PanoramaGlobal19. April 2025Ostern steht vor der Tür und mit ihm bunte Eier, Schokoladenhasen und eine reiche Symbolik. Denn das Osterküken, der Osterhase und das lodernde Osterfeuer haben eine lange Tradition, die älter ist als das Christentum.https://p.dw.com/p/4e0JjEier stehen symbolisch für neues Leben oder WiedergeburtBild:
Michael Bihlmayer/chromorange/picture alliance Christlich geprägte Länder feiern an
Ostern die Auferstehung Jesu Christi. Rund um das Fest gibt es aber auch viele Bräuche, die oft heidnischen Ursprungs sind und vor allem Kindern Freude machen. Bunt kolorierte Ostereier als Symbol für Leben und Fruchtbarkeit Traditionell werden an
Ostern Eier gefärbt Bild:
Patrick Pleul/dpa/picture allianceIn der Kulturgeschichte der Menschen trifft man schon früh auf das Ei. Es steht für Fruchtbarkeit und neues Leben. Im alten Ägypten wurden Eier als Grabbeigaben verwendet, um auf das Leben nach dem Tod hinzuweisen. Auch die
Römer und
Germanen bedienten sich dieser Symbolik. Im Mittelalter überreichten die Pächter an
Ostern ihren Gutsherren Eier oder Hasen, damit bezahlten sie die Abgaben für ihr Lehen. Auf diese ursprüngliche Bezahlung geht auch der heutige Brauch zurück, Ostereier zu verschenken. Der Osterhase ist heidnischen UrsprungsBild:
Michael Bihlmayer/picture alliance Viele deutsche Kinder wachsen mit der Tradition auf die bunten Eier an
Ostern zu suchen. Die werden vom Osterhasen gebracht. Und er bringt nicht nur Eier, sondern auch Schokolade, andere Leckereien und Geschenke. Seine Wurzeln reichen bis ins 17. Jahrhundert in
Deutschland zurück, aber seine Rolle als Eierbringer hat sich im Laufe der Zeit auf der ganzen Welt verbreitet. Das Ostereiersuchen ist aber wohl eher eine Erfindung des städtischen Bürgertums, denn dass Hasen und nicht Hühner die Eier legen und bringen, war Bauernkindern kaum zu vermitteln. Dass Meister Lampe diese Rolle zufiel, lag wohl auch daran, dass die hungrigen Tiere nach einem harten Winter in die Dörfer und Bauerngärten kamen, um dort nach Nahrung zu suchen. Da der scheue Hase eigentlich die Nähe des Menschen meidet, glaubte man, er käme nur, um die bunt bemalten Eier abzulegen. Dass der Feldhase zum Spezialisten für das Färben und Verstecken von Eiern geworden ist, hat sicher auch mit seiner Fruchtbarkeit zu tun.
Ostern gilt bei den Christen als Symbol für neues Leben, wie ursprünglich das Frühlingsfest bei den
Germanen. Kein Wunder also, dass der Hase in dieser Symbolik eine Schlüsselrolle spielt, können doch Häsinnen mehrmals im Jahr bis zu acht Junge zur Welt bringen. Schon zu Zeiten der germanischen Fruchtbarkeitsgöttin Ostara wurde der Hase daher als heiliges Tier verehrt. Kinder suchen das "Osternest", in dem neben Eiern und Schokolade häufig auch andere Geschenke versteckt werdenBild: Tobias Hase/dpa/picture alliance Ostereier und Ostergeschenke werden in
Deutschland traditionell am Ostersonntag in Nestern im heimischen Garten oder in der guten Stube versteckt. Die Suche nach den Eiern symbolisiert die Suche nach Freude und Glück. Ein Sinnbild für die Jünger Jesu, die das leere Grab ihres Messias suchten und schließlich die frohe Botschaft von seiner Auferstehung verkündeten. Neben dem Verstecken und Suchen von Ostereiern gibt es noch viele andere spielerische Traditionen, die vor allem bei Kindern in der Osterzeit sehr beliebt sind. Dazu gehören Eierrollen, Eiersuchwettbewerbe und Osterbasteleien. Im Christentum ist das Osterküken ein Symbol für die Auferstehung Jesu Christi nach seinem Tod am Kreuz. Das frisch geschlüpfte Küken steht für das neue Leben und den Neuanfang, der mit
Ostern verbunden ist. Deshalb ist das Küken bei Osterdekorationen heute nicht mehr wegzudenken. Es gehört in
Deutschland zum Osterfest wie der Nussknacker zu Weihnachten. Das Osterfeuer geht vermutlich auf heidnische Bräuche der
Germanen zurückBild: Mohssen Assanimoghaddam/picture alliance In vielen Ländern, insbesondere in Europa, ist das Entzünden von Osterfeuern eine alte Tradition. Diese Feuer symbolisieren oft das Licht, das Christus in die Welt gebracht hat, und werden häufig am Samstag vor Ostersonntag entzündet. Schon bei den
Germanen brannten sie. Bei ihnen symbolisierte das Feuer die Sonne, die das Leben auf der Erde ermöglicht. Mit den Osterfeuern wurde im Frühjahr die Sonne als Hüterin der Fruchtbarkeit und des neuen Wachstums begrüßt. Im Weserbergland rollten die Menschen sogar brennende Räder ins Tal, in anderen Gegenden banden sie eine Strohpuppe an das brennende Kreuz, die den Verräter Judas darstellen sollte. In einigen Religionsgemeinschaften in
Deutschland finden Osterumzüge oder Prozessionen statt, die oft biblische Szenen nachstellen oder religiöse Symbole tragen. Ein alter Brauch der Sorben in Brandenburg und Sachsen ist das Osterreiten. Dabei reitet man mit dem Kreuz und anderen christlichen Symbolen um die Felder. So soll die Saat gesegnet werden, damit im Herbst eine reiche Ernte eingebracht werden kann. Bedrohtes Brauchtum: Zum Osterreiten bei den SorbenTo view this video please enable JavaScript, and consider upgrading to a web browser that supports HTML5 video Andere Länder, andere Bräuche: In Australien bring das Osterbilby die Eier.Bild: Wild Life Sydney / Ho/dpa/picture alliance Während der Osterhase und das Osterküken in
Deutschland die bekanntesten Symbole sind, gibt es weltweit verschiedene Variationen des Festes. In einigen Regionen bringt der Osterfuchs die Eier. In Schweden macht der eierlegende Osterhahn dem Hasen die Arbeit streitig, in der Schweiz der ja eigentlich als Eierdieb geschmähte Kuckuck. In manchen Kulturen sind sogar mythologische Wesen Eierbringer. In Australien übernimmt den Job eine bedrohte Nagetierart, das Osterbilby. Dieser Artikel wurde erstmals am 30.März 2024 veröffentlicht.