Welche Serien und Filme im April starten – und was sich jetzt schon lohnt »
Euphoria« ist zurück, Island mischt »The Bear« mit »Breaking Bad«, und niemand kennt
Mesut Özil: Was im April anläuft und welche Klassiker einen zweiten Blick verdient haben. Kinoerfolge, die endlich im Netz zu sehen sind, TV-Klassiker, die eine neue Staffel bekommen: Jeden Monat fassen wir zusammen, welche Serien und Filme neu bei
Netflix und Co. sowie in den Mediatheken zu sehen sind. Der Streamingfahrplan. »Only Margo« (»Margo’s Got Money Troubles«) auf
Apple TV+ Margo (
Elle Fanning) hat Geldprobleme. So die titelgebende Ausgangslage der neuen
A24-Dramedyserie. Ungeplant schwanger von ihrem Professor muss die Zwanzigjährige die Uni abbrechen. Statt vor der geplanten Schriftstellerkarriere steht sie nun vor einem Berg an Rechnungen und der Zwangsräumung.Also erfindet Margo (
Elle Fanning) keine Romanfigur, sondern eine außerirdische OnlyFans-Persona: zuerst mit satirischen Texten, später auch mit Videos – irgendwo zwischen Kunst und Porno. Hilfe kommt dabei von ihrem bis dato entfremdeten Vater, einem ehemaligen Pro-Wrestler (
Nick Offerman) und ihrer Mutter, einer Ex-Hooters-Kellnerin (
Michelle Pfeiffer).Neben Humor und exzentrischen Figuren verspricht »Only Margo« einen mutigen Blick auf die Welt digitaler Sexarbeit. Die Vorlage wurde in den USA zum Bestseller. Ab 15. April läuft die Serie bei
Apple TV+. An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von YouTube, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können Ihre Zustimmung jederzeit wieder zurücknehmen. Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. »Reykjavík Fusion« in der
Arte-MediathekAuch Jónas hat Geldprobleme. Nach seiner Haftstrafe wegen Versicherungsbetrugs hofft der Isländer, das Vertrauen von Familie und Verlobter zurückzugewinnen – und eröffnet sein eigenes Restaurant: »Reykjavík Fusion«. Hilfe bekommt er leider ausgerechnet von einem Ex-Mitinsassen und Gangsterboss. Dessen Geld kommt nicht ohne Preis und Jónas wird schnell in die Unterwelt Reykjavíks gezogen.Die potenziell »köstliche« Thrillerserie verspricht eine isländische Mischung aus »Breaking Bad« und »The Bear« zu werden. So zumindest wurde sie beim Serienfestival in Cannes gefeiert. Ab 16. April können Sie »Reykjavík Fusion« in der
Arte-Mediathek sehen.»
Euphoria«, Staffel 3Einer der teuersten Neustarts dürfte im April die dritte Staffel »
Euphoria« werden. 2019 wurde die düstere Coming-of-Age-Serie zum Riesenerfolg und machte den Cast um Zendaya, Sydney Sweeney und Jacob Elordi weltberühmt. Nicht wegen der vermeintlich skandalösen Themen – Drogen, Sex, psychische Krankheiten und Trauma waren schon vorher da. Sondern weil die Serie die Abgründe des Erwachsenwerdens anders erzählte als die üblichen Highschool-Dramen: extrem ästhetisch, düster und sehr nah dran. SPIEGEL-Mitarbeiterin Anja Rützel schrieb damals, »
Euphoria« bemühe sich erst gar nicht, so zu tun, als kapiere es selbst seine Figuren komplett: »Vielleicht ist es das Respektvollste, das eine Highschool-Serie tun kann.« An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von YouTube, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können Ihre Zustimmung jederzeit wieder zurücknehmen. Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Vier Jahre nach Staffel zwei geht die Show nun in die letzte Runde. Die Figuren haben die Schule hinter sich gelassen – und es deutet sich ein Kurswechsel an: Der Trailer strahlt kalifornische Sonne und Actionkrimi aus und sorgte im Netz bereits für »Grand Theft Auto«-Vergleiche. Showrunner Sam Levinson sprach im Vorfeld selbstbewusst von der bislang besten Staffel. Ab 13. April zeigt sich, ob er damit Recht behält. Zu sehen bei HBO Max und Wow (Sky).»The Secret Agent« auf MubiAbseits des Mainstreams wartet bei Mubi mit »The Secret Agent« ein packender Politthriller aus Brasilien. Regisseur Kleber Mendonça Filho, der für seinen Film oscarnominiert war, zeigt eine Welt, in der Menschenleben wenig zählen. 1977 kehrt Marcelo (Wagner Moura) aus São Paulo zurück in die Küstenstadt Recife im Nordosten der damaligen brasilianischen Militärdiktatur. Er möchte seinen Sohn wiedersehen, doch die politische Realität holt ihn schnell ein und er wird in ein Netz aus Überwachung und Korruption gezogen. Dabei rechnet »The Secret Agent« mit dem Totalitarismus ab, damals wie heute. »Er versetzt uns ganz und gar in eine brutale, unbarmherzige Zeit zurück und fragt uns, wo wir heute stehen«, schreibt SPIEGEL-Redakteur Lars-Olav Beier in seiner Rezension . »The Secret Agent« zeigt kunstvoll, warum vermeintlich einfache Lösungen eben nicht die Lösung sind. Aktueller könnte es nicht sein.« Der Film ist ab 17. April bei Mubi zu sehen. Barbara Shirin Davidavičius alias Shirin David in ihrer
Netflix-Dokumentation Ob in der Musik oder im Sport: Wer Rang und Namen hat, bekommt heutzutage noch zu Lebzeiten eine Dokumentation. Dem Star ganz nah kommen und hinter die Fassade blicken, so das Ziel. Manchmal gelingt es dabei, eine größere Geschichte zu erzählen. Die
Netflix-Produktion »Becoming Shirin David« schafft das nicht. Sie zeigt Barbara Shirin Davidavičius’ Weg zum Erfolg. Wir sehen, wie die toughe Geschäftsfrau unter ihrem Perfektionismus und der Einsamkeit leidet. Hinter der Fassade bleibt es ansonsten leer. Die Doku erzähle, schreibt SPIEGEL-Mitarbeiter Arno Frank in seiner Rezension , »wirklich beeindruckend so gut wie gar nichts.«»
Mesut Özil – Zu Gast bei Freunden« (ZDF)Der Doku-Dreiteiler »
Mesut Özil – Zu Gast bei Freunden« macht es ab der ersten Minute anders. »Keiner kennt ihn«, sagt Hamit Altintop und setzt damit den Grundton des Dreiteilers. Özil ist wie Altintop Deutschtürke. Seine Geschichte war lange eine politisierte Aufsteigergeschichte: vom schüchternen Jungen aus Gelsenkirchen, Enkel eines Gastarbeiters, hin zum Ausnahmefußballer. Bis ein Foto mit dem türkischen Präsidenten 2018 das Ende seiner Karriere einleitete – und Özil endgültig zur politischen Projektionsfläche wurde.
Mesut Özil wird hier weder als Held gezeigt noch angeprangert. Die Dokumentation rekonstruiert seine eindrückliche fußballerische Karriere. Sie rekonstruiert aber vor allem, wie die Stimmung in Deutschland von einem vermeintlich offenen Einwanderungsland in offenen Rassismus kippte. Der Fall Özil liege nun bereits acht Jahre zurück, schreibt SPIEGEL-Redakteur Jörn Meyn . »Er ist weitestgehend auserzählt, aber eine dahinterliegende Thematik nicht: Wie geht Deutschland mit dem Teil seiner Gesellschaft um, der ausländische Wurzeln besitzt?« »
Mesut Özil – Zu Gast bei Freunden« zeigt: Keiner kennt ihn. Auch 2026 scheinen Menschen mit Migrationsgeschichte reine Projektionsfläche zu bleiben.»Scarpetta« und Prestige-Trash (Prime Video) Nicole Kidman als Gerichtsmedizinerin Kay Scarpetta Von Krimifans wurde die Forensikerin Kay Scarpetta sehnsüchtig erwartet, seit Patricia Cornwalls sie in 29 Mystery-Romanen zur Hauptfigur machte. In den Neunzigern sollte die Forensikerin mal von Demi Moore gespielt werden, in den Nullerjahren dann von Angelina Jolie. Die Projekte scheiterten.Nun übernimmt Nicole Kidman in der Prime-Video-Serie »Scarpetta« das Skalpell. Verheiratet mit Simon Baker (»The Mentalist«) alias FBI-Profiler Benton Wesley, wird sie von einem Fall aus der Vergangenheit eingeholt, der an den ersten Roman der Reihe angelehnt ist. Das ist Vorabendfernsehen, aber in Hochglanz, in den USA auch »Prestige Trash« genannt. Der Begriff bezeichnet den Trend weg von großen Prestige-Serien wie »House of Cards« oder »Succession « und hin zu schnell und einfach konsumierbaren Shows, die nach einem bewährten Erfolgsrezept aufgebaut sind: beliebtes Genre, erfolgreiche Buchvorlage, große Namen im Cast und schicke Aufmachung. Meist gibt es einen Hauch Trauma und einen finalen Twist am Ende. Das New-Yorker-Porträt der
Netflix-Medienmanagerin Bela Bajaria erklärt es so: Die ideale
Netflix-Show sei, so zitiert sie einen der
Netflix-Bosse, wie ein »Gourmet Cheeseburger – premium und kommerziell gleichzeitig.« Michelle McLeod, Sheila McCarthy, Liv McNeil, Jessie Buckley, Claire Foy, Kate Hallett, Rooney Mara und Judith Ivey in »Die Aussprache« Foto: Michael Gibson / Orion Releasing / Universal / dpa Geprägt wurde der März auch von einer deutschlandweiten Debatte über digitale Gewalt gegen Frauen. (Die SPIEGEL-Recherche zum Fall Collien Fernandes finden Sie hier .) Ein Thriller, der aktuell in der
Arte-Mediathek zu sehen ist, ist dazu eine ideale filmische Ergänzung: »Die Aussprache« veranschaulicht die Gewalt, der Frauen ausgesetzt sind, und die Optionen, die sie haben, um damit umzugehen. Sarah Polley, alias »Die Frau, die sich schon als Zwölfjährige mit dem
Disney-Konzern anlegte «, behandelt darin den Fall einer mennonitischen Kolonie in Bolivien. Dort wurden zwischen 2005 und 2009 mehr als 100 Frauen nachts mit Betäubungsmitteln gefügig gemacht und vergewaltigt. Die dadurch entstehenden Verletzungen wurden mit »Dämonen« oder der »weiblichen Fantasie« erklärt, bis einer der Vergewaltiger durch Zufall geschnappt wurde. Der Film imaginiert eine Art Prozess, in dem die Frauen beratschlagen, wie es in der Kolonie nun weitergeht. Ausschließlich Betroffene kommen dabei zu Wort. »Die Aussprache« ist bei Prime Video und bis zum 7. April in der
Arte-Mediathek zu sehen.