungs-Behörde DOGE, Musk, ist gebürtiger Südafrikaner, Paypal-Gründer Thiel hat in seiner Kindheit in Namibia gelebt. "Sie haben Verbindungen zu rechtsextremen, rassistischen Organisationen in
Südafrika, die die komplette Lüge verbreitet haben, es gebe einen weißen Genozid in
Südafrika. Und Trump hat das übernommen."In
Südafrika kommt es immer wieder zu bisweilen tödlicher Gewalt gegen weiße Farmer. Trump deutet diese Tatsache auf Grundlage zweifelhafter Quellen zu einem Genozid um - und konfrontierte
Cyril Ramaphosa bei dessen Washington-Besuch im Mai 2025 damit.Bild: IMAGO/Newscom / AdMedia Dianne Hawker, DW-Korrespondentin in
Johannesburg, sieht
Südafrika praktisch seit Amtsübernahme im Visier der Trump-Regierung: "Nur zwei Wochen danach gaben die USA den Stopp aller Hilfsprogramme bekannt, unter Verweis auf angebliche Menschenrechtsverletzungen", sagt Hawker. Darunter sind auch Programme zur Bekämpfung von HIV/Aids, deren Auslaufen für viele HIV-positive Südafrikaner potenziell lebensbedrohlich ist. Der Graben vertiefte sich weiter, als die US-Regierung ein spezielles Asylprogramm für weiße Südafrikaner auflegte und zugleich die Flüchtlingsaufnahme generell drastisch reduzierte. Den Afrikaanern wurde ein Großteil der nur noch 7.500 Plätze in Aussicht gestellt. Ein weiterer Knackpunkt:
Südafrika zog im Dezember 2023 vor den Internationalen Gerichtshof in Den Haag und klagte Israel wegen Völkermord an den Palästinensern in Gaza an. Israel bestreitet das und Trump hält die Vorwürfe für haltlos: Die US-Regierung legte im März 2026 formell Einspruch in Den Haag ein. Auch der jüngste Krieg im Nahen Osten hat weitere negative Auswirkungen auf das US-südafrikanische Verhältnis. Irans Regime ist im ANC immer noch gut gelitten, da die Kleriker nach der Islamischen Revolution von 1979 kein Öl mehr an das Apartheid-Regime lieferten und zugleich den ANC unterstützten.Sympathie mit Palästina und Iran: Die außenpolitischen Botschaften dieser Demonstration Anfang März in Durban gründen zu großen Teilen auf historisch gewachsenen Verbindungen während des südafrikanischen Befreiungskampfes gegen die ApartheidBild: Rajesh Jantilal/AFP/Getty Images Dass
Südafrika nicht von Teheran abrückt, ist laut Analyst Nieftagodien US-Präsident Trump ein Dorn im Auge: "Die Trump-Regierung duldet keinerlei kritische Stimmen gegenüber ihrer eigenen Weltanschauung und dem Bestreben, dem Rest der Welt ihren Willen aufzudrücken." Aus seiner Sicht will Trump
Südafrika für dessen unbeirrten, eigenständigen außenpolitischen Kurs bestrafen. Solange Trump im Weißen Haus bleibt, rechnet Nieftagodien nicht mit einer Entspannung im Verhältnis beider Länder.